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In Sarajevo erfüllen rund 53.000 PkW nicht die vorgeschriebenen Abgaswerte. Viele von ihnen sind über 20 Jahre alt. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Luftverschmutzung in Bosnien und Herzegowina
Smogcity Sarajevo 

Frei durchatmen konnten die Menschen in Sarajevo im Winter auch früher nicht, doch diese Saison sprengt alle Rekorde. Mit Feinstaubwerten, die teilweise zehnfach höher lagen als der EU-Grenzwert, war Sarajevo in den vergangenen Wochen immer wieder die Hauptstadt mit der schmutzigsten Luft weltweit – noch vor den berüchtigten Smogmetropolen Peking, Neu Delhi und Mumbai.

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Videomaterial: Eldina Jasarevic

Videobearbeitung: Karin Straka

Die Luft in der Stadt war zeitweise so giftig, dass auch gesunde Menschen in Gefahr waren. Die Behörden warnten die Bürger Sarajevos davor, ins Freie zu gehen. Und wenn, dann unter Vermeidung größerer Anstrengungen und mit wirksamen Atemschutz. Ärzte berichten von akuten Beschwerden vieler Patienten wegen Husten, Atemnot und Erstickungsanfällen. Die Langzeitfolgen lassen sich noch nicht absehen – befürchtet wird aber eine Häufung von Tumorerkrankungen der Atemwege. Doch auch jetzt schon sterben in Bosnien und Herzegowina nach Angaben der Weltbank jedes Jahr 3,300 Personen an den Folgen der schlechten Luft. Mehr als 8 Prozent des BiP gebe das kleine Land demnach für die Behandlung von Krankheiten aus, die von der schlechten Luft verursacht wurden.

Die Gründe für die Luftverschmutzung sind vielfältig. Weil der öffentliche Nahverkehr schlecht ausgebaut ist, rollen fast 150.000 Autos täglich durch die Stadt. Nach offiziellen Statistiken sind rund 53.000 dieser Autos älter als 20 Jahre und damit nicht gerade schadstoffarm.  Alleine diese Abgase würden schon für eine problematische Luftqualität ausreichen. Hauptverursacher der giftigen Luft sind laut Umweltschützern aber minderwertige Heizöfen, die in vielen – vor allen armen – Haushalten in der Stadt lodern und mit Kohle, Holz und teilweise auch Abfällen befeuert werden. Hinzu kommt die geographische Lage der Stadt: Sarajevo liegt eingekesselt zwischen den Bergen Trebevic, Igman und Bjelasnica und die giftige Luft kann nur schwer abziehen. Sind die oberen Luftschichten wärmer als die im Tal, liegt der Smog wie ein stinkender Deckel auf der Stadt  – tagelang.

Viele Bürger Sarajevos werfen der Stadt- und Kantonsverwaltung vor, das Problem konsequent zu ignorieren. Als Antwort auf die Rekordverschmutzung in diesem Winter hat die Standverwaltung angekündigt, Schulkinder mit Schutzmasken auszustatten und den öffentlichen Nahverkehr bei Umweltalarm künftig zur kostenlosen Nutzung freizugeben. Das sei viel zu wenig, sagen Umweltschützer. Statt Geld in die Hand zu nehmen und die alten Heizöfen durch Gasheizungen zu ersetzen sowie drastische Fahrverbote für veraltete Autos zu verhängen, setzten die Behörden auf Placebomaßnahmen und hofften darauf, dass sich das Problem wie jedes Jahr mit dem Einsetzen des Frühlings von selbst erledige – so der Vorwurf.

Doch nicht nur Sarajevo erstickt im Smog. Auch Belgrad, Skopje, Pristina und Sofia waren in diesem Winter immer wieder unter den Top 10 der der Städte mit der stärksten Luftverschmutzung weltweit.

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