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Klaus Maria Brandauer spielt die Hauptrolle im neuen Film des ungarischen Oscarpreisträgers Istvan Szabo. Foto: Intercom | Emil Novák

Klaus Maria Brandauer spielt im ungarischen Film „Abschlussbericht“
„Hat denn die Bosheit das ganze Dorf besetzt?“ 

„Dieses Huhn habe ich nur für Sie gezüchtet, Herr Doktor“, sagt die Patientin im Wartezimmer. Aus ihrem Einkaufskorb blickt eine ausgewachsene Henne. Ein Präsent und gleichzeitig auch das Honorar für den neuen Landarzt Doktor Stephanus. Es ist eine der wenigen Szenen, die den Zuschauer zum Schmunzeln bringt. Denn je länger Doktor Stephanus in dem kleinen ungarischen Dorf arbeitet und lebt, desto mehr bleibt dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken Der Ort entpuppt sich zunehmend als Mikrokosmos von Hass und Misstrauen.

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"ABSCHLUSSBERICHT" (Zarojelentes)

Beitrag: Christian Limpert

Schnitt: Roland Buzzi

Die zentrale Figur im „Abschlussbericht“ (Original: Zarojelentes) ist Professor Stephanus, ein renommierter Arzt in Budapest, gespielt vom Österreicher Klaus Maria Brandauer. Gleich zu Beginn muss der Arzt erkennen: er ist zu alt für den Job. Stephanus muss in den Ruhestand gehen, doch ans Aufhören denkt er nicht.

Der Inhalt

Er kehrt zurück in sein kleines Heimatdorf und übernimmt dort die längst verwaiste Praxis des Landarztes. Was zunächst nach Idyll aussieht, wird für Stephanus bald zur bedrohlichen Kulisse. Grund: der Bürgermeister des Dorfes versucht mit allen Mitteln, ein Heilbad aus dem kleine Dorf zu machen. Doch die angeblich entdeckte Heilquelle, von der er spricht, ist nichts anderes als eine ganz gewöhnliche Wasserquelle. Als Stephanus dem falschen Spiel des Bürgermeisters auf die Schliche kommt, droht dieser ihm unverhohlen damit, Fehltritte aus der vergangenen Berufsleben des Erfolgsarztes öffentlich zu machen. Rückhalt unter den Dorfbewohnern findet Stephanus nicht, zu groß sind die Angst und der Respekt vor dem Bürgermeister, zu groß ist die Hoffnung, dass dessen Versprechen vom Heilbad den Menschen im Dorf eine goldene Zukunft bescheren könnte. Selbst die Mutter des Arztes will nichts wissen von der berechtigten Kritik ihres Sohnes an den Plänen des Bürgermeisters: „In einem Dorf ist der Bürgermeister nun eben mal der Herr!“.

Für Brandauer ist der Film eine Warnung vor Populismus

Für Schauspieler Klaus Maria Brandauer ist der Film eine klare Warnung vor populistischen Versprechen. „Wir müssen alle genau hinschauen“, sagt er im Interview. Bürgerinnen und Bürger dürfen sich nicht alles gefallen lassen. Das Beispiel der Dorfbewohner rund um Stephanus aber zeige auch, wie schwierig das sei, wenn populistische Versprechen auf Sorgen und Wünsche einer Gesellschaft abzielen. Für Brandauer stehen deshalb auch die Bürgerinnen und Bürger in der Pflicht. „Sie wollen sich doch nicht anlügen lassen oder?“, so Brandauer. „Von jemandem der Bürgermeister ist oder an einer staatlichen Stelle steht, von dem wollen wir die Wahrheit wissen, sonst kann man eine Demokratie nicht aufrechterhalten.“

Den einzigen Verbündeten findet Stephanus in seinem Schulfreund, dem Dorfpfarrer. Doch auch der kann die Intrigen des Bürgermeisters und den Hass der Menschen nicht stoppen. „Die Harmonie zwischen Gott und den Menschen ist zerrissen,“ bilanziert der Pfarrer. Gemeinsam müssen sich beide am Ende des Filmes die Frage stellen, ob sie mit ihren Idealen und ihrem Verständnis von Demokratie überhaupt noch in ihr eigenes Heimatdorf passen.

Regie führte der ungarische Oscarpreistäger Istvan Szabo

Klaus Maria Brandauer und Istvan Szabo kennen sich schon seit Jahrzehnten. 1982 erhielt Szabo einen Oscar (bester fremdsprachiger Film) für seinen Film
Klaus Maria Brandauer und Istvan Szabo kennen sich schon seit Jahrzehnten. 1982 erhielt Szabo einen Oscar (bester fremdsprachiger Film) für seinen Film "Mephisto", in dem Brandauer die Hauptrolle spielte. Foto: Intercom | Emil Novák

Der Film, der im Rahmen der ungarischen Filmwoche Ende Februar präsentiert wurde und seit dem 27. Februar in den ungarischen Kinos läuft, wird von Filmkritikern bereits als ungarischer Film des Jahres gefeiert. Regie führte der ungarische Filmemacher und Oscarpreisträger Istvan Szabo. Ob sein neues Werk „Abschlussbericht“ in einer synchronisierten Fassung auch in deutsche Kinos kommt, ist noch unklar.

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Kommentare (1)

Tamas Szabo am

Die ungarische Kritiken sind nicht gut für István Szabó. Wochenzeitung HVG ist politisch Opposition hat besonders hart geurteilt. Vor der Vorstellung des Films wurde in den Medien István Szabó Jugendsünde thematisiert als er viele Künstler-Kollegen an die ungarische Staatsicherheit verraten und einigen auch geschadet hat. In diesem Film wird auch über solche Jugendsünden gesprochen aber ohne die nötige Klarheit die man erwartet hat.

Für mich war der Film nostalgisch wichtig, weil ich alle wichtige Filme von István Szabó in Deutschland gesehen habe. Leider ist dieser Film nur für mich wichtig, wird ohne Erfolg bleiben.

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