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Iris Klopfer und Sophie Grau bei den Proben für den Wiener Opernball. Foto: BR | Christian Limpert

Frauenpaar debütiert auf dem Wiener Opernball
Tanzen ja. Küssen nein.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Opernballs tanzt ein gleichgeschlechtliches Paar mit. Von einem Zeichen für Toleranz und Offenheit spricht die Opernball-Organisatorin. Den medialen Hype um das Frauenpaar aber haben die Veranstalter unterschätzt.

 

Eigentlich fallen sie überhaupt nicht auf unter den 144 Debütanten-Pärchen des diesjährigen Opernballes. Iris Klopfer, 22 Jahre und Sophie Grau, 21 Jahre. Bei der Stellprobe für die Eröffnung des Balles tragen sie Probenoutfit, wie alle hier. Iris in Ballerinas, schwarzem Rock und weißer Bluse. Sophie trägt Anzugschuhe, Hose, Jackett und Krawatte. Keine Sensation, eigentlich. Dennoch drängen sich Fotografen und Kamerateams um die beiden. „Please can you kiss?”, ruft einer. „Sorry! We are not together!“, antwortet Iris, ein bisschen gereizt.

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Frauenpaar debütiert auf dem Wiener Opernball

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Christian Limpert

Schnitt: Christine Dériaz

Sie und ihre Tanzpartnerin sind, ohne es zu wollen, zum Gesprächsthema des Wiener Opernballes 2020 geworden, noch bevor dieser überhaupt begonnen hat. Vor einem Jahr haben sich die beiden als gleichgeschlechtliches Debütanten-Paar für den Ball der Bälle beworben, die Zusage kam postwendend. „Wir erfüllen ja auch alle Bedingungen“, lacht Sophie. Heißt: nicht älter als 24 Jahre, gute Tanzkenntnisse und bislang keine Opernballteilnahme. Seit Jahren tanzen Iris und Sophie, die beide aus dem Raum Stuttgart kommen, gemeinsam. Als Debütanten den Opernball zu eröffnen ist seit Jahren ein Traum der beiden. Dass sie sich als Teil der LGBTQ-Community sehen, spiele für sie beim Tanzen absolut keine Rolle.

„Es geht darum, dass einer führt, und einer sich führen lässt! Wir können beides, und wir tanzen einfach gut zusammen.“

Sophie Grau
Die Debütanten-Paare proben für die Eröffnung des Wiener Opernballs. Foto: BR | Christian Limpert
Die Debütanten-Paare proben für die Eröffnung des Wiener Opernballs. Foto: BR | Christian Limpert

Sophie bezeichnet sich selbst als nicht-binär, heißt die Einteilung in männlich oder weiblich passt für sie nicht. Für den Opernball schlüpft sie dennoch in die Rolle des Mannes, einen eigenen Frack hat sie sich schneidern lassen. „Das ist für mich einfach ein schickes Kostüm“, sagt sie. Von verkleiden will sie aber nicht reden. „Ich bin im Frack genauso wenig ein Dragking, wie ich im schrillen Kleid eine Dragqueen wäre!“, sagt sie. Ein gutes Stichwort, denn das Motto des Opernballes lautet dieses Jahr „König und Königin der Nacht.“ „Wir sind schon überrascht, dass die Teilnahme eines gleichgeschlechtlichen Pärchens immer noch so ein Thema ist,“ gibt Iris zu.

 

Auch Opernball-Organisatorin Maria Großbauer hofft, dass die beiden einen möglichst normalen Ball genießen könne, ohne zu viel Wirbel um ihr Geschlecht und ihre sexuelle Orientierung. „Wir leben im Jahr 2020!“, sagt sie. Für ein weltoffenes Theater wie die Staatsoper sei ein gleichgeschlechtliches Tanzpaar völlig normal. Dennoch: für das mediale Interesse an Iris und Sophie ist die Opernball-Organisatorin durchaus mitverantwortlich. Bereits in einer Pressekonferenz im Vorfeld hatte sie auf die Teilnahme des ersten gleichgeschlechtlichen Paares in der Geschichte des Opernballes hingewiesen.

 

Ein weiterer Grund für das Interesse an den beiden dürfte auch der allmählich verblassende Glanz um Kultfigur und Daueropernballgast Richard Lugner sein. Er hatte auch in diesem Jahr Schwierigkeiten, eine prominente junge Frau aus dem Show- oder Sportbusiness zu überreden, ihn als Ball-Dame zu begleiten. In letzter Minute präsentierte er Ornella Muti, eine 64-jährige Italienerin, einst Schauspielerin und Sexsymbol. Dass sie sich mit ihrem Gastgeber Lugner aber tatsächlich auf der Tanzfläche sehen lässt, ist unwahrscheinlich. Für Sophie und Iris steht indes fest: Sie werden sich gemeinsam durch die Opernballnacht tanzen. Bis 5 Uhr in der Früh. „Ich werde Iris von einer Tanzfläche auf die nächste schleppen, es gibt ja ein riesiges Angebot“, freut sich Sophie, „und überall gibt es Livemusik.“

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