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Kritik am Nobelpreis für Peter Handke reißt nicht ab - Demonstration gegen die Vergabe des Literaturnobelpreises 2019 an Peter Handke auf dem Norrmalmstorg in Stockholm Foto: Steffen Trumpf/dpa/Picture alliance

Kritik am Nobelpreis für Peter Handke reißt nicht ab
„Etwas, das uns zerstört“

Fracks, Lackschuhe, feierliche Verbeugungen. Die Nobelpreiszeremonie im Stockholmer Konzerthaus verläuft streng nach Protokoll. Um genau 17:34 Uhr ist Peter Handke an der Reihe: Aus den Händen des schwedischen Königs Carl Gustaf erhält er die Insignien des Nobelpreises, eine Urkunde und eine Medaille, und damit die höchste Auszeichnung, die ein Schriftsteller überhaupt bekommen kann. Dass diese Entscheidung der Schwedischen Akademie seit Wochen heftig kritisiert wird, wird bei der 75-minütigen Zeremonie mit keinem Wort erwähnt.

 

„Wir wollen Literatur weder abwerten noch beurteilen. Darin sind wir keine Expertinnen. Aber wenn Literatur etwas beinhaltet, das Verbrechen gutheißt, ist das eine Katastrophe. Eine Niederlage für die Zivilisation und etwas, das uns zerstört“ – sagt Kada Hotic. Die 74-Jährige ist eine der „Mütter von Srebrenica“ und sie ist nach Stockholm gereist, um gegen die Auszeichnung Handkes zu demonstrieren. Hotics Sohn, ihr Mann, zwei Brüder und 56 Familienangehörige wurden 1995 von serbischen Einheiten ermordet (mehr Hintergrund hier). Sie wirft Handke vor, dieses Verbrechen, das vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als Völkermord klassifiziert worden ist, immer wieder bagatellisiert und geleugnet zu haben – in öffentlichen Äußerungen aber eben auch in seinem literarischen Werk, für das er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. „Wir wollen Gerechtigkeit“ – sagt Kada Hotic – „Die Wahrheit ist bekannt. Und sie lässt sich mit keinem Radiergummi dieser Welt entfernen.“

Mit ihrer Kritik an der Entscheidung der Schwedischen Akademie sind Kada Hotic und die „Mütter von Srebrenica“ nicht alleine. Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien und die Türkei wiesen ihre Botschafter an, nicht an der Nobelpreiszeremonie in Stockholm teilzunehmen. Bei Twitter meldeten sich zahlreiche Journalisten zu Wort, die in den 90er Jahren über die Kriegsgräuel im ehemaligen Jugoslawien berichtet haben und Handkes Version des Geschehenen widersprechen. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo erschien auf einer großen LED-Wand im Stadtzentrum ein Portrait Handkes in Verbindung mit Totenköpfen und dem Schriftzug „Shame on You“. Das Parlament des Kantons Sarajevo erklärte Handke zur „Persona non grata“. Die Verleihung des Nobelpreises an Handke stelle eine „weitere Beleidigung für die Opfer und alle friedensdenkenden Menschen in der Welt“ dar, hieß es in einer vom Parlament des Kantons Sarajevo einstimmig angenommenen Erklärung.

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Nobelpreis für Peter Handke

Autor: Christian Limpert

Schnitt: Günter Stöger

In Serbien hingegen wird Handke gefeiert. „Serbien betrachtet Sie als wahren Freund und, ich wage es zu sagen, erlebt Ihren Nobelpreis, als ob ihn einer von uns erhalten hätte. Neben Ivo Andric (Literaturnobelpreisträger 1961) ehren wir nun einen weiteren unserer Nobelpreisträger“, schreibt der serbische Präsident Aleksandar Vucic in seiner Gratulation an Handke. Zuvor hatten 115 Intellektuelle und Kulturschaffende in Serbien einen Unterstützerbrief für Peter Handke unterschrieben. Darin kommen sie zum Schluss, dass dieser einen Völkermord gar nicht geleugnet haben könne, weil es in den Jugoslawienkriegen keinen Völkermord gegeben habe.

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