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Dirk Planert (rechts im Bild) im Gespräch mit Flüchtlingen die sich im Camp aufhalten. Foto. BR | Eldina Jasarevic

Bosnien und Herzegowina: Helfer müssen Flüchtlingslager verlassen
Helfen verboten

Die Menschen sind gezwungen, auf einer ehemaligen Müllhalde zu leben, es gibt kein fließendes Wasser und keinen Strom, in der Umgebung liegen Landminen aus dem Bosnienkrieg. Außerdem naht der Winter, der in diesem Teil Bosniens sehr streng sein kann. Das Flüchtlingslager Vucjak hat den Ruf, das schlimmste Lager dieser Art in Europa zu sein. Ende September ist die Situation für die rund 800 Männer – das Lager ist ein reines Männerlager – sogar noch schlimmer geworden. Denn die bosnischen Behörden haben die einzige Ambulanz des Lagers aufgelöst und die ausländischen Helfer entweder des Landes verwiesen oder ihnen jegliche humanitäre Hilfe im Lager untersagt.

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Situation in Vucjak

Beitrag: Darko Jakovljevic

Kamera: Mladen Pehar

Schnitt: Christine Dériaz

„Neben Menschen zu stehen, die eitrige Wunden haben, ihnen aber nicht helfen zu dürfen – das tut schon weh."

Dirk Planert, freiwilliger Helfer und Journalist

Der Dortmunder Journalist Dirk Planert ist von Beginn an so etwas wie die gute Seele des Lagers. Zunächst auf eigene Faust, dann mit einem immer größeren Team aus freiwilligen Helfern hat Planert die Ambulanz in Vucjak aufgebaut und bis zu 200 Patienten am Tag betreut. Doch jetzt muss Dirk Planert Hilfesuchende abweisen, und ihnen erklären, dass seine Arbeit nun illegal ist.

 

Ende September kommen Beamte der Bosnischen Ausländerbehörde zusammen mit der Polizei ins Lager und nehmen einer ungarischen Ärztin, einem slowenischen Sanitäter und einer deutschen Krankenschwester die Pässe ab. Weil sie unangemeldet und ohne Einladung einer behördlich zugelassenen Hilfsorganisation in Vucjak arbeiten, müssen sie eine Strafe zahlen und das Land verlassen. Dirk Planert selbst war zu dem Zeitpunkt nicht im Lager und darf vorerst im Land bleiben. Humanitäre und medizinische Hilfe zu leisten ist ihm aber ab sofort untersagt: Für die Begründung der Behörden hat Dirk Planert kein Verständnis:

 

 

„Es hat nie eine Organisation gegeben, seit über drei Monaten, die hier medizinische Hilfe leistet. Deswegen ist es ausgeschlossen, dass man eine Einladung bekommt, weil es eine solche Organisation nicht gibt.“

Dirk Planert, freiwilliger Helfer und Journalist

Dirk Planert und seine Teamkollegen haben mehr als drei Monate im Lager gearbeitet und sind jeden Tag ohne Probleme von der Polizei durchgelassen worden, die den Eingang zum Lager bewacht. Warum haben die Behörden erst jetzt reagiert? Dirk Planert hat eine Theorie:

„Der einzige Grund ist, dass ich die mediale Aufmerksamkeit auf Vucjak gelenkt habe, dass sich mittlerweile EU-Politiker eingeschaltet haben. Man wollte uns einfach mundtot machen – ausschalten.“

Dirk Planert, freiwilliger Helfer und Journalist

Bihacs Bürgermeister Suhret Fazlic kennt und schätzt Dirk Planert schon sehr lange. Als junger Mann hat Planert sich bereits im Bosnienkrieg Anfang der 90er für die Menschen in Bihac eingesetzt und Hilfsgüter in die heftig umkämpfte Stadt gefahren. Zur aktuellen Situation antwortet Bürgermeister Fazlic jedoch ausweichend:

„Ich persönlich finde, dass man sich an die gesetzlichen Bestimmungen halten sollte, was den Aufenthalt von Ausländern in Bosnien und Herzegowina anbetrifft. Wenn es jedoch um Hilfe für Menschen und medizinische Versorgung geht, sollte es, denke ich, keine Einschränkungen geben. Ich unterstütze nicht, dass die Arbeit von Dirk und seinem Team verboten wurde. Vorausgesetzt, dass sie die gesetzlichen Voraussetzungen für den Aufenthalt in Bosnien und Herzegowina eingehalten haben.“

Suhret Fazlic, Bürgermeister Bihac

Zurück im Lager Vucjak. Ein Mann aus Pakistan zeigt uns seinen großen Zeh, der stark entzündet ist und eitert:

„Als ich heute morgen einen einfachen Verband für meine Füße haben wollte, ging das nicht. Dieses Lager ist sehr dreckig und wenn du nur eine kleine Wunde hast, wird sie immer größer und schlimmer. Wir haben kein Geld uns woanders behandeln zu lassen. Dem einzigen, der uns geholfen hat, erlauben sie jetzt nicht mehr, für uns zu arbeiten.“

Bewohner des Flüchtlingslagers

Im Lager Vucjak sorgt das lokale Rote Kreuz für die Mindestversorgung der Menschen. Salam Midzic, Sekretär des Roten Kreuzes Bihac erklärt, es sei geplant, dass die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ ins Lager kommen und die Erstversorgung der Menschen sicherstellen soll. Wann das genau sein wird, weiß er auch nicht. Notfälle würden in Krankenhäuser gebracht. Dirk Planert hingegen warnt: Ohne medizinische Versorgung direkt im Lager würden dort bald Menschen sterben:

 

„Ich habe hier nicht umsonst mit einem ganz wunderbaren Team drei Monate gearbeitet. Es ist zwingen notwendig, dass diesen Menschen geholfen wird.“

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In diesem Zelt im Flüchtlingslager Vucjak haben die Helfer rund um Dirk Planert bis vor kurzem medizinische Hilfe geleistet. Foto: BR | Eldina Jasarevic
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Kommentare (1)

Jana Haubold am

Lieber Dirk, was Ihr tut ist niemals umsonst!!!! Die Behörden sollten sich schämen,solch wundervolle Menschen rauszuschmeissen.Haltet durch, Eure Hilfe ist unbezahlbar

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