Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Nigerianische Studenten im Flüchtlingslager Velika Kladusa. Bild; Screenshot BABHRT

Neue Vorwürfe gegen die kroatische Polizei
Vom Tischtennisturnier ins Flüchtlingslager

Wenn du nicht weitergehst, dann erschieße ich dich. Ich hatte Angst und habe geweint

Kenneth Chinedu Eboh

Kenneth Chinedu Eboh steckt der Schrecken immer noch in den Gliedern, als er seine Erlebnisse dem bosnischen Investigativmagazin „zurnal.info“ in die Kamera erzählt. Der Student aus Nigeria ist gerade mit seinem Kommilitonen Uchenna Alexandro Abia in einem Flüchtlingslager im Nordwesten Bosniens in Velika Kladusa. Und das war alles andere als geplant.

Kenneth und Uchenna finden sich auf der Teilnehmerliste der World Inter Universities Championships in Pula, Tischtennis, Screenshot
Kenneth und Uchenna finden sich auf der Teilnehmerliste der World Inter Universities Championships in Pula, Tischtennis, Screenshot

„Ich bin nach Kroatien gekommen, um an einem Wettbewerb teilzunehmen, einem Sportwettbewerb in Pula.“

 

Für Ihre Hochschule – die Ferderal University of Technology in Owerri nehmen die beiden am 13. November, zusammen mit zwei weiteren Kommilitonen und einem Trainer, an einem Tischtennisturnier in der Stadt Pula teil. Für ihren Aufenthalt in Kroatien haben sie ein gültiges Visum, die Kopien ihrer Pässe liegen der ARD vor. Nach dem Turnier fahren sie in die Hauptstadt Zagreb. Sie übernachten in einem Hostel, und wollen am 17. November den Rückflug nach Hause antreten. Doch dazu kommt es nicht. Die beiden werden nach eigenen Angaben bei einem Spaziergang von der Polizei kontrolliert, ihre Pässe seien zu diesem Zeitpunkt im Hostel gewesen:

 

„Wir haben versucht, uns vorzustellen, aber der Polizist hat sich geweigert, uns zuzuhören.“

 

Die Polizei nimmt sie mit und bringt sie auf eine Wache, erzählen die beiden Nigerianer. Danach seien sie in einen Polizeibus geladen worden:

 

„Ihr geht nach Bosnien, haben sie gesagt. Ich war nie in Bosnien, habe ich gesagt. Ich bin mit Turkish Airlines in Zagreb gelandet, ich weiß nichts über Bosnien. Aber sie haben gesagt – ihr geht nach Bosnien, nach Bosnien.“

 

Die Polizisten nehmen ihnen ihr Geld ab, treiben sie  mit Tritten in Richtung Bosnien und drohen mit Ihren Dienstwaffen – erzählen Kenneth und Uchenna. Migranten und Flüchtlinge weisen ihnen schließlich den Weg in die Flüchtlingsunterkunft Miral in Velika Kladusa im Nordwesten Bosniens. Dort kommen sie ohne Pässe an. Diese werden ihnen aus Kroatien per Post nach Bosnien nachgeschickt. Von wem – ist unklar. Hatten die beiden Studenten Pech und sind in die Fänge rassistischen Polizisten geraten? War alles nicht so – sagen die kroatischen Behörden. Zoran Niceno, Chef der kroatischen Grenzpolizei:

 

„Wir weisen die Angaben scharf zurück, dass die Männer am 17. November in Zagreb aufgegriffen, aus einer Straßenbahn gezogen und wegen Sprachschwierigkeiten oder wegen was auch immer auf welche Art auch immer nach Bosnien gebracht worden sind.“

 

Das was die kroatische Polizei zusammengetragen hat, wirft kein gutes Licht auf die beiden Studenten aus Nigeria. Im Raum stehe der Verdacht, dass die beiden Männer ihre Teilnahme am Tischtennisturnier nur vorgeschoben haben, um sich über Kroatien weiter in den Schengenraum abzusetzen, heißt es in einer schriftlichen Erklärung des Innenministeriums. Laut der Polizei seien die beiden  ohne Tischtennisschläger beim Uni-Turnier angekommen und hätten jedes Spiel verloren. Das Hostel in Zagreb hätten sie mit Gepäck und Pässen verlassen und seien in unbekannter Richtung abgezogen – so die Polizei. Die entscheidende Frage beantwortet die kroatische Polizei also nicht: Wie kommt es, dass die beiden Studenten in Bosnien und Herzegowina gestrandet sind? Und warum sind sie dort ohne Pässe angekommen?

Für die kroatische Polizei sind die erhobenen Vorwürfe heikel. Denn sie decken sich mit Berichten vieler Migranten und Flüchtlinge, die gerade auf der so genannten Balkanroute unterwegs sind: Wenn die kroatische Polizei sie aufgreife, verweigere sie ihnen das Recht auf Asyl und schiebe sie illegal und mit Gewalt nach Bosnien ab – das haben Menschenrechtsorganisationen hundertfach dokumentiert. Auch Dunja Mijatovic hält das für überzeugend: Die Menschenrechtskommissarin des Europarats ist gerade aus dem bosnisch-kroatischen Grenzgebiet zurückgekehrt:

 

„Viele Gesprächspartner und auch Ärzte haben mir übereinstimmend über gewaltsame Abschiebungen durch kroatische Beamte berichtet. Besonders beunruhigend finde ich Berichte über Migranten, die zusammengeschlagen, um ihre Wertsachen gebracht werden und gezwungen werden, nach Bosnien zu gehen.“

Kenneth und Uchenna  sind inzwischen von der bosnischen Ausländerbehörde angehört worden. Ihre Pässe seien echt – und sie hatten ordentliche Visa für Kroatien – wurde dabei festgestellt. Man arbeite jetzt daran, sie im Rahmen eines Rückführungsabkommens zurückzuschicken – nach Kroatien.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Nigerianische Studenten - Vom Tischtennisturnier ins Flüchtlingslager

Quelle: Youtube, Investigativmagazin „zurnal.info“

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.