Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Der Kabarettist Peter Klien präsentiert seit September 2019 das ORF-Late-Night-Format 'Gute Nacht Österreich'. Mit seinem Video 'Medien in Ungarn', aus der letzten Sendung vom 23. Januar 2020, hat er für Aufregung in Ungarn gesorgt. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

ORF-Video schlägt Wellen in Ungarn
Satire mit Untertiteln

„Teilt dieses Video“ – sagt ORF-Satiriker Peter Klien gegen Ende des 16-minütigen Beitrags – „immerhin geht es um Dinge, die man in Ungarn nicht mehr so leicht erfahren kann.“

 

Gemeint ist das Video „Medien in Ungarn“ das am 23. Januar 2020 in der Satiresendung des Österreichischen Rundfunks ORF „Gute Nacht Österreich“ gelaufen und auch auf YouTube zu finden ist. Es zeigt, wie Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban in den vergangenen Jahren die Medienlandschaft seines Landes unter seine Kontrolle gebracht hat. Der Clou: Das Video soll auch in Ungarn ein Publikum finden und ist als erstes ORF-Video überhaupt mit ungarischen Untertiteln versehen.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

"Medien in Ungarn" aus der Sendung "Gute Nacht Österreich"

Quelle: Youtube | Gute Nacht Österreich

Der Plan scheint aufgegangen zu sein. Das Video hat auf YouTube mittlerweile über 350.000 Aufrufe (Stand: 29. Januar 2020) und wird in Ungarn auf sozialen Netzwerken fleißig geteilt. Das ist auch der ungarischen Regierung nicht entgangen. Staatssekretär und Regierungssprecher Zoltan Kovacs sah sich sogar zu einer Reaktion veranlasst und rückte einige Quellen des Videos in einem Tweet in die Nähe des ungarisch stämmigen US-Milliardärs George Soros. Dieser ist seit Jahren so etwas wie der Staatsfeind Nummer Eins der ungarischen Regierung und sie unterstellt ihm den angeblichen Plan, in Europa (muslimische) Flüchtlinge ansiedeln zu wollen.

Screenshot des Tweets von Zoltan Kovacs, dem ungarischen Staatssekretär und Regierungssprecher. Quelle: Twitter
Screenshot des Tweets von Zoltan Kovacs, dem ungarischen Staatssekretär und Regierungssprecher. Quelle: Twitter

Auch regierungstreue Medien in Ungarn kritisierten das ORF-Video. „Die Ungarn diffamierende internationale Kampagne hat ein ganz unvorstellbares Niveau erreicht. Dabei konnten die sehr kreativen Agitatoren der internationalen Linken selbst die bisher übliche Produktion von Falschmeldungen im Internet überbieten und hetzen mit einer im ORF ausgestrahlten Sendung die internationale Öffentlichkeit auf gegen die ungarische Regierung und damit zugleich gegen Ungarn und das ungarische Volk“ – schreibt etwa das Portal „Pestisracok.hu“.

Was Sie noch interessieren könnte

Kommentare (4)

Ajin Fähn am

@Tamas Szabo: Sind Sie der Erfinder dieser wunderbaren Armbänder?

Erich Sevcik am

Orban und die Seinen kann man gar nicht kritisch genug betrachten. Paul Lendvai hat es in seinem Buch – Orbans Ungarn – ja sehr gut dargestellt. Er hat sich schlicht und einfach Ungarn unter den Nagel gerissen

Iréne S. am

Sie sollten mal versuchen ATV.hu, 444.hu… wer sucht findet.
Es gibt in Ungarn mindestens so viele regierungskritische Medien wie regierungsfreundliche.
Wenn Orban genauso mit seinen Kritikern umginge, wie Macron mit den Gelbwesten, wäre das zweifelsohne Thema Nr. 1 das ganze Jahr in allen deutschen Medien!
Jeder sollte vor seiner eigenen Tür kehren.
Anlass zur Besorgnis gibt vielmehr der Wandel der Mediennutzung. Sie verschiebt sich zu den globalen Plattformen – zu Facebook, Twitter, Youtube und anderen.
Es gibt digitalen Revolution auch in Westen, die Kluft zwischen Ideal und Realität wird öfter deutlich.
Die Frage ist der Glaubwürdigkeit.
Wenn die Medien diese bewaren wollen, müssen sie Ihre Leitlinien ernster nehmen.
Der Spiegel, da seien sich «alle Intellektuellen Deutschlands» einig, sei mittlerweile zum «Schrott-Klatschblatt» verkommen.
„Journalisten sollen zertifiziert werden // Claudia Blumer 29.11.2019 Tages Anzeiger ZH
Journalisten dürfen nicht interessengeleitet informieren, auch nicht in einer guten und schon gar nicht in eigener Sache. «Kampagnen können die journalistischen Verbände führen, nicht die Redaktionen», sagt Medienwissenschaftler Roger Blum.

Nick Lüthi, Chefredaktor der «Medienwoche». Redaktionen sollten in ihren Medien regelmässig darüber informieren, wie ihre Beiträge zustande kommen, warum sie welche redaktionelle Entscheide getroffen haben, ob Interessenvertreter involviert sind oder nicht.
«Bezahlte Inhalte müssen heute gekennzeichnet werden», sagt Lüthi. «Genauso sollte sich auch der unabhängige Journalismus als solcher kennzeichnen.
Journalisten dürfen nicht interessengeleitet informieren, auch nicht in einer guten und schon gar nicht in eigener Sache. «Kampagnen können die journalistischen Verbände führen, nicht die Redaktionen», sagt Medienwissenschaftler Roger Blum.

Nick Lüthi, Chefredaktor der «Medienwoche». Redaktionen sollten in ihren Medien regelmässig darüber informieren, wie ihre Beiträge zustande kommen, warum sie welche redaktionelle Entscheide getroffen haben, ob Interessenvertreter involviert sind oder nicht.
«Bezahlte Inhalte müssen heute gekennzeichnet werden», sagt Lüthi. «Genauso sollte sich auch der unabhängige Journalismus als solcher kennzeichnen.

08.01.2020 BZ Berner Zeitung
Qualität ist überlebenswichtig.
Wir müssen noch konsequenter zwischen Berichterstattung und Meinung trennen. Wir müssen unsere Themen eigenständiger auswählen, tiefer bohren und unterschiedlichen Gesichtspunkten mehr Raum geben.

«Journalismus beginnt dann, wenn andere wollen, dass du schweigst», sagt Gabor Steingart. Und fügt an: Das Problem seien harmlose Journalisten sowie Halbwahrheiten. Deshalb müsse es nun einen «Neustart» für unabhängigen Journalismus geben.

Tamas Szabo am

„immerhin geht es um Dinge, die man in Ungarn nicht mehr so leicht erfahren kann.“
… hat der Autor es versucht was man alles in Ungarn sehr leicht erfahren kann???

Die ungarische Printmedien der ungarischen Opposition können im Intenet mit Google Translate blitzschnell übersetzen. Es wird sichtbar, dass man die Meinung der Opposition sehr leicht erfahren kann. Dazu braucht den deutsch sprechenden Komiker mit ungarischen Untertitel gar nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.