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Verschiedene Masken für die Krampusse und Perchtenläufer aus ganz Österreich. Sie bestehen aus Holz und Hörnern. Foto: BR | Vera Gasber

Krampuslauf auf längster Einkaufsstraße Europas
Brauchtum unter Polizeischutz

Vorweihnachtsshopping an einem Freitagabend in Wien. Tausende Menschen kaufen die letzten Geschenke ein. Plötzlich: ein Ungeheuer läuft auf eine Frau zu. Mit einer Rute schlägt er sie auf die Beine. Ein kleiner Junge weint. Es ist Krampuszeit in Österreich.

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Video: Vera Gasber

Es gibt zwei Arten von Schreckgestalten im Alpenraum: Krampus und Perchten. Der Krampus steht zum einen für das Wilde und Urtümliche und soll im Winter Gefahren vertreiben. Zum anderen gilt er als gezähmter Teufel und begleitet in dieser Funktion üblicherweise den Nikolaus am 5. Dezember, um die unartigen Kinder zu bestrafen. Der Nikolaus beschenkt die braven. Die ersten Belege für diesen Brauch finden sich im 17. Jahrhundert. Dazu tragen vornehmlich junge Männer Tierfelle – meist aus Schaf oder Ziege -, gruselige Holzmasken mit Hörnern und Kuhglocken an einem breiten Ledergurt am Rücken befestigt, damit sie bei jedem Schritt lärmen. Perchten haben gewisse Ähnlichkeiten mit dem  Krampus, aber er tritt erst nach dem 6. Dezember auf – also nachdem der Krampus bereits mit dem Nikolaus von Haus zu Haus gezogen ist. Zwischen den Jahren ist ihre Aufgabe, den kalten Winter und die bösen Geister zu vertreiben. Der Begriff stammt von einer Sagenfigur namens „Perchta/ Frau Percht“ ab. Sie dient als Vorlage für Frau Holle, denn sie bestraft Faulheit und belohnt fleißige Menschen – mit beispielsweise goldenen Spinnfäden. Am häufigsten tritt sie in den sogenannten Rauhnächten am  Jahresende auf.

Sprechende Tiere, böse Geister und ein Leichentuch - Die mystische Zeit zwischen den Jahren

Je nach Region und den dortigen Bräuchen beginnt die Zeit zwischen den Jahren in der Nacht auf den 22. Dezember bzw. in der Nacht auf den 25. Dezember. Bis zum Dreikönigstag am 6. Januar ist allerhand Übernatürliches zu beobachten. Aber warum heißt es eigentlich „zwischen den Jahren“? Vermutlich geht die Bezeichnung auf den germanischen Mondkalender zurück, der ein Jahr mit zwölf Mondmonaten und 354 Tagen beziffert. Die zum heutigen Sonnenkalender fehlenden elf Tage – oder zwölf Nächte – wurden als Tage außerhalb der Zeit angesehen. So entstanden viele Bräuche und Riten, die meist die Abwehr des Bösen zum Ziel hatten. Folgt man diesen nicht, hat man gute Chancen in näherer Zukunft das Zeitliche zu segnen. Obwohl heidnischen Ursprungs, fanden einige Bräuche Eingang in die christliche Kultur, vor allem des Alpenraumes. So können zum Beispiel an Heiligabend die Tiere im Stall in menschlicher Sprache miteinander sprechen und man kann etwas über seine Zukunft erfahren. Doch empfiehlt es sich eigentlich nicht, sie zu belauschen, denn wer dies tut stirbt im darauffolgenden Jahr. Darum sollte man sich an Heiligabend lieber vom Stall fernhalten. Es empfiehlt sich ebenfalls, das Haus mit Weihrauch und Myrrhe zu räuchern, um böse Geister fernzuhalten. Auch Perchten und ihre lauten und schrillen Läufe durch das Dorf sorgen für eine gute Verteidigung. Um böse Geister nicht sogar anzulocken, sollte in den vier wichtigsten Rauhnächten (Thomasnacht, Heiligabend, Silvester, und die Nacht des 5. Januar) keine (weiße) Wäsche aufgehängt sein. Einerseits, weil sich Störenfriede aus dem Jenseits in den Wäscheleinen verfangen könnten und man sie damit direkt im Haus oder vor der Tür hätte. Andererseits, weil sie sonst im nächsten Jahr mit einem weißen Tuch zurückkehren. Dann wäre es aber keine frische Wäsche, sondern ein Leichentuch, das für den Bewohner bestimmt ist. Ledige Frauen haben in den Rauhnächten gute Chancen ihren Traumprinzen zu finden. Dazu müssen sie einfach nur an einer Wegkreuzung stehen und warten, bis ihr zukünftiger Ehemann vorbeispaziert. Die Damen sollten jedoch darauf verzichten, ihn anzusprechen. Anders als bei der Wäsche, bleibt sie zwar am Leben, für den Ehemann in spe stehen die Chancen jedoch weitaus schlechter. Dazu kommt, dass sie bis an ihr Lebensende allein bleiben wird. Weniger tödlich verläuft meist ein Brauch am Silvesterabend. Dieser Abend ist nämlich besonders für einen Blick in die Zukunft geeignet. Heutzutage bedient man sich der Wahrsagerei vor allem mittels Bleigießen.

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