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Landwirt Ymer Cenja (60) betritt sein Wohnhaus nur wenn es unbedingt sein muss. Es ist einsturzgefährdet. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Erdbebenopfer in Albanien hoffen auf Geberkonferenz
Angst im eigenen Haus

Wenn sich Ymer und Fiqirete Cenja morgens frisch machen wollen, dann greifen sie für die Katzenwäsche in einen Wassereimer und schauen in zwei Spiegelscherben, die an der dicken Plastikplane ihrer Behausung lehnen. Die Cenjas leben zurzeit im alten Gewächshaus in ihrem Garten und nutzen die ca. 15 Quadratmeter als Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer.

Ihr zweistöckiges Wohnhaus ist keine zehn Meter entfernt, doch das betreten sie nur, wenn es unbedingt sein muss – zum Duschen und um Wäsche zu waschen. Zu groß ist die Angst, dass das schwer beschädigte Haus einstürzen könnte. Es steht im kleinen Ort Thumana, etwa 50 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Tirana entfernt. 24 Menschen starben hier bei dem schweren Erdbeben vom 26. November 2019. In unmittelbarer Nachbarschaft der Cenjas liegen Trümmer eingestürzter Häuser großflächig verstreut: Puppenköpfe, alte Schuhe und andere Alltagsgegenstände schauen immer wieder aus dem Schutt hervor.

So oder so ähnlich wie den Cenjas geht es zurzeit ca. 20.000 albanischen Familien. Sie sind nach offiziellen Angaben direkt vom Erdbeben betroffen. Einige leben wie die Cenjas in Zelten oder anderen Behelfsunterkünften, andere sind bei Verwandten untergekommen, wiederum andere leben in Mietwohnungen, die für eine Übergangszeit vom Staat bezahlt werden.

Der Wiederaufbau wird insgesamt mehr als eine Milliarde Euro kosten, veranschlagen die Behörden. Das haben albanische und internationale Experten in wochenlanger Arbeit ermittelt. Eine Milliarde Euro sind rund acht Prozent des albanischen Bruttosozialprodukts und für den kleinen Balkanstaat alleine nicht zu stemmen. Außerdem fehlt es an Fachkräften für den Aufbau – vom Ingenieur bis zum Bauarbeiter.

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Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Christine Dériaz

Autor: Christian Limpert

Besonders deutlich wird das in der Hafenstadt Durres. Hier hat es viele Schäden gegeben, denn das Epizentrum des schweren Bebens lag nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Neben eingestürzten und nachträglich abgerissenen Gebäuden sind in den Fassaden unzähliger Häuser Schäden zu sehen. Und auch in den Wohnungen zeigen sich teilweise meterlange Risse durch die Wände und geben den Blick auf die Mauerwerke frei. Ermal Lama ist Architekt und begutachtet im Auftrag der Stadt Durres beschädigte Gebäude. In einer Seitengasse zeigt er auf ein fünfstöckiges Haus, dass schwer mitgenommen aussieht:

„Es gehört zur Kategorie der mittleren Beschädigung. Es gibt keine Schäden in der Gebäudestruktur, aber viele Schäden bei den Wänden. Das sind aber zum Glück keine tragenden Wände. Der Schaden sieht trotzdem schlimm aus“

Der Besitzer habe bereits vor Wochen die Freigabe bekommen, das Gebäude auf eigene Kosten zu reparieren. Geschehen ist noch nichts. Architekt Ermal Lama hat eine Vermutung, woran das liegen könnte:

„60 Firmen haben Reparaturanträge gestellt. Und alle brauchen sie gleichzeitig Fachkräfte, für all diese Gebäude. Das dürfte einer der Hauptgründe sein.„

Ymer Cenja aus Thumana kann die Reparatur seines Hauses nicht selbst bezahlen und wartet auf Hilfe vom Staat. Er setzt große Hoffnungen auf die EU, die USA, die Vereinten Nationen und internationale Organisationen wie die Weltbank. Sie kommen auf Initiative der EU-Kommission zu einer Geberkonferenz für Albanien zusammen: „Wir haben große Hoffnungen – vor allem an Europa“– sagt Ymer Cenja –  „Europa wird uns in dieser Situation nicht im Stich lassen. Wir haben großes Vertrauen in Deutschland, Amerika, in alle, die uns helfen wollen.“

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