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'Wir geben unserer Heiligtümer nicht her' steht auf dem Transparent. Es ist die einzige Forderung die auf dem Marsch durch Podgorica erhoben wird. Foto: BR | Andrea Beer

Proteste in Montenegro gegen das neue Religionsgesetz
Prozession der Unzufriedenen

Montenegro ist seit 2006 unabhängig und hat nur rund 600 000 Einwohner. Seit Dezember letzten Jahres gehen regelmäßig Zehntausende gegen das neue „Gesetz über Religionsfreiheit“ auf die Straße. Landesweit versammeln sich die Menschen zweimal in der Woche, auch in der Hauptstadt Podgorica. Am letzten Donnerstag nahmen viele am Gottesdienst in der großen „Kirche Christi Auferstehung“ und der folgenden langen Prozession der serbisch-orthodoxen Kirche teil. Die Prozessionen gleichen Demonstrationen, doch politische Forderungen an die Regierung von Premier Markovic werden nicht erhoben. Auf den wenigen Transparenten steht nur „Wir geben unsere Heiligtümer nicht her“.

Eindrücke von der Prozession am vergangenen Donnerstagabend in Podgorica

Es gibt zwar eine montenegrinisch-orthodoxe Kirche, doch diese ist klein und wird von der Orthodoxie nicht anerkannt. Seit der Unabhängigkeit Montenegros gibt es Bestrebungen, eine montenegrinisch-orthodoxe Kirche wieder zu etablieren. Gläubige Montenegriner gehören zum Großteil der serbisch-orthodoxen Kirche an. Diese untersteht dem Patriarchat in Belgrad, ist aber auch in Montenegro einflussreich und lehnt das neue Gesetz strikt ab. Der Grund: Laut diesem müssen alle Religionsgemeinschaften in Montenegro nachweisen, dass ihnen Gebäude, Grundstücke, Kirchen oder Klöster gehören, die vor dem Jahr 1918 in ihrem Besitz waren. Damals wurde Montenegro in das spätere Königreich Jugoslawien eingegliedert.* Sollte das nicht gelingen, fallen die Objekte an den montenegrinischen Staat. Die serbisch-orthodoxe Kirche in Montenegro befürchtet nun, enteignet zu werden, denn im Gesetz steht wörtlich, dass solche Objekte dann als „staatliches Kulturerbe“ in Staatsbesitz übergehen. Es sei schwierig, die Nachweise zu erbringen, so die serbisch-orthodoxe Kirche.

Die serbisch orthodoxe Kirche „Hram Hristovog Vaskrsenja“ in Podgorica. Foto: BR | Dejan Stefanovic
Die serbisch orthodoxe Kirche „Hram Hristovog Vaskrsenja“ in Podgorica. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Das umstrittene Gesetz wurde mit den Stimmen der Regierungspartei „Demokratische Partei der Sozialisten“ (DPS) im Parlament verabschiedet und von Präsident Milo Djukanovic unterschrieben. Dieser regiert das kleinste NATO-Mitglied seit rund drei Jahrzehnten und ihm werden zahlreiche Korruptionsaffären, aktive Einschüchterung der Presse und Verbindungen zur Organisierten Kriminalität vorgeworfen. Beobachter vermuten deswegen, dass sich unter den Menschen, die an den Prozessionen der serbisch-orthodoxen Kirche teilnehmen, auch Teile der Bevölkerung befinden, die mit dem „System Djukanovic“ unzufrieden sind. Dieser sieht in den Protesten eine Unterwanderung Montenegros durch die proserbische Opposition, die von Belgrad und Präsident Aleksandar Vucic gesteuert werde. Der Staat werde sich durch die Proteste nicht erpressen lassen, so Djukanovic im staatlichen Fernsehen RTCG.

* Das Wort „spätere“ wurde nachträglich eingefügt, denn das Königreich Montenegro war zunächst Teil des Königreichs der Kroaten, Serben und Slowenen. Diesem folgte im Jahr 1929 das Königreich Jugoslawien.

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