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Benjamin Hadrigan (re.) hat die App Lernsieg erfunden mit der Schüler ihre Lehrer bewerten können und Michael Steiner (li.)hat sie mit seiner Firma 'All about Apps' entwickelt. Foto: BR | Christian Limpert

Wirbel um eine App mit der Schüler ihre Lehrer bewerten können
Sternchen für Lehrerinnen und Lehrer

Es sind nur ein paar Klicks auf dem Smartphone. Pünktlichkeit: 3 Sterne, das heißt „ganz ok“. Motivation: 5 Sterne, „sehr gut“. Fairness: 1 Stern, „schlecht“. Viel komplizierter ist diese neue App eigentlich nicht, die der Wiener Schüler Benjamin Hadrigan, 17 Jahre alt, erfunden hat und mit der Schülerinnen und Schüler ab sofort ihre Lehrkräfte bewerten können. Lernsieg heißt das Programm, das ab sofort nicht nur in Österreich frei herunterzuladen ist, sondern auch in Deutschland. Dort können dank Lernsieg ab sofort rund 750.000 Lehrerinnen und Lehrer bewertet werden, und zwar namentlich. „Wir haben in einer großen Research-Aktion die Daten gesammelt, die die deutschen Schulen auf ihren Websiten veröffentlicht haben,“ erklärt Benjamin. „Falls jemand fehlt, kann der User natürlich auch Namen eintragen.“

UPDATE 19.11.2019

 

Die App wurde mittlerweile aus dem App-Store genommen. Angeblich, um den 18-jährigen App-Erfinder vor Hassnachrichten zu schützen, mit denen er laut seiner PR-Agentur seit der Veröffentlichung konfrontiert war. Wie die Zukunft der App aussieht, wurde noch nicht bekanntgegeben.

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Videomaterial: Christian Limpert

Videoschnitt: Roland Buzzi

Doch diese persönliche Bewertung ist vor allem für Lehrerverbände ein Problem. Schon bevor das Programm auf den Markt kommt sprechen Lehrerverbände in Österreich von Verstößen gegen den Datenschutz und kündigen an, juristisch gegen die App vorgehen zu wollen. Auch der Bayerische Kultusminister Michael Piazolo ist skeptisch. „Wir werden uns diese App genau anschauen“, sagt er. Grundsätzlich sei es positiv, wenn Schülerinnen und Schüler Kritik üben und Verbesserungsvorschläge machen, dies müsse aber in persönlichen Gesprächen erfolgen und nicht öffentlich.

Benjamin Hadrigan kann den Wirbel nicht verstehen. „All unsere Kritiker haben die App noch nicht gesehen“, sagt er. Um zu vermeiden, dass die App missbraucht wird, um Lehrer gezielt an den Pranger zu stellen, sei eine personalisierte Anmeldung mit Mobilfunknummer notwendig. „Das garantiert auch, dass jeder Nutzer und jede Nutzerin nur eine Stimme hat, mit der oder sie die jeweilige Lehrkraft bewerten kann. „Vor allem aber gibt es keine Kommentarfunktion, Bewerten geht also nur über die Vergabe von Sternchen in fest vorgegebenen Kategorien.

Um die App überhaupt auf den Markt in Österreich und Deutschland zu bringen, hat Benjamin ein beachtliches Netz an Unterstützern um sich gesammelt. Eine renommierte Wiener Anwaltskanzlei berät ihn, ein junges Start-Up, das bereits für große Unternehmen Applikationen entwickelt, hat seine Idee technisch umgesetzt. Eine Summe im niedrigen Sechsstelligen Bereich habe die Entwicklung der App gekostet.  Finanziert von Investoren, die Benjamin selbst zusammengesucht hat, die meisten von Ihnen kommen aus der Wirtschaft oder der Start-Up-Szene, möchten aber namentlich nicht erwähnt werden.

„Mir geht es mit der App nicht darum, Lehrerinnen und Lehrer zu diffamieren,“ sagt Benjamin, „jeder User kann seine Bewertungen täglich korrigieren.“ Damit hätten die Lehrkräfte auch Gelegenheit, zu reagieren und sich zu verbessern.

Ob das Konzept aufgeht, liegt freilich daran, wie viele Schülerinnen und Schüler diese App nutzen werden, und wie langfristig und sorgfältig sie diese Art von Feedback betreiben wollen. Juristische Maßnahmen gegen die App dürften schwierig werden.

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Kommentare (1)

Leonard am

Ich würde sie mir Mal ansehen.
Bisher können sich Schüler nämlich nicht gegen respektlose Lehrer wehren, ohne Probleme in der Schule zu bekommen.
Daher finde ich die Idee, so wie sie umgesetzt werden soll gut.
Die Lehrer überdenken vielleicht das ein oder andere.

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