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Seit drei Jahren repariert Kalman Racz alte Fahrräder und gibt sie an gemeinnützige Organisationen weiter – insgesamt konnte er bereits an die 600 Räder spenden. Foto: BR | Attila Poth

Unterstützung für Bedürftige in Budapest
Wohltäter repariert und spendet Fahrräder

In der Kazinczystraße im 7. Bezirk in Budapest tummelt sich eine bunte Mischung aus Backpackern, eleganten Paaren, Familien mit Kindern – man hört die unterschiedlichsten Sprachen. Die Straße ist voll mit bekannten Ruinenkneipen, Restaurants und Läden. Vor dem Haus mit der Nummer 12 stehen mehrere Fahrräder, ein interessantes Kellertor zieht den Blick automatisch auf sich. Es ist Montag kurz nach 12.00 Uhr. An dem Tor hängt ein Schild mit der Aufschrift „Geschlossen“ – von innen dringen aber Musik und Arbeitsgeräusche auf die Straße.

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Videomaterial: Attila Poth

Videobearbeitung: Karin Straka

In diesem Keller befinden sich das Fahrradgeschäft und die Werkstatt von Kalman Racz. Der 41-Jährige öffnet lächelnd die Tür und warnt gleich vor der steilen Treppe – „und bitte auf den Kopf aufpassen, die Decke ist sehr niedrig“, fügt er hinzu. Der Keller ist vollgestopft mit Fahrrädern, Einzelteilen und Reifen. Man muss sich vorsichtig bewegen, um nichts umzustoßen.

Kalman hatte bereits seit seiner Kindheit den Wunsch, mit Fahrrädern seinen Lebensunterhalt zu verdienen und zog deshalb aus der Provinz nach Budapest. Vor drei Jahren startete er dann ein ungewöhnliches Projekt. „Ich habe die freiwilligen Helfer der NGO ‚Budapest Bike Maffia‘, die Obdachlose unterstützt, getroffen. Zu Beginn habe ich die Fahrräder der Gruppe repariert“, erzählt Kalman. Dann kam ihm die Idee alte, beschädigte Fahrräder zu sammeln, zu reparieren und dann zu spenden. Stifter von alten Fahrrädern waren bald gefunden, und Kalman beschloss 20 Prozent seiner Arbeitszeit für den wohltätigen Zweck zur Verfügung zu stellen.

„Am Montag habe ich geschlossen und repariere die Fahrräder [die gespendet werden]. Leider habe ich nur selten Hilfe. Es gibt viele Begeisterte, die mir helfen möchten, aber Mechaniker, die sich mit Fahrradreparatur auskennen und ohne Bezahlung einen Tag oder ein paar Stunden arbeiten möchten, gibt es kaum.“

Kalman Racz

In den letzten drei Jahren hat Kalman fast 600 Fahrräder repariert und weitergegeben. Zu Beginn auch an Einzelpersonen – Studenten, Obdachlose, Großfamilien mit Kindern und seine Hilfsbereitschaft wurde selten ausgenutzt. Mittlerweile hat er sich entschieden seine Fahrradspenden nur noch an NGOs und Kinderheime abzugeben.

„Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir die Räder nur an wirklich bedürftige Menschen abgeben. Die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, die Familien unterstützt, stellt den Kontakt her. Für mich war es früher am schwierigsten zu entscheiden, wer das Geschenk bekommen soll.“

Kalman Racz

An den anderen Tagen repariert, verkauft und baut Kalman Fahrräder. Einen Teil seines Gewinns steckt er in die Reparatur der Spendenfahrräder.

„Viele wundern sich, warum ich das mache. Ich sage ihnen: ‚Ich habe den Wohlstand erreicht, der für mich genügt. Ich brauche nicht mehr.‘“

Kalman Racz

Einiges an den Verhältnissen in Ungarn stört ihn gewaltig. Etwa dass sich die Regierung, seiner Meinung nach, überhaupt nicht um Leute kümmert, die in Not geraten sind. Stattdessen komme die Hilfe oft nur von privaten Initiativen wie der seinen. Trotz seines Ärgers über diesen Umstand: Er würde sich jederzeit wieder dafür entscheiden, zu helfen.

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