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Skopje, die Hauptstadt Nordmazedoniens, gibt sich prunkvoll, aber immer mehr Menschen verlassen das Land auf der Suche nach Arbeit Richtung Deutschland. Foto: BR | Bajram Schabani

Anhaltende Abwanderung aus Nordmazedonien
„Fast alle Freunde sind bereits in Deutschland!“

Es sind Familienangehörige und Freunde, die werktags vor der deutschen Botschaft in Skopje stehen und ihre Söhne, Töchter, Schwägerinnen und Kollegen begleiten. Man könne zwar in der Hauptstadt durchaus Jobs finden, doch wer auf dem Land wohne, der habe kaum eine Chance, einen Arbeitsplatz zu finden, sagt Fatima, die im östlichen Nordmazedonien wohnt. Und zudem hätte meist nur einer aus der Familie einen Anstellung, das reiche nicht aus. Das deutliche Lohngefälle, das zwischen Nordmazedonien und Deutschland herrscht, ist bei vielen der entscheidende Grund, ihre Heimat zu verlassen. Doch seit Jahresbeginn wird die Abwanderung nach Deutschland – und auch Österreich – noch attraktiver: Es gibt neue, leichtere Regeln für die Einwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern.

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Ab dem 1. Januar können sich qualifizierte Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern in Österreich bereits bewerben. Das Wiener Bundesarbeitsministerium veröffentlicht eine lange Liste mit 56 verschiedenen Berufsgruppen, vom Landmaschinenbauer über Dachdecker, Pflegeassistenten und Köche. Wer seine Berufsqualifikation nachweisen kann, für sogenannte „Mangelberufe“, hat gute Chancen. Auch Deutschland wird zum 1. März mit einer vergleichbaren Regelung nachziehen. Für Nordmazedonien, so Patrick Martens, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Skopje, sei die Anziehungskraft des deutschen Arbeitsmarktes groß. Allerdings würden viele hiesige Arbeitnehmer die erheblich höheren Lebenshaltungskosten in Deutschland nicht bedenken. Es gebe diese Magnetwirkung und auch einen „Peergruppen-Zwang“. Nahezu jeder hätte Verwandte in Deutschland, die davon berichteten, wie sie lebten und was sie verdienten. Was weniger bekannt sei, seien die Lebenshaltungskosten, die in Deutschland auch verbunden seien und die letztendlich häufig zum „Nullsummenspiel“  führten.

Patrick Martens, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Skopje, beobachtet, dass viele Mazedonier angesichts der besseren Verdienstmöglichkeiten in Deutschland die höheren Lebenshaltungskosten dort nicht bedenken. Foto: BR | Schaban Bajrami
Patrick Martens, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Skopje, beobachtet, dass viele Mazedonier angesichts der besseren Verdienstmöglichkeiten in Deutschland die höheren Lebenshaltungskosten dort nicht bedenken. Foto: BR | Schaban Bajrami

Es sind allerdings nicht allein die höheren Löhne, die den deutschen Arbeitsmarkt so anziehend machen für Arbeitskräfte aus Nordmazedonien. Es ist auch die mangelnde innenpolitische Stabilität. Die Enttäuschung war sehr groß, nicht allein bei der politischen Klasse des Landes, dass trotz der Änderung des Staatsnamens und der Verfassung die Aufnahme von EU-Betrittsverhandlungen am Veto des französischen Staatspräsidenten Macron abgelehnt worden ist. Die derzeit amtierende Technokraten-Regierung wird bis zu den Neuwahlen im April im Amt bleiben. Es sei „fürchterlich, was in Mazedonien geschieht,“ sagt ein ältere Mann, der seinen Sohn zur deutschen Botschaft in Skopje begleitet hat. In den Nachbarländern sei auch nicht besser. Ob noch, wie die offizielle Bevölkerungszahl lautet, zwei Millionen Menschen im Lande leben, bezweifele er sehr. „Ich selbst habe zwei Kinder. Der eine ist bereits seit sieben Monaten in Deutschland, und jetzt wird auch der zweite Sohn seine Papiere bekommen.“  Er wolle nicht bleiben, weil er keine Perspektive mehr sehe.

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