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fake news Foto: picture alliance | blickwinkel/McPHOTO/C. Ohde

Fake News in Zeiten der Corona
Mimikama klärt auf

Coronavirus als Biowaffe, Ibuprofen als Gefahr, Zwiebeln als Heilmittel. Seit einigen Tagen und Wochen kursieren Falschnachrichten über die Corona-Pandemie. Besonders tückisch: Oft werden sie von Freunden oder Familienmitgliedern verbreitet – als Kettenbriefe über WhatsApp oder Facebook. Doch wie kann man fundierte Informationen und Falschnachrichten auseinanderhalten?

Andre Wolf kennt sich mit Falschnachrichten sehr gut aus. Er arbeitet für den Wiener Verein Mimikama, der seit 2011 über Desinformation im Netz aufklärt. So recherchiert und prüft der Verein eingehende NutzerInnen-Meldungen. Das Ziel soll sein, dass die NutzerInnen selbst Instrumente gezeigt bekommen, um Falschnachrichten zu entlarven. Seit September 2019 ist Mimikama Teil des internationalen europäischen Recherchenetzwerks zur Bekämpfung von Desinformation „SOMA“.

https://www.mimikama.at

Auf die Quelle kommt es an!

Als erstes sollte man sich die Quelle der Nachricht genauer ansehen, rät Andre Wolf: “Eine gute Quelle sollte transparent sein, also ich sollte immer nachvollziehen können, wer steckt dahinter und ich sollte eine Feedbackmöglichkeit haben. Ich muss in der Lage sein, eine Person, die etwas veröffentlicht hat, auch ansprechen zu können.“

Lässt sich die Quelle einer Nachricht nicht zuverlässig recherchieren, ist Vorsicht angebracht – sagt Andre Wolf. Dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Behauptung oder die absendende Person hat die Information vom Hörensagen. Letzteres ist bei den zurzeit kursierenden Sprachnachrichten und Kettenbriefen häufig der Fall.

Wie kann man Quellen checken?

Ich muss mich entschleunigen. Das ist ja das Stichwort der Stunde, einfach, weil wir jetzt gerade die Zeit haben.

Andre Wolf

Es gibt verschiedene Wege zu prüfen, ob eine Information stimmt: “Das erste ist natürlich, man schaut auf den Absender. Wenn es eine Website ist, schaue ich ins Impressum. Ist das Impressum transparent, nachvollziehbar, wer dahinter steckt oder nicht, oder habe ich es lediglich mit einem YouTube-Video von irgendeinem Kanal zu tun? Das ist natürlich immer schlecht. Denn, je mehr ich über den Absender weiß, desto besser ist das.”

Außerdem sollte man sich Zeit nehmen, um die Information zu prüfen:  “Ich muss mich entschleunigen. Das ist ja das Stichwort der Stunde, einfach, weil wir jetzt gerade die Zeit haben. Ich muss mir die Zeit nehmen, und vergleichen. Ich muss die Informationen, die mir vorliegen, in eine Suchmaschine schmeißen und schauen, wer noch darüber geschrieben hat. Sind das seriöse Stellen oder wieder anonyme Quellen, die irgendwas behaupten?”

Auch bei Fotos kann man selbst überprüfen, ob sie authentisch sind. Google beispielsweise bietet eine so genannte umgekehrte Bildersuche an. Dabei muss man im Browser die Suchmaschine öffnen und oben rechts auf „Bilder“ klicken. Dann erscheint neben dem Suchfeld ein kleines Kamerasymbol. Klickt man darauf, kann man entweder ein abgespeichertes Bild hochladen oder eine URL eingeben. “Und die Suchmaschine zeigt mir dann, in welchem Zusammenhang das Bild noch aufgetaucht ist.” Demnach könne man gezielt schauen, ob der Kontext zum Bild passe oder es schon früher in einem anderen Kontext aufgetaucht sei.

Informationen lassen sich auch überprüfen, indem man Expertinnen und Experten um ihre Meinung fragt, sagt Andre Wolf: „Nicht irgendwelche selbsternannten Experten, sondern wirklich Menschen, die sich mit dem Thema auskennen und auch dementsprechend eine gesunde Selbstreflexion haben gerade beim Thema Corona und in der Lage sind eventuell eigene Fehler eingestehen zu können.”

Mit diesen 4 Schritten kann jede(r) UnserIn Falschmeldungen checken. Grafik: BR | Thomas Wachholz
Mit diesen 4 Schritten kann jede(r) UnserIn Falschmeldungen checken. Grafik: BR | Thomas Wachholz

Vier Felder von Falschnachrichten

Grundsätzlich definiert Andre Wolf vier Typen von Falschnachrichten. Er nennt sie „Felder“.
Das erste Feld sind in gutem Glauben weitergeleitete Nachrichten wie Kettenbriefe und Sprachnachrichten.
Das zweite Feld sind Trollereien und Satire. “Also jemand macht bewusst eine Falschmeldung zu einem Thema. Bei Satire ist es meist erkennbar, bei Trollereien ist es nicht zu erkennen, weil es einfach Menschen gibt, die Spaß daran haben, andere in die Irre zu führen.”
Das dritte sind politisch motivierte Verschwörungsmythen. “Jemand versucht bewusst, demokratische Systeme zu stören, indem kleine Verschwörungsmythen geteilt und gestreut werden. Im Moment sind es so Mythen über zehntausende Soldaten, die auf dem Weg in Richtung Osteuropa seien, um absichtlich den Virus nach Osteuropa zu bringen oder dass 5G-Netz das Corona-Virus verbreiten würden. Diese wirken destabilisierend.
”Das vierte Feld ist Cyberkriminalität. Kriminelle seien jetzt dabei die Gunst der Stunde zu nutzen, mit Fakeshops entweder Kreditkartendaten zu identifizieren oder mit Virenmails Rechner zu infizieren. Es gibt mittlerweile auch schon eine Variante des Enkeltricks dass sich Menschen an der Haustüre als Ärzte ausgeben und versuchen, sich mit vermeintlichen Tests, Zugang zu den Wohnungen zu verschaffen. Also genau das sind vier Felder, die wir identifizieren konnten, was im Moment an Gefahren umher geht.”

Für alle, die eine verdächtige Sprachnachricht oder einen Kettenbrief per WhatsApp, Messenger oder SMS bekommen, hat Wolf einen Tipp: Die Kette unterbrechen und ein freundliches Feedback geben.

Wenn es auf WhatsApp ist, dann sind es ja meist Bekannte. Dann einfach sagen: Du, was du mir gerade geschickt hast, kommt aus dem Bereich der Mythen oder ist ein Kettenbrief. Bitte sei vorsichtig, wenn du so etwas teilst.

Andre Wolf

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