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Branko Lustig, der Produzent von Steven Spielbergs 'Schindlers Liste', erhielt 1994 einen Oscar für den Besten Film. Archiv-Foto: picture alliance | AP Photo

In memoriam Branko Lustig (Osijek 1932 - Zagreb 2019)
Von Auschwitz bis Oscar

Es ist ein kühler aber sonniger Samstag im November. Ich sitze im „Charlie“, dem Kultcafé im Zagreber Stadtzentrum und unterhalte mich mit der Besitzerin Zdenka Braun und dem Journalisten Miro Par. „Seit seiner Rückkehr aus Hollywood kam er fast täglich hierher, immer vormittags, trank gemütlich seinen Kaffee und redete mit anderen Gästen, ob anonymer Zufallsbesucher oder prominenter Stammgast, wie er selbst es war, er machte keinen Unterschied,“ sagt Frau Braun über Branko Lustig, bis vor kurzem noch ein Stammgast ihres Lokals, ein Weltstar, dem man nicht anmerkte, dass er doppelter Oskar-Preisträger ist, für die weltberühmte „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg und den „Gladiator“ von Ridley Scott. „Natürlich heben alle Filmkritiker und Laien die Oskars für diese beiden Filme, die Herr Lustig produziert hat, hervor, was auch verständlich ist, vor allem für Schindlers Liste, denn da drin ist sicher ein Teil seines Lebens enthalten, und Lustig selbst hat mehrmals betont, dass ihm dieser Oskar von allen Preisen am wichtigsten sei. Nicht als Preis, sondern als Anerkennung für seine persönlichen Leiden und die der Mithäftlinge in den Konzentrationslagern, von denen die meisten leider nicht überlebt haben. Aber er hat früher und später viele andere Filmpreise und Anerkennungen bekommen, schon im ehemaligen Jugoslawien, in Europa, in den USA und nicht zuletzt in seinem Heimatland Kroatien,“ sagt Miro Par, der die Gelegenheit und Freude hatte, den großen Menschen in den letzten sechs, sieben Jahren öfter im Charlie zu treffen und sich mit ihm zu unterhalten.

Als sich Branko Lustig Ende der 80er entschloss, mit seiner Frau und der kleinen Tochter aus Zagreb in die Traumfabrik nach Hollywood zu ziehen, hatte er schon eine respektable Filmkarriere im damaligen Jugoslawien hinter sich. Er war Schauspieler, Regieassistent, Dolmetscher und Betreuer von ausländischen Stars, die in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Jugoslawien ihre Filme drehten. Letztendlich hat er sich in der Rolle des Produzenten gefunden, wo er schließlich seine Sternstunden erleben sollte.

 

Alle diese Referenzen aus Europa bedeuteten in Hollywood nicht viel. Er musste zwar als 56-Jähriger nicht von Null beginnen, aber er war weit entfernt von wirklich großen Projekten. Er produzierte dort vor allem Fernsehfilme und kleinere Spielfilme. Und dann kam es, Steven Spielberg suchte für seinen geplanten Film über Schindler jemanden, der den Holocaust und die Konzentrationslager überlebt hatte. „Wir haben da einen im Büro nebenan, er ist ein Überlebender und zudem unser Produzent“, ließen Spielbergs Assistenten den Regisseur wissen. Spielberg gab Lustig fünf Minuten, weil er ein wichtiges Mittagessen hatte. „Aus fünf Minuten wurden dann mehr als neunzig, ich weiß nicht ob Steven hungrig geblieben ist“, erinnerte sich Branco Lustig später an dieses Gespräch, denn Spielberg hat schnell begriffen, dass er nicht nur einen Zeitzeugen, sondern auch den Produzenten für seinen Film gefunden hatte.

 

Nach dem zweiten Oskar begriff nun Branko Lustig, dass er in der Filmwelt alles erreicht hatte, was er wollte, und nun war es an der Zeit in seine Heimat zurückzukehren. „Es war eigentlich keine Rückkehr, denn ich habe Zagreb nie verlassen, ich bin in all den Jahren (von 1988 bis 2009) immer wieder von Zeit zu Zeit nach Zagreb gekommen. Und im Herzen bin ich sowieso immer hier geblieben, mit meinen Familienangehörigen und mit meinen Freunden“, erklärte er in einem Interview. Nicht nur das, er hat manchen Kroaten geholfen, nach Hollywood zu kommen, denn immer wieder hat er seinen amerikanischen Filmkollegen seine kroatischen Landsleute empfohlen, nicht weil das seine Freunde waren, denn damit komme man in Hollywood nicht weit, sondern weil sie einfach hervorragende Fachleute und gute Profis waren, betonte Lustig.

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Branko Lustig bei einem Vortrag in einer kroatischen Schule, 2016. Foto: picture alliance
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In den letzten Jahren seines Lebens hat er in Zagreb das Festival des jüdischen Films, später ins Festival der Toleranz umbenannt, gegründet, das seit 2007 jährlich stattfindet. Damit wollte er vor allem die Jugend über den Holocaust, aber auch über alle totalitären Regime informieren und wachrütteln, damit sich so etwas nie wiederholt. Er zeigte seine Filme, hielt mit seinen Mitarbeitern unermüdlich Vorträge und redete mit Schulkindern und Lehrern an vielen Orten in Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Slowenien und Österreich. Tagespolitisch wollte er sich nie einspannen lassen, aber er nahm gerne Hilfe von Politikern an, wenn sie humanistischen Zwecken dienten. So betonte er mehrmals, dass ohne das Kultusministerium der Republik Kroatien und vor allem ohne großzügige Hilfe des Zagreber Oberbürgermeisters sein Festival-Projekt niemals entstanden wäre. Die Stadt Zagreb ernannte ihn vor Jahren schon zum Ehrenbürger und die Zagreber Universität zum Ehrendoktor.

 

Branko Lustig, ein kroatischer Jude, der in seinem Fach die Sterne berührte, zeigte, dass man trotz einer Tragödie in der Jugend ohne Hass im Frieden weiterleben kann. Dabei sagte er, das man niemals vergessen dürfe, aber sehr wohl verzeihen solle, und dass man durchaus gleichzeitig ein Kosmopolit, ein Europäer und ein Lokalpatriot also mit einem Wort ein Humanist sein kann. Können wir heute daraus etwas lernen?

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