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Panzer und Überreste der schweren Kämpfe in Temesvar. Die Hinrichtung des Diktators Ceausescu und seiner Ehefrau am 25.12.1989 hat in Rumänien große Befriedigung, aber keinen Jubel ausgelöst. Foto: picture alliance

30 Jahre nach der blutigen Wende in Rumänien
Eine geklaute Revolution?

Es war der blutigste Umbruch im ehemaligen Ostblock: Bei der rumänischen Revolution im Dezember 1989 sterben über 1.000 Menschen, mehrere Tausend werden verletzt. Auch der langjährige Diktator Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena überleben den Umsturz nicht.

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Der Umsturz in Rumänien beginnt in der Stadt Timisoara. Am 15. Dezember 1989 versammeln sich einige hundert Bürger zu einer Solidaritätskundgebung für den regimekritischen Pfarrer Laszlo Tökes, der zwangsumgesiedelt werden sollte. Bereits am 16. Dezember sind es schon an die 1.000 Bürger. Die Miliz und die Geheimpolizei Securitate bekommen aus Bukarest den Befehl, die Menschen auseinanderzutreiben. Die Situation eskaliert, es wird scharf geschossen. Alleine in Timisoara sterben Dutzende Menschen. Schnell springt der revolutionäre Funke auf ganz Rumänien über.

Ich bin auf die Straße gegangen, um bei den Leuten zu sein. Ich habe mir eigentlich nur gewünscht, Ceausescu soll zehn Jahre lang so leben, wie wir gelebt haben vorher.

Der evangelische Theologe Heinz Klein, damals 49, schließt sich im siebenbürgischen Hermannstadt den Demonstranten an.

Ins Herz hat man mich getroffen, der Herzmuskel wurde genäht. Dann haben die - nehme ich an -  gedacht, ich schieße und haben auf mein Auto geschossen. Mich haben sie am Fuß getroffen. Dann bin ich auch verprügelt worden, bis ich dann umgefallen bin und dann hat man mich ins Spital gebracht und ich wurde operiert.

Heinz Klein war mit dem Auto unterwegs, als ihn die Geheimpolizei Securitate ins Visier nahm.
Der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu versuchte am 24. November 1989 mit seiner Rede ans Volk das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden - ohne Erfolg, wie sich kurz darauf zeigen sollte. Foto: picture alliance | AP images
Der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu versuchte am 24. November 1989 mit seiner Rede ans Volk das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden - ohne Erfolg, wie sich kurz darauf zeigen sollte. Foto: picture alliance | AP images

Inzwischen sind auch in der Hauptstadt Bukarest mehr als 100.000 Menschen auf der Straße. Nicolae Ceausescu redet vom Balkon des Zentralkomitees zu den Menschen, versucht, sein Regime zu festigen. Vergeblich: Die Menschen wollen ihm nicht mehr zuhören. Am 22. Dezember flieht Ceausescu schließlich Hals über Kopf aus der Stadt, wird kurze Zeit später aber festgenommen und vor ein Militärtribunal gestellt. Die Verhandlung dauert nur 90 Minuten und endet mit Todesurteilen. Nur 15 Minuten später werden Nicolae und Elena Ceausescu hingerichtet.

Doch auch nach Ceausescus Flucht aus Bukarest und seiner Hinrichtung am 25. Dezember 1989 kommt das Land nicht zur Ruhe. Im Gegenteil: Bis zum 27. Dezember wird noch geschossen, in der Hauptstadt Bukarest kommt es zu Straßenkämpfen, Scharfschützen feuern in die Menge. Bis heute ist nicht geklärt, wer dafür verantwortlich ist.

Für uns hier und heute ist es von überragender Bedeutung den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, den Müttern, Vätern, Söhnen und Töchtern, die damals ihre nächsten Verwandten verloren haben. Und überragend wichtig ist es auch für die Zukunft, denn es ist nicht normal, dass wir die unaufgearbeitete Last jener Ereignisse vererben, damit sie sich [die nachfolgenden Generationen] mit einer Lösung abplagen.

Teodor Maries ist Vorsitzender des Vereins „21. Dezember“ und kämpft seit Jahren für die juristische Aufklärung der Umstände der blutigen Wende.

Teodor Maries ist überzeugt, dass die Revolution in Rumänien bis zur Flucht Ceausescus aus Bukarest am 22. Dezember 1989 vom Volk ausging. Doch dann sei diese Revolution von so genannten Wende-Kommunisten rund um den späteren Präsidenten Ion Iliescu quasi gekapert worden. Der Vorwurf: Die Wendekommunisten hätten mit Desinformation Angst vor nichtexistierenden „Terroristen“ geschürt, um nach Ceausescus Sturz die eigene Macht zu festigen. Dadurch hätten sie den Tod vieler Menschen in den Straßenkämpfen zu verantworten.

 

Es ist völlig eindeutig, dass ein Handstreich gegen die Revolution ausgeführt worden war, und zwar durch die prosowjetische Gruppe um Ion Iliescu.

Teodor Maries, Vorsitzender des Vereins „21. Dezember“

Zur Zeit läuft ein Gerichtsprozess, der die vielen offenen Fragen endlich klären soll. Angeklagt sind der heute 89-jährige ehemalige Präsident Ion Iliescu sowie weitere Politiker und Militärs aus seinem Umfeld. Iliescu selbst bezeichnet sich als unschuldig und verweist auf revolutionäre Umstände des Wendejahres.

Man wird vielleicht einige Schuld zusprechen oder nicht zusprechen. Aber ganz klar, wird man das nicht aufdecken können und aufdecken wollen. Das sind die allergeheimsten Dinge, an die man nicht ohne weiteres herankommt. Vielleicht irgendwann später, wenn es niemanden mehr interessiert.

Der damalige Demonstrant Heinz Klein ist nach all den Jahren skeptisch, dass die Wahrheit bald als Licht kommen wird.
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