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Mit Schildern weist diese Apotheke in Wien auf Verhaltensregeln hin. Foto: BR | Florian Lachinger

Coronakrise in Österreich und Südosteuropa 17/03/20
Krisenmodus von Wien bis Varna

Die Coronakrise in Südosteuropa und Österreich hat weitreichende Folgen für Politik und Wirtschaft, sowie für das Zusammenleben der Menschen. Anstehende Wahlen sollen verschoben werden. In Zagreb oder Wien hat das Parlament Gesetzespakete verabschiedet die das Ausbreiten von Corona verlangsamen sollen. Millionen von Schülern lernen Mathe oder Englisch nur noch online, und viele Länder haben Einreiseverbote oder Einreiseeinschränkungen verhängt und führen Grenzkontrollen durch. Teilweise bestehen de facto Ausgangssperren und zigtausende Menschen bangen in Quarantäne zuhause oder im Krankenhaus, ob sie sich mit dem Virus angesteckt haben könnten. Das soziale Leben liegt in vielen Bereichen brach, da Cafés, Kinos, Theater und Clubs in vielen Ländern teilweise oder ganz geschlossen wurden. Auch die Angst vor Arbeitslosigkeit geht um. Die ersten kleinen Betriebe machen dicht und auch Audi in Ungarn – mit rund 13.000 Mitarbeitern – wird die Produktion vorübergehend einstellen. Hier finden Sie den Stand vom 17. März 2020 um 18 Uhr.

Albanien

Die bislang extremsten Maßnahmen im Kampf gegen Corona gibt es in Albanien. Staatliche und private Krankenhäuser müssen Personal sowie die gesamte Infrastruktur bereitstellen. Wer nicht mitmacht, wird bestraft. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stehen damit 9.000 Betten bereit. Mit Gehaltszulagen zwischen 500 und 1.000 Euro monatlich werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern für ihren Einsatz belohnt. Auch Medizinstudierende können sich freiwillig zur Arbeit in den Kliniken melden.

 

Im gesamten Land ist das öffentliche Leben massiv eingeschränkt. Rentner dürfen Häuser und Wohnungen nicht mehr verlassen und werden von Angehörigen oder Behörden mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Im gesamten Land gilt eine absolute Ausgangssperre ab 18 Uhr. Fahrzeuge dürfen nur zweimal täglich mit Sondergenehmigung fahren, um Arbeitnehmer zu ihren Arbeitsplätzen zu bringen, auch hier drohen hohe Strafen für alle, die diese Regel nicht beachten.

 

Im Laufe der Woche will die albanische Regierung ein Hilfspaket auf den Weg bringen, mit dem die Wirtschaft im Land gestützt werden soll. Gleichzeitig sorgt sich Regierungschef Edi Rama um die EU-Hilfen, die für den Wiederaufbau des Landes nach dem schweren Erdbeben im November 2019 zugesagt worden waren. Über die Inhalte eines Telefonats mit der Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, gibt es bislang keine Informationen.

 

Bislang gibt es in Albanien 55 an Corona erkrankte Menschen, eine Frau ist an der Lungenkrankheit gestorben. 20 Patienten werden derzeit in Krankenhäusern behandelt, 3 von ihnen liegen auf der Intensivstation.

Bulgarien

Bulgarien meldet 81* registrierte Corona-Fälle. Zwei Menschen sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. Bis zum 13. April gilt im Land der Ausnahmezustand. Geöffnet haben nur noch Lebensmittelläden, Apotheken, Banken, Versicherungen und Tankstellen. Alle öffentlichen Veranstaltungen sind abgesagt worden. Kindergärten, Schulen und Universitäten sind geschlossen. Der Skiort Bansko, wo bulgarische und britische Corona-Infizierte festgestellt wurden, wurde jetzt für 2 Wochen gesperrt. Die Einwohner von Bansko dürfen bis morgen Abend zurückkehren. Die über 200 ausländischen Touristen dürfen bis morgen Abend unter strengster Kontrolle ausreisen: Sie werden von der Polizei direkt zum Flughafen begleitet.

 

Ein großes Problem im Land ist der Mangel an medizinischem Fachpersonal: Vor allem außerhalb der Großstädte fehlt es an Ärzten und Krankenschwestern, aber auch an Laborpersonal. Hinzu kommt, dass sich einige Ärzte und Krankenschwestern weigern, in Infektionskliniken oder -stationen zu arbeiten. Als Reaktion darauf hat die Regierung ein spezielles Gesetz beschlossen – es sieht vor, dass medizinisches Personal, das Corona-Kranke betreut, das jeweilige Krankenhaus auch außerhalb der Dienstzeiten nicht verlassen darf. Ärzten, die sich weigern, zum Dienst zu erscheinen, drohen Strafen bis umgerechnet 511 Euro. Gleichzeitig sind aber auch viele Ärzte und Medizinstudenten den Aufrufen von Krankenhäusern gefolgt und haben sich als Freiwillige gemeldet – im größten Universitätsklinikum des Landes in Sofia waren es an einem Tag 77.

 

In Bulgarien gibt es landesweit 277 Intensivstationen und insgesamt 2.063 Intensivbetten. In Krankenhäusern, Ambulanzen und Polikliniken liegen 1.605 Beatmungsgeräte vor, weitere 342 bei den Rettungsdiensten. Die Regierung gibt an, zusätzlich 200 Geräte bestellt zu haben und auf der Suche nach weiteren zu sein.  Insgesamt ist Bulgarien überdurchschnittlich gut mit Krankenhausbetten ausgestattet. Pro 100.000 Einwohner kommt das Land auf knapp 760 Betten (EU-Durchschnitt: 504).

 

* (Anm. Redaktion: Zahl für 17.03.2020, 18:00 nachträglich aktualisiert, von 67 Mittags)

Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina meldet 26 bestätigte Corona-Fälle. Inzwischen ist über das gesamte Land der Ausnahmezustand verhängt worden. Damit haben die Behörden erweiterte Befugnisse, um gegen die Ausbreitung des Virus vorzugehen. So kann nun zum Beispiel benötigtes medizinisches Material ohne aufwändige Ausschreibungen angeschafft werden. Schulen, Kindergärten und Universitäten sind im gesamten Land geschlossen. Einige Schulen haben auf Onlineunterricht umgestellt, das öffentlich-rechtliche Fernsehen sendet Schulprogramm. Außerdem haben die Behörden beschlossen, die Preise für Grundnahrungsmittel auf dem Stand vom 5. März 2020 einzufrieren. Händler, die mehr verlangen, müssen mit Strafen rechnen.

 

Alle (auch bosnische Staatsbürger), die nach Bosnien und Herzegowina einreisen möchten, müssen für 14 Tage in Quarantäne. Jede Verletzung der Quarantänevorschriften wird als Straftat gewertet. Menschen aus China, Südkorea, Japan, Italien, Iran, Frankreich, Rumänien, Deutschland, Österreich, Spanien, Belgien und der Schweiz dürfen gar nicht mehr einreisen. Die Grenzübergänge nach Serbien und nach Montenegro sind geschlossen – hier kommt nur noch der Güterverkehr durch. Die Grenze nach Kroatien ist sowohl für den Personenverkehr als auch für den Güterverkehr geöffnet.

Kosovo

Seit den ersten beiden bestätigten Coronavirus-Fällen am 13. März wurden bis heute 17 Patienten positiv auf Covid-19 getestet. Die Gemeinden Vitia und Klina, in denen die ersten Erkrankungen nachgewiesen wurden, stehen unter Quarantäne. Als weitere Maßnahme ist es nur noch kosovarischen Staatsbürgern erlaubt, ins Land einzureisen. Nach der Einreise müssen sie sich auch in die obligatorische zweiwöchige Quarantäne begeben. Ausländische Staatsbürger dürfen das Land verlassen. Einkaufszentren, Cafés, Restaurants und Märkte sind bis auf weiteres geschlossen. Das gleiche gilt für Schulen. Auch Kultur- und Sportveranstaltungen wurden abgesagt. In der Folge stiegen die Preise für Lebensmittel und Arzneimittel. Seit Sonntagabend gilt im Kosovo der nationale Gesundheitsnotstand.

Kroatien

Die kroatische Regierung hat zur Eindämmung der Corona-Infektionen ein „Aktionspaket“ beschlossen mit zahlreichen Maßnahmen und 16 Gesetzesänderungen. So sollen die Befugnisse des nationalen Krisenstabs des Zivilschutzes ausgeweitet werden, so dass dieser landesweite Einschränkungen anordnen kann, etwa die Schließung von Geschäften. Seit dem 16. März sind alle Kindergärten, Schulen und Universitäten für die kommenden zwei Wochen geschlossen. Der Unterricht soll online und über das kroatische Fernsehen HRT3 weitergeführt werden. Öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen finden nicht mehr statt, auch die europäische Kulturhauptstadt Rijeka hat alle Programmpunkte abgesagt.

 

Kroatiens Grenzen bleiben mit Einschränkungen geöffnet. Wer aus Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Schweiz, Großbritannien, Niederlanden, Schweden, China, Südkorea, Hong Kong, Japan, Singapur, Malaysia und Iran einreist, muss für 14 Tage in Quarantäne. Der LKW-Verkehr wird von der kroatisch-slowenischen Grenze in Konvois von der Polizei an die Grenzen zu Serbien oder Bosnien und Herzegowina geleitet.

 

Um der Wirtschaft und vor allem der für das Land lebenswichtigen Tourismusbranche durch die Coronakrise zu helfen, hat die kroatische Regierung eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. So soll es ein dreimonatiges Moratorium auf Kreditrückzahlungen und Vereinfachungen bei der Kreditvergabe geben. Außerdem Stundungen bei Lohnnebenkosten und Steuern.

 

In Kroatien sind 69 Corona-Fälle registriert (1.109 Tests), über 10.000 Personen sind in Quarantäne. Fünf Personen gelten als geheilt.

Montenegro

Das einzige Land in Europa, das keinen mit Corona Infizierten aufweist, ist Montenegro. Ein möglicher Grund: bislang wurden nur 105 Personen auf das Virus getestet, alle negativ. Auch in Montenegro gelten drastische Maßnahmen. Abgesehen von Supermärkten, Apotheken und Banken sind alle öffentlichen Einrichtungen bis auf weiteres geschlossen. Bürgerinnen und Bürger Montenegros, die ins Land zurückkehren müssen in eine zweiwöchige Quarantäne. Derzeit befinden sich 1.068 Personen in Heimquarantäne, keiner von ihnen weist nach Behördenangaben derzeit Symptome der Virus-Erkrankung auf. Inzwischen ist jeglicher internationale Verkehr (Flug, Bahn, Straße) verboten, ein Anlegeverbot für Kreuzfahrtschiffe gilt bereits seit letzter Woche. Voraussichtlich ab Mittwoch soll an Grundschulen ein landesweiter Online-Unterricht starten, der öffentliche Nahverkehr innerhalb des Landes läuft bislang weiter. In Montenegro stehen derzeit 2.403 Krankenhausbetten zur Verfügung, das sind bei einer Einwohnerzahl von 632.000 387 Betten auf 100.000 Einwohner. Die Zahl der Ärzte liegt bei 1.659, das heißt: Auf einen Arzt kommen umgerechnet 380 Patienten.

Nordmazedonien

In Nordmazedonien hat sich die Zahl der bestätigten Corona-Fälle laut Gesundheitsministerium auf 31 erhöht. Das ist eine Verdopplung im Vergleich zum 13. März. Sie befinden sich alle in der unter Quarantäne stehenden Region Debar und der Hauptstadt Skopje. Eine Person gilt als geheilt und wurde nach Hause entlassen. Laut Innenministerium überwacht die Polizei rund 310 Menschen, die sich in „Selbstisolation“ befinden. Alle hatten Kontakt zu Infizierten. Der Ausnahmezustand soll, anders als in anderen Staaten Südosteuropas, aber nicht verhängt werden. Nachdem der letzte noch geöffnete Grenzübergang zu Bulgarien gestern Abend geschlossen wurde, wird morgen auch der Flughafen Skopje seinen Betrieb für den Passagierverkehr einstellen und das Land schottet sich de facto ab.

 

Derweil hat der chinesische Botschafter in Nordmazedonien bekanntgegeben, dass China umgerechnet knapp vier Millionen Euro zur Bekämpfung der Epidemie spenden wird. Davon sollen 104 Krankenwagen und medizinische Geräte gekauft werden, wie Vize-Premierminister Bujar Osmani bei einem Treffen bekanntgegeben hat.

Österreich

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Österreich ist auf 1.132 gestiegen – bei etwas mehr als 10.000 Tests. Drei Menschen sind gestorben. Bei einer 48-Jährigen aus Wien, die am 16. März in Corona-Hausquarantäne gestorben war, ist die Todesursache noch nicht geklärt. Acht Personen sind inzwischen genesen.

Seit dem 16. März gelten für ganz Österreich „Ausgangsbeschränkungen“: Die Menschen sollen zuhause bleiben, es sei denn, sie müssen „nicht aufschiebbare“ Berufsarbeit oder dringende Besorgungen (etwa Lebensmittel) erledigen – oder sie helfen anderen Menschen. Spaziergänge sind erlaubt, sofern sie alleine oder mit Personen gemacht werden, mit denen man zusammen wohnt. Sportplätze, Spielplätze und „andere öffentliche Plätze der Begegnung“ sind geschlossen. An keinem Ort sollen sich mehr als fünf Menschen auf einmal treffen. Seit dem 17. März müssen auch alle Cafés, Bars und Restaurants schließen. Daher müssen auch Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, geschlossen bleiben. Die Beschränkungen werden von der Polizei kontrolliert – sie kann auch Strafen verhängen.

 

Der Krisenstab der Regierung erhält vom österreichischen Mobilfunkbetreiber A1 derzeit – anonymisierte Bewegungsdaten ihrer Kundinnen und Kunden. Damit soll überprüft werden können, ob die Maßnahmen zur Einschränkung der sozialen Kontakte greifen.

 

Seit dem 17. März um 12 Uhr ist die Arlberg-Region unter Quarantäne. Betroffen sind: Lech, Warth und Schröcken sowie der Ortsteil Stuben der Gemeinde Klösterle. St. Anton und Paznaun in Tirol sind seit dem 13. März isoliert. Der Flughafen Wien Schwechat steht vor der Schließung des Normalbetriebs, geplant ist nunmehr ein Notbetrieb.

Rumänien

Zweimal täglich aktualisieren die Behörden in Rumänien inzwischen die Corona-Informationen. Am Dienstag, 17. März abends zählt das Land 217 Erkrankte, 69 davon in der Hauptstadt Bukarest. 3.373 Menschen sind in Quarantäne, mehr als 18.965 in Isolation. 19 Patienten sind bereits wieder gesund.

 

Seit Montag gilt auch in Rumänien der Notstand, zunächst für 30 Tage. Schulen und Hochschulen sind geschlossen, für alle staatlichen und privaten Unternehmen sowie für alle Behörden ist Heimarbeit angeordnet. Im Rahmen des Notstandes könnten bald auch Hotels, Flughäfen, Gaststätten sowie alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen werden, auch das Beschlagnahmen von Schutzkleidung, Medikamenten oder Desinfektionsmitteln sei aus Regierungssicht denkbar.

 

Die Kosten für die Behandlung von Corona-Patienten übernimmt ein nationaler Fonds der Sozial- und Krankenversicherung. Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen unbürokratisch und unkompliziert Ärzte, Pfleger und Sozialarbeiter einstellen können. In Rumänien stehen derzeit ca. 122.000 Krankenhausbetten zur Verfügung, bei einer Gesamtbevölkerung von 19,5 Millionen sind das 6,3 Betten pro 1.000 Einwohner. Problematisch könnte ein eklatanter Mangel an medizinischem Fachpersonal werden, in den letzten 10 Jahren sind nach Angaben des rumänischen Gesundheitsministeriums 25.000 Ärzte ausgewandert, eine erhebliche Lohnerhöhung konnte diesen Trend nicht stoppen. Aus Sicht vieler Mediziner macht es der katastrophale Zustand von Krankenhäusern und Kliniken, insbesondere in ländlichen Regionen Rumäniens, unmöglich, ihrer Arbeit nachzugehen. Schon jetzt sind ordentliche Behandlungen nur gegen die Zahlung von Schmiergeld möglich. Auf einen massiven Anstieg von Corona-Patienten sind die Kliniken schlecht bis gar nicht vorbereitet, so stehen derzeit landesweit nur 1.500 Corona-Schnelltests bereit.

Slowenien

In Slowenien werden die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verschärft, die Zahl der bestätigten Infektionen wächst dennoch. Seit dem 13. März (96) hat sie sich fast verdreifacht: Momentan sind bei rund 6.700 Tests 253 Fälle bestätigt worden. 21 Menschen sind hospitalisiert, vier davon in intensivmedizinischer Behandlung. Rund 1.000 Personen sind in Hausquarantäne. Bislang meldet das Gesundheitsministerium vier Corona-Tote.

 

Der Flugverkehr ist seit dem 17. März eingestellt. Ausnahmen gibt es nur für medizinische und humanitäre Flüge sowie für den Transport von Sondergütern und Post, außerdem für die Rückkehr slowenischer Bürger aus dem Ausland. Der Bahnverkehr ist stark reduziert worden, ebenso der öffentliche Nahverkehr. Die Bürger sind aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben. Geschäfte, Einkaufszentren und die Gastronomie sind noch offen – meist aber nur im Zeitraum 10-18 Uhr. Kindergärten und Schulen bleiben zu. Es werden Freiwillige für die Betreuung von Kindern gesucht, deren Eltern sich berufsbedingt nicht kümmern können.

Serbien

Mangelnde Disziplin ist aus Sicht der serbischen Regierung derzeit eines der Hauptprobleme im Kampf gegen Corona. Seit Montag, 16.03., gilt im Land der Ausnahmezustand, dennoch gingen vor allem in den größeren Städten Serbiens die Menschen noch dem Tagesgeschäft und ihren Hobbies nach. Inzwischen droht die Regierung mit einer Ausgangssperre für Menschen über 65 Jahre, scharfen Kontrollen und empfindlichen Strafen von umgerechnet 1.300 Euro.

 

Öffentliche Institutionen haben ihren Kundenverkehr eingestellt, Bürgerinnen und Bürger Serbiens, die aus besonders betroffenen Ländern einreisen müssen für 28 Tage in Selbstisolation. Um Hamsterkäufe zu verhindern und die Vorräte in Apotheken zu sichern, darf pro Kunde nur noch eine streng limitierte Anzahl von Schutzmasken, Handschuhen oder Desinfektionsmittel verkauft werden.

 

Die für den 26. April angesetzten Parlaments- und Kommunalwahlen wurden verschoben, über einen neuen Termin soll erst nach Ende des Ausnahmezustandes entschieden werden. An Grundschulen hat inzwischen der Online-Unterricht begonnen, ab nächste Woche soll dieser auch an Mittelschulen angeboten werden.

 

Die Regierung hat ein Exportverbot für Nahrungsmittel sowie medizinische Schutzausrüstung verhängt. Nachdem Präsident Vucic am Wochenende China um medizinische Hilfe gebeten hat, sind am Sonntagabend die ersten Hilfslieferungen aus China eingetroffen, unter anderem mit Corona-Schnelltests. Serbische Medien spekulieren, dass bald auch chinesische Ärzte nach Serbien kommen könnten, um ihren serbischen Kollegen zu helfen. Serbisches Klinikpersonal soll ab 01. April zehn Prozent mehr Gehalt bekommen.

 

Nach Behördenangaben ist das serbische Gesundheitssystem derzeit gut aufgestellt, mit 41.998 Betten kommen umgerechnet 567 Betten auf 100.000 Einwohner, das ist etwas über dem europäischen Durchschnitt. Bei der Versorgung mit Ärzten ist die Lage nicht ganz so gut, auf 100.000 Einwohner kommen derzeit 285 Ärzte. Auch in Serbien ist die Abwanderung von medizinischem Fachpersonal in den letzten Jahren spürbar, auch wenn die Regierung betont, ein medizinischer Fachkräftemangel liege nicht vor. Für die Behandlung von Corona-Patienten sieht sich Serbien gut gerüstet. Laut Präsident Vucic verfügt Serbien derzeit über 1.008 Beatmungsgeräte, weitere 500 sollen bis Monatsende gekauft werden.

 

Bislang sind in Serbien 65 Corona-Fälle bestätigt, keine Todesopfer.

Ungarn

In Ungarn sind knapp 1.600 Tests gemacht worden, und es haben sich offiziell 50 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Ein – laut ungarischer Nachrichtenagentur MTI – 75-jähriger Mann, der mit dem Coronavirus infiziert war, ist in einem Budapester Krankenhaus gestorben. Zwei iranische Studenten gelten als geheilt und 137 Menschen sind in Krankenhäusern in Quarantäne. Aus Gründen des Datenschutzes gibt die ungarische Fidesz-Regierung von Viktor Orban nicht bekannt, ob es sich um Männer oder Frauen handelt und wie alt die Betroffenen sind. Sie hat den Notstand ausgerufen und alle Kinos, Schulen, Museen und Unis sind geschlossen. Restaurants oder Cafés dürfen bis 15 Uhr geöffnet bleiben. Ausnahmen sind Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien. Medizinstudenten dürfen das Land nicht verlassen. Eine Ausgangssperre gibt es nicht, Bürgerinnen und Bürgern wurde aber nahegelegt, nicht nach draußen zu gehen. Dass das Gesundheitssystem gerüstet ist wird bezweifelt. In staatlichen Krankenhäusern müssen Patienten oft monatelang auf Untersuchungen warten. Es gibt zu wenig Pflegepersonal und Ärzte, und wer im Krankenhaus liegt muss in der Regel selbst für bestimmte Dinge sorgen, zum Beispiel Toilettenpapier. Patienten berichten zudem von Bestechlichkeit. Je nach Operation nahmen Ärzte und Pflegepersonal in staatlichen Krankenhäusern Gelder an. Pflegende verdienen in staatlichen Krankenhäusern wenig, rund 550 Euro im Monat, und es gibt viele die einen weiteren Job haben.

 

2018 gab es nach Angaben des ungarischen Zentralamts für Statistik und Krankenkasse landesweit fast 170 Krankenhäuser mit knapp 70.000 Betten, 1.600 Intensivbetten. Wer es sich leisten kann, geht zu einem privaten Arzt.

 

Ungarn hat die Grenzen für Ausländer geschlossen und nur ungarische Staatsbürger dürfen einreisen. Güterverkehr ist aber weiterhin erlaubt. LKW im Transit dürfen allerdings nur bestimmte Autobahnen und Tankstellen benutzen, das hat das ungarische Außenministerium mitgeteilt. Die Grenzkontrollen und das teilweise Schließen der Grenzübergänge zwischen Ungarn und Österreich sorgen für lange Staus. Auch LKW, die die Grenze eigentlich passieren dürfen, mussten warten. Am österreichisch-ungarischen Grenzübergang Nickelsdorf kam es zu kilometerlangen Staus und die Polizei bat das Rote Kreuz um Hilfe, das Trinkwasser verteilte. Das Coronavirus verursacht auch gravierende wirtschaftliche Folgen. Nachdem Volkswagen wegen der Corona-Pandemie die Produktion weitgehend einstellen möchte, ist auch das Audi Werk in Györ betroffen und wird vorübergehend zumachen. Das berichtet das ungarische Portal hvg.hu. In dem Werk arbeiten rund 13.000 Menschen.

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