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Foto: Vreni vom Berg

Leben unter Corona-Quarantäne
´Ich glaube, ich werde plärren, wenn ich den ersten Menschen wieder umarmen darf´

Vreni vom Berg ist 31, arbeitet als Fotografin, doch ihre Passion sind die Berge. So oft wie möglich geht sie Skitouren und Ski-Mountaineering. Sie ernährt sich gesund, raucht nicht und trainiert regelmäßig. Doch am 11. März bekommt Vreni die ersten leichten Corona-Symptome, entscheidet sich aber dazu, arbeiten zu gehen. Donnerstags ruft sie die 1450 an, die Corona-Hotline von Österreich. An der anderen Leitung sagt man ihr, sie solle sofort daheim bleiben. „Es ist konstant bergab gegangen. Am Anfang dachte ich noch, es sei eine normale Grippe, aber die Symptome waren stärker als normal. Corona/ COVID ist nicht die Grippe!“

Mittlerweile stehen nicht nur das Paznauntal, die Gemeinden St. Anton, St. Christoph am Arlberg und Sölden unter Quarantäne, sondern das komplette Bundesland Tirol. Grafik: BR
Mittlerweile stehen nicht nur das Paznauntal, die Gemeinden St. Anton, St. Christoph am Arlberg und Sölden unter Quarantäne, sondern das komplette Bundesland Tirol. Grafik: BR

Vreni stammt eigentlich aus dem Nachbarort Lech. Dort haben ihre Eltern ein Hotel. „Die besten Eltern!“, wie Vreni selbst über sie sagt. Donnerstags telefoniert sie mit ihrer Mutter. Sie wollen ihr freitags ein Care-Paket vorbeibringen. Doch: St. Anton wird unter Quarantäne gestellt. Ihre Mutter muss schnell handeln: Sie holt Vorräte aus dem Keller und ihr Vater will ihr alles direkt vor der Haustür stellen. Die Polizei stoppt ihn kurz vor St. Anton. Kein Durchkommen. „Die Polizei hat ihn nicht durchgelassen. Aber sie haben das Care-Paket übernommen und vor meiner Haustüre abgestellt.“

Husten, Kopfweh, Gliederschmerzen, Migräne, Fieber und Brennen in der Lunge. Diese Symptome hat Vreni über mehrere Tage. „Die ersten vier Tage waren die schlimmsten. Jeder Knochen, jedes Gelenk, alles hat geschmerzt. Liegen, sitzen, schlafen…nichts geht.“

Eigentlich wollte sie einen Test machen. Am Donnerstag wird ihr von der Hotline gesagt, jemand komme vorbei. Doch es kommt niemand. „Ich nehme aber an, dass ich es hab; auch, weil mein Mitbewohner sich infiziert hat.“ Dieser ist seit letzter Woche außer Landes und Vreni allein daheim.

Freude auf „danach“

Inzwischen ist Vreni vom Berg bei Tag 7 der Quarantäne angekommen. „Das Schwierigste an der Isolation ist das allein sein. Es kommt niemand zu dir, streicht dir durchs Haar, stellt eine Tasse neben dein Bett oder umarmt dich. Du bist alleine.“ Selbst die Streits mit ihren Geschwistern fehlen ihr mittlerweile. „Ich glaube, ich werde plärren (dt.: weinen), wenn ich den ersten Menschen wieder umarmen darf.“

Ihre Freundinnen besuchen sie jetzt unter ihrem Fenster mit kleinen Geschenken. Es wird gescherzt, gelacht und Pläne geschmiedet. Inzwischen gibt es auch Yoga- und Workout-Chats, genauso wie tägliches Pub-Quizzen für Daheim in St. Anton. Die Symptome werden langsam besser. Ihre neuen Freunde heißen „Hektor, Heribert und Hugo“ – ihre Hauspflanzen. Internet, Social Media, Netflix, Bücher und lange Gespräche per Telefon mit Familie und Freunden sind der Alltag in St. Anton am Arlberg. „Und trotzdem lächeln alle. Unsere Freundschaften haben noch mehr an Tiefe gewonnen.“

Wie lang die Gemeinde St. Anton noch geschlossen bleibt, ist noch nicht bekannt.

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