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Die Postojna in Slowenien gehört zu den größten Tropfsteinhöhlen der Welt. Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Postojnska jama

Im Innern der Erde
Die Tropfsteinhöhle Postojna in Slowenien

Die Postojnska Jama – auf Deutsch auch Adelsberger Grotte genannt – gehört zu den schönsten und größten Tropfsteinhöhlen der Welt. Sie liegt rund 50 Kilometer südwestlich der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, mitten im Karstgebiet, wo der Kalkstein bis zu 90 Millionen Jahre alt ist. Touristen können die Postojna seit 1819 besichtigen und sie ist nach eigenen Angaben die am häufigsten besuchte Höhle der Welt. In den letzten 200 Jahren waren insgesamt 39 Millionen Menschen dort. 1819 – im ersten Jahr – kamen nur 104 Besucher und damit weniger Menschen, als heute mit einem der kleinen Züge rund zwei Kilometer nach unten fahren, um über die festgelegte Route durch die Postojna zu gehen. Durch riesige hohe Hallen mit den eindrucksvollen Stalagmiten und Stalaktiten, des verzweigten Höhlensystems, dessen drei Ebenen mehrere Flüsse ausgehöhlt haben. Die roten, weißen oder grauen Kalksteine bekamen durch unterschiedliche Mineralien ihre Farben. Sie entstehen durch Wasser. Tropfen dringen von oben durch den Boden in die Höhle ein und bilden die Tropfsteine. Es dauert 10 bis 30 Jahre bis Stalagmiten und Stalaktiten um einen Millimeter wachsen, erklärt Roman Bogataj. Der Höhlenguide Mitte 30 stammt aus dem Ort Postojna und führt seit rund fünf Jahren Besucher durch die Höhle. Die bis zu 80 Meter hohen teils kristallglitzernden Kalksäulen ähneln Skulpturen und die künstlerisch anmutenden hohen Höhlen und Gänge haben kühle Farben und Formen, die ihren Namen bestimmen: Tanzsaal, weißer Saal, Spaghetti Saal.

Seit 1883 gibt es Strom, doch lange wurde die Höhle vor allem mit Fackeln und Kerzen beleuchtet. Heute werden die Kalkformationen mit einer ausgeklügelten Lichtanlage angestrahlt. Der vordere Eingang der Postojna ist schon seit dem frühen 13. Jahrhundert bekannt, das belegen archäologische Funde. Doch der größte Teil der mehr als 20 Kilometer langen Höhle wurde 1818 durch Zufall entdeckt. Der Kaiser hatte sich angekündigt und Männer aus dem Ort Postojna bereiteten alles für seine Begrüßung vor, erzählt Roman Bogataj: „Sie haben die Höhle mit Fackeln vorbereitet und einer dieser Männer – Luka Cec – musste eine Begrüßungstafel in der Höhle aufhängen. Dabei ist er zwei oder drei Meter höher geklettert und da oben hat er die Innenhöhle gefunden. Einfach so.“ Auch Kriege haben in der Postojna unübersehbare Spuren hinterlassen. Im Ersten Weltkrieg mussten russische Kriegsgefangene eine Höhlenbrücke bauen. Im Zweiten Weltkrieg sprengten jugoslawische Partisanen ein Militärlager der deutschen Wehrmacht in der Postojna. Ein Feuer brach aus und die Wände sind an dieser Stelle immer noch schwarz von Ruß und Öl.

Postojna hat die größte Biodiversität der Welt

Mehr als 100 Tierarten wurden bisher in der Höhle entdeckt. Darunter Spinnen, Käfer, Schnecken, Fledermäuse oder Höhlenheuschrecken. Der aalähnliche Grottenolm ist mit Abstand der interessanteste Höhlenbewohner der unterirdischen Gewässer der Höhle. Ein länglicher Lurch, der äußerst scheu, lärm,- und lichtempfindlich ist. Spürt ein Grottenolm zum Beispiel Handywellen schwimmt er davon und lautes Schreien mag er auch nicht. In der Postojna kann man Grottenolme nur in einem Aquarium sehen. Sie werden bis zu 35 Zentimeter groß, können 100 Jahre alt werden und 12 Jahre lang ohne Futter auskommen. Der Grottenolm wird auf Slowenisch „menschlicher Fisch“ genannt. Er ist blind und seine Augen sind degeneriert. Der Grottenolm kommt nur im dinarischen Karst vor, dem Kalkgebirge südlich der Adria. In wenigen Quellen lebt er auch außerhalb der Höhle, dann ist er schwarz und nicht durchsichtig weiß.

Kein Geruch, kein Lärm, kein Licht

Abgesehen vom Tagestrubel ist die riesige Tropfsteinhöhle stockdunkel und so still, dass sich Astronauten auf das kalte ferne All vorbereiten könnten, meint Roman Bogataj, für den Höhlen etwas meditatives haben. In einer Höhle übernachten ist gewöhnungsbedürftig, so auch die Erfahrung von Roman Bogataj, es sei einfach zu leise. Perfekte Bedingungen für Astronauten, die sich unter anderem in Höhlen auf die Abgeschiedenheit des Weltalls vorbereiten.

In Slowenien gibt es rund 13 000 Höhlen und die Höhlenforschung, die Speläologie, ist ein wichtiger Teil der Wissenschaft. Das Institut für Karstforschung hat ein Höhlenregister und seit 2004 gibt es ein Höhlenschutzgesetz. Immer wieder werden auch neue Höhlen entdeckt. Oft zunächst im Internet, denn die Oberfläche der Karstlandschaft wurde vermessen und Höhlenguides wie Roman Bogataj notieren sich am Computer auffällige Orte möglicher Höhlen. Im Winter ziehen sie dann los, um die Stellen zu überprüfen. Auch Nichtprofis finden übers Internet neue Höhleneinstiege und immer wieder müssen Menschen gerettet werden. Ob Winter oder Sommer, in der Postojna herrschen immer zehn Grad und damit zwei mehr als noch vor rund 15 Jahren, erzählt Roman Bogataj. Grund sei der Klimawandel, der vor allem Eishöhlen schmelzen lässt.

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