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Als die Bosniakin Fata Orlovic nach Kriegsende in ihr Dorf zurückkehrte, fand sie ihr Haus nur als Ruine vor. Und auf ihrem Grundstück war eine serbisch-orthodoxe Kirche errichtet worden. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Wie eine Bosniakin den Abriss einer serbisch-orthodoxen Kirche in ihrem Garten erzwingt.
„Oma Fata“

Fata Orlovic ist 77 Jahre alt, hat sieben Kinder, 14 Enkelkinder und keinen Schulabschluss.  Fata ist eine einfache Frau und führte auf dem Lande ein ruhiges Leben mit ihrer Familie, bis 1992 in Bosnien der Krieg ausbrach. Mehr als ein Jahr lang kämpften die Bosniaken in ihrem Dorf gegen die besser bewaffnete Armee der bosnischen Serben, angeführt von Radovan Karadzic. Als der Kampf aussichtslos wurde, flohen sie in das benachbarte Städtchen Srebrenica. Auch dort kämpften und hungerten sie weitere zwei Jahre, bis der serbische General Mladic und seine Soldaten auch diese ostbosnische Stadt eingenommen hatten. Fata und ihre Kinder überlebten das Massaker – Fatas Mann Sacir hingegen wurde getötet, ebenso wie über zwei Dutzend Männer aus Fatas Familie.

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Video: Eldina Jasarevic

Schnitt: Thomas Gebhardt

Als Fata im Jahr 2000, fünf Jahre nach dem Kriegsende, in ihr Haus zurückkehren wollte, fand sie ihr Haus nur als Ruine vor. Und auf ihrem Grundstück war eine serbisch-orthodoxe Kirche errichtet worden. Doch die Fata, die Witwe mit Pumphosen und Kopftuch, die kaum schreiben konnte, jammerte nicht, sondern begann einen Kampf gegen die Behörden in der serbisch dominierten „Republika Srpska“, so nennt sich dieser von Serben bewohnte Landesteil Bosniens seit Ende des Krieges.  „Die Kirche muss weg! Was hat sie in meinem Hof zu suchen? Hier gibt es sowieso keine Serben! Die Kirche muss aus meinem Hof weg!“, wiederholte Fata immer wieder. Das wurde ihr zum Verhängnis. Sie wurde nicht von der Polizei, sondern auch von dem serbisch-orthodoxen Priester angegriffen und geschlagen. Fata wehrte sich und schlug zurück. Die Folge: eine Anklage wegen Schüren nationalen Hasses und Behinderung der Arbeit der Kirche.

Mit der Zeit wurde Fata in der Öffentlichkeit wegen ihrer Beharrlichkeit und ihres Mutes immer bekannter, als „nana fata“, übersetzt Oma Fata. Der bosnische Obermufti aus Sarajevo besuchte sie in ihrem Haus und ließ sich mit ihr fotografieren, wie auch viele andere Politiker und Prominente. Im Jahr 2007 wurde Fata sogar von einer bosnischen Tageszeitung zur „Persönlichkeit des Jahres“ erklärt. Fata aber fühlte sich einsam. Sechs von ihren Kindern waren inzwischen in die USA ausgewandert und begannen dort eine neue Zukunft. „Meine Kinder sagen, sie würden nie in Amerika wegen der Arbeit bleiben. Sondern nur weil es ein Rechtsstaat ist! Dort ist es nicht wie hier bei uns, wo jeder macht, was er will“, erklärt uns die trotzige Oma.

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Vor knapp einem Monat schließlich Fatas bislang größter Erfolg:  der europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg entschied, dass die Kirche innerhalb von drei Monaten aus Fatas Garten verschwunden sein muss. Die Medien feierten sie als „bosnische Heldin“. Fata aber sieht das alles nicht so heldenhaft. „Natürlich freue ich mich über den Sieg, aber das hat mich sehr viel gekostet. Ich habe unendlich viele schlaflose Nächte hinter mir. Alles für die Gerechtigkeit! Und ich hätte genauso heftig gegen eine Moschee gekämpft. Mich haben Priester oder Imame nie interessiert, nur eines war mir immer wichtig: mein Haus und mein Hof!“

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