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Der österreichische Schriftsteller Peter Handke erhält den Literaturnobelpreis 2019. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

Reaktionen aus Südosteuropa
Nobelpreis für Peter Handke

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Der österreichische Schriftsteller Peter Handke im Rahmen der Überreichung des Iffland-Rings an den deutschen Schauspieler Jens Harzer im Wiener Burgtheater (16. Juni 2019). Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com
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Die Entscheidung der Schwedischen Akademie, Peter Handke mit dem Nobelpreis für Literatur auszuzeichnen, stößt in Südosteuropa auf gemischte Meinungen. Während viele Serben Handke als großen Autor und großen Freund ihres Landes bezeichnen, reagieren andere in der Region mit Entsetzen. Ein Überblick:

Bosnien und Herzegowina

"Mit der Verleihung des Nobelpreises an eine solche Person wird ihr unehrenhaftes intellektuelles und politisches Engagement legitimiert."

Sefik Dzaferovic, Vertreter der Bosniaken im Staatspräsidium

„Ich danke Ihnen für das Verständnis, das Sie den gerechten serbischen Interessen entgegengebracht haben und auch für Ihre wunderbare Literatur. Der Nobelpreis, den Sie bekommen haben, ist ein Beweis dafür, dass die Gerechtigkeit nicht vollständig verloren gegangen ist.“

Milorad Dodik, Vertreter der Serben im Staatspräsidium

„Aufzulecken, was man einmal ausgespuckt hat, ist nicht einfach. Aber große Charaktere können das, sie können Fehler eingestehen. Mich interessiert, was er heute sagen würde und ob er auch 2019 bereit wäre, Slobodan Milosevic zu verteidigen und all das, was Serbien unter seiner Kontrolle getan hat.“

Jakob Finci, Präsident der jüdischen Gemeinde Bosnien und Herzegowinas

„Die Entscheidung hat uns verletzt und beleidigt, die wir Söhne, Ehemänner und Brüder verloren haben.“

Munira Subasic, von der Vereinigung Mütter von Srebrenica und Zepa, fordert das Nobelkomitee auf, Handke der Preis abzuerkennen.

Serbien

„Der Nobelpreis hätte ihm nach Meinung vieler Experten längst zugestanden, doch die Politik hatte ihre Finger im Spiel. Den Preis bekommt er relativ spät, aber dennoch völlig verdient.“

Vladan Vukosavljevic, serbischer Kultur- und Informationsminister

„Dieser Preis ist ihm verwehrt und ins Unendliche vertagt worden, wegen seiner Haltung zu den Serben in den 90ern. Wegen seiner Überzeugungen was wahr ist, und dabei lag er richtig. Das ist jetzt wie eine Korrektur.“

Mladen Materic, Regisseur

Kroatien

„Handke ist zweifellos ein hervorragender Schriftsteller, aber seine Verehrung für Milosevic kann in keiner Weise gerechtfertigt werden. Kurz gesagt, Handke ist ein literarisches Genie und ein politischer Idiot."

Nadezda Cacinovic, Schriftstellerin und Philosophin

„Handke ist kein Kriegsverbrecher, kein Kriegshetzer, er hat keinen gehasst. Er hat in Jugoslawien eine ideale föderale Gemeinschaft gesehen, er war der Meinung, dass Milosevic der Garant dafür ist. Das war sein Irrtum, aber das hat nichts mit seiner Literatur zu tun. Handke ist ein großer Schriftsteller, und die schwedische Akademie hat diesmal die richtige Entscheidung getroffen."

Zdravko Zima, Schriftsteller, Publizist und Kolumnist

Slowenien

"Das ist Schweden heute: Der Leugner des Genozids und der Kriegsverbrechen bekommt den Nobelpreis, und der Staat beteiligt sich aktiv am Attentat am wahrhaftigen Helden unserer Tage, Julian Assange. Unsere Reaktion darauf sollte sein: Kein Literaturnobelpreis für den Leugner des Genozids, sondern Friedensnobelpreis für Assange."

Slavoj Zizek, Philosoph

Kosovo

„In einer Welt voller brillanter Schriftsteller, zeichnet das Nobelkomitee einen aus, der ethnischen Hass und Gewalt propagiert. Etwas ist fürchterlich schiefgegangen.“

Vlora Citaku, kosovarische Botschafterin in den USA

Albanien

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich wegen des Nobelpreises ein Gefühl zum Kotzen haben könnte. Die Unverschämtheit wird jedoch zum normalen Bestandteil der Welt, in der wir leben. Der Gewinner des Literaturnobelpreises ist eine schändliche Auswahl der Schwedischen Akademie. Wir dürfen nicht so lahm sein gegen Rassismus und Völkermord.“

Edi Rama, albanischer Ministerpräsident

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Blick in die Handke-Dauerausstellung im Stift Griffen in Österreich. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com
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