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Ilija Ivic beim Training seines Vereins KF Flamurtari in einem Vorort der Hauptstadt Pristina. Foto: BR | Besnik Hamiti

Nach Nominierung für Kosovos U19-Nationalmannschaft
Junger serbischer Spieler gerät unter nationalistischen Druck

Er gilt als eines der großen Fußball-Talente des Landes, der 17-jährige Ilija Ivic. Ilija spielt bereits in der ersten Liga des Kosovo, wird von Mannschaft, Team und Fans sehr geschätzt. Doch als er in die U19 Auswahl der kosovarischen Nationalmannschaft berufen wird, bricht über ihm und seiner Familie eine Welle nationalistischer Beschimpfungen und Hasstiraden zusammen. Der Grund: Ilija ist Kosovo-Serbe. Ein „Verräter“ sei er, hetzten serbische Boulevardblätter. Ein wahrer Shitstorm ging über ihn online hinweg. Seine Mutter verlor ihren Job, sein Vater hat Angst um seinen Arbeitsplatz. Wie geht der 17-Jährige damit um?

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Fußball und Politik passen nicht zusammen, davon ist Ilija Ivic fest überzeugt. Wichtig sei es doch, was er auf dem Platz leiste und nicht welcher Herkunft er sei. Wenn es doch nur so unkompliziert zuginge. Doch für den 17-jährigen Spieler aus Gracanica, einem Vorort von Pristina, der überwiegend von Serben bewohnt wird, war es alles andere als einfach, eine Berufung anzunehmen, nach der sich seine Altersgenossen alle Finger ablecken würden: Eine Berufung des Nationaltrainers der U19 Mannschaft des Kosovo in den Kader. Ilija musste, als die Nachricht Ende Februar verbreitet wurde, sehr viel aushalten, an Hetze und Häme: Er sei ein Verräter an der serbischen Sache. Ilijas Berufung in die U19 hatte nicht nur für ihn Konsequenzen. Seine Mutter Tanja, die im vom serbischen Staat finanzierten Kulturzentrum von Gracanica arbeitete, wurde sofort entlassen. Sein Vater, der ihn seit Jahren zum Training und zu den Spielen fährt, befürchtet ebenfalls, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Das bedrückt das 17-jährige Ausnahmeathlet, keine Frage:

Die Zeit wird zeigen, beim Fußballspielen, wer ich bin und was ich bin. Es ist vollkommen egal, was die Leute schreiben oder sagen. Ich bin an Politik überhaupt nicht interessiert. Ich möchte nur mein Maximum
auf dem Platz geben.

Ilija Ivic

Im Kosovo, das sich nach dem Krieg Ende der 90er Jahre von Serbien löste und 2008 seine Unabhängigkeit erklärte, herrschen zwischen der albanisch stämmigen Mehrheit und der serbischen Minderheit unverändert Spannungen. Spannungen, die sich wie im Fall von Ilija Ivic, bei vermeintlich geringen Anlässen sofort entladen. Dabei, so sagt Vereinspräsident Imer Ademi, werde Ilija von allen im Club außerordentlich geschätzt:

„Sein Verhältnis zu den Mitspielern und dem Vereinsteam ist ausgezeichnet. Er ist ein Junge mit bemerkenswerten Manieren.“

Auch Kosovos neuer Ministerpräsident Albin Kurti schaltete sich per Twitter ein: „Lasst Ilija frei spielen, wo immer er möchte.“ Ilijas Ambitionen sind groß: Sein Wunsch sei es, irgendwann einmal in der Champions League zu spielen, für Barcelona. Bis es so weit ist, fühlt er sich in seinem Verein komplett wohl:

„Ich fühle mich hier wirklich wie zuhause. Ich bin hierher gegangen, weil ich den Verein mag. Ich habe hier die ganze Zeit gespielt und viele Freunde gewonnen, Freundschaften, die ich für den Rest meines Lebens behalten will.“

 

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Kommentare (2)

Ein Albaner aus Kosova am

Zum Kommentar von Gottfried möchte ich was sagen: Der Agressor auf dem Balkan waren nicht die Serben, sondern das Milloshevic Regime. Und die Albaner kämpften nicht gegen Serben, sondern um ihre Freiheit, gegen das Regime.

Einmal mehr zeigt sich dass der „Nationalismus“ für alle eine Bedrohung ist. Ich mag mich noch erinnert als albanische Fans Valon Behrami mit Gegenständen bewarfen weil er sich für seine Heimat, die Schweiz entschied.

Ein 17 Jähriger Junge hat mehr Kraft und Mut als eine ganze Gesellschaft, Kosovo sollte geehrt sein, so einen Spieler in ihren Reihen zu haben. Bravo und Chapeau!

Gottfried am

Da sieht man wieder sehr gut, wie tolerant die Albaner sind.
Die Serben auf der anderen Seite würden nie einen Albaner bei sich spielen lassen. Hier sieht man sehr schön, wer immer schon der Aggressor auf dem Balkan war und und sein wird.

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