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Im Lager Vucjak gibt es kein fließendes Wasser. Die Menschen sind auf tägliche Wasserlieferungen angewiesen. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Bosnien und Herzegowina sucht Orte für Flüchtlingscamps
Niemand will sie haben

In Bosnien und Herzegowina könnte eine Pattsituation zwischen lokalen und gesamtstaatlichen Behörden zu einer humanitären Katastrophe führen. Seit Wochen wird nach einem Standort für eine Flüchtlingsunterkunft gesucht, die etwa 700 bis 1.000 Menschen aufnehmen soll, die zur Zeit in der Nähe der Stadt Bihac auf einer ehemaligen Müllhalde unter erbärmlichen Bedingungen hausen.

Die Regierung in Sarajevo sagt, dass das Geld dafür da sei. Das Problem: Im gesamten Land lasse sich keine Gemeinde finden, die bereit wäre, eine Flüchtlingsunterkunft auf ihrem Gebiet zu akzeptieren. Dabei drängt die Zeit, denn es wird immer kälter.

 

Inzwischen lässt eine weitere Hiobsbotschaft aus dem Nordwesten Bosnien und Herzegowinas aufhorchen. Weil sie Migranten und Flüchtlinge nicht mehr in den Stadtgebieten unterbringen möchten, haben die Städte Bihac und Velika Kladusa beschlossen, zum 15. November 2019 zwei große offizielle Flüchtlingscamps zu schließen. Damit wären auf einen Schlag rund 2.000 Menschen auf der Straße – auch Frauen, Kinder und unbegleitete Minderjährige.

Seit Ende 2017 ist Bosnien und Herzegowina im Fokus der sogenannten „Balkanroute“. Waren es 2017 noch weniger als 800 Menschen, sind im Zeitraum Januar 2018 – November 2019 etwa 40.000 sogenannte illegale Migranten durch das Land gezogen. Es ist die fast 1.000 Kilometer lange gemeinsame Grenze mit dem EU-Land Kroatien, die Bosnien und Herzegowina so anziehend macht. Die Grenze ist gut bewacht, sie verläuft aber durch Gebirge oder anderes unwegsames Gelände und ist schwer zu kontrollieren. Die Städte Bihac und Velika Kladusa liegen im Nordwesten des Landes. Kroatien und damit die EU sind nur noch einen Fußmarsch entfernt. Zurzeit (Stand 5.11.2019) warten dort etwa 7.000 Menschen auf eine Gelegenheit, über die Grenze zu gelangen. Die Menschen stammen aus Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak, Syrien und anderen Ländern.

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Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Mladen Pehar

Schnitt: Günter Stöger

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Das Lager Vucjak gibt es seit Juni 2019. Die hygienischen Bedingungen sind hier sehr schlecht, es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser. Außerdem ist die Umgebung seit dem Bosnienkrieg vermint. Foto: BR | Srdjan Govedarica
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Kommentare (5)

Thomas Olk am

Keine weiteren Muslime nach Europa / Deutschland! Unser Erdteil will christlich und demokratisch bleiben. All die jungen Menschen, welche in unsere Sozialsysteme einwandern wollen, sollen in ihren Herkunftslndern die dortigen Probleme überwinden, v.a. die patriarchalisch-islamische Ideologie.
Dann entfallen die meisten Gründe in Europa ein angenehmes Leben suchen zu wollen.

o.j. frowein am

Schick sie zurueck von wo sie gekommen sind mit etwas Taschengeld & ein Zelt. Auf jedem Fall ist es dort trocken & warm!!

Reinderhard am

Es gibt einen Weg für die armen Migranten. Zurück dorthin, wo sie herkommen. Das gibt ein großes Wiedersehen.
Da finden sie ihre zurückgelassenen Frauen und Kinder.

Wolfgang am

Planlose Glücksritter.

Jana Häberlein am

Lieber Herr Govedarica

bitte berichten Sie weiterhin über den Nordwesten Bosnien-Herzegowinas. Es ist sehr wichtig, dass nicht vergessen geht und publik gemacht wird, unter welchen erbärmlichen Umständen die Menschen dort leben. Nur so kann, auch in anderen europäischen Ländern, politischer Druck aufgebaut werden. Ihre Schweizer Kollegin Nicole Vögele von SRF hat beispielsweise im Frühsommer 2019 mehrere filmische Beiträge produziert, die die gewaltsamen push-backs der kroatischen Polizei dokumentieren und die z.B. hier in der Schweiz auch vom Parlament sowie von Gerichten zur Kenntnis genommen wurden: Zwei Bundesverwaltungsgerichtsurteile haben im Sommer beispielsweise Rückführungen nach Kroatien unter dem Dublin III Abkommen gestoppt, eben weil mittlerweile die Brutalität der kroatischen Grenzpolizei bekannt ist und noch wichtiger, dass grundlegende Rechte wie das Recht, ein Asylgesuch stellen zu können (u.a. im Schengener Grenzkodex und der Genfer Flüchtlingskonvention verankert) hundertfach missachtet werden (siehe https://www.borderviolence.eu/). Das wissen Sie bestimmt alles.
Vielleicht ein kleiner Hinweis: Die Rede ist von „sogenannten illegalen Migranten“. Ich würde mir diese Formulierung überlegen, wollen doch einige der Migrant*innen, unter ihnen Familien, durchaus ein Asylgesuch in Kroatien stellen, aber werden davon abgehalten. Es sind viele Familien, Frauen und Minderjährige auf der Balkanroute unterwegs, sie sind u.U. nicht immer so sichtbar. Aber auch Männer natürlich haben das Recht, ein Asylgesuch zu stellen und nicht (verprügelt und mit kaputten Telefonen) nach Bosnien-Herzegowina abgeschoben zu werden, wo nur sehr schwache Asylstrukturen bestehen. Deshalb sind diese Menschen nicht pauschal illegal.
Es wäre sicher auch einmal interessant, die Situation der Migrant*innen genauer in den Kontext von Bosnien-Herzegowina einzubetten: Wie geht es den Menschen vor Ort allgemein und mit dieser Situation? Ich weiss und habe letzthin selbst gesehen, wie einige Bürger*innen in Bihac der Polizei gratulierten, als sie hunderte Migrant*innen aus der Stadt trieb; aber was sind genau ihre Ängste? Wie ist dies im Kontext der bosnischen Nachkriegsgesellschaft zu verstehen – gerade in einer Gegend, die selber stark unter Belagerung und Krieg litt? Und was ist die Motivation der Unterstützer*innen? Die gibt es, auch wenn sie sich mittlerweile v.a. im Dunkeln zu den Migrant*innen mit Kleidern und Essen wagen, weil sie von anderen lokalen Menschen bedroht werden.
Christian Limpert berichtet in seinem Beitrag, dass medizinische Hilfe in Vucjak nicht mehr möglich sei; das stimmt, aber es war ja so, dass die Behörden des Kantons Una-Sana die effiziente, freiwillige medizinische Versorgung um den deutschen Journalisten Planert verboten hat. Sein Team aus österr. u. deutschen Ärzt*innen, Sanitäter*innen und Pflegefachpersonen wurde ausgewiesen und mit einer Einreisesperre belegt, so dass er selber alleine auch nichts mehr ausrichten konnte. Sie haben bis zu 200 Patient*innen pro Tag medizinisch versorgt, laut Auskunft von Dirk Planert. Dieser Hintergrund, dass Unterstützung kriminalisiert wird und die Migrant*innen absichtsvoll verelenden sollen, rückt die Aussage, dass medizinische Hilfe in Vucjak nicht mehr möglich sei, in ein anderes Licht. Medizinische Versorgung wurde schlicht verboten.

Nochmals vielen Dank für Ihre Arbeit. Kann man eigentlich über Twitter auch private Nachrichten versenden, die nicht öffentlich einsehbar sind?

Herzliche Grüsse

Jana Häberlein

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