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Heinz-Christian Strache zieht sich aus der Politik zurück Politischer Rückzug bis zum Comeback? - Kommentar vpn Srdjan Govedarica Foto: BR

Heinz-Christian Strache zieht sich aus der Politik zurück
Politischer Rückzug bis zum Comeback? - Kommentar

Heinz-Christian Strache zieht sich ins Private zurück. Er werde die Mitgliedschaft in der rechten FPÖ, jegliche politische Aktivität einstellen und strebe keine politischen Ämter an, sagte Strache bei einer Pressekonferenz in Wien. Ihm gehe es darum, „eine Zerreißprobe und Spaltung der FPÖ um jeden Preis zu verhindern“. Strache kommt damit der Entscheidung der FPÖ-Gremien zuvor – es war durchgedrungen, dass dabei eine Suspendierung oder gar ein Parteiausschluss Straches beschlossen werden könnte. Denn die Kritik an Strache war in den eigenen Reihen unüberhörbar geworden. Denn Strache ist nicht nur Hauptakteur der Ibiza-Affäre. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue. Er soll ein Spesenkonto der Partei privat verwendet haben. In seiner persönlichen Erklärung bestritt Strache erneut alle Vorwürfe. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag war die FPÖ abgestürzt, um 10 Prozentpunkte auf rund 16 Prozent. War es das mit Strache? Srdjan Govedarica glaubt in seinem Kommentar nicht daran, dass wir heute den letzten Auftritt des Politikers Heinz-Christian Straches gesehen haben.

 

Kommentar von Srdjan Govedarica

Ich wette einen Wodka-Red-Bull dagegen, dass Heinz-Christian Strache wirklich seine politische Aktivität einstellen wird. Das hat er zwar heute bei einer Pressekonferenz in Wien so gesagt – aber eigentlich hat er nur die Notbremse gezogen und eine Art Waffenstillstand mit der Partei vereinbart. Denn seine FPÖ hätte ihn wenige Stunden nach seiner Pressekonferenz ohnehin suspendiert oder vielleicht sogar aus der Partei geworfen.

 

Strache weiß genau, dass er zu einer toxischen Person für die FPÖ geworden ist. Zumindest so lange die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt – wegen eines für Strache sehr unangenehmen Vorwurfs. Dem der Untreue gegenüber der FPÖ. Strache soll, so der Verdacht, private Ausgaben im großen Stil über die Partei abgerechnet haben. Die FPÖ hatte ihm ein Spesenkonto von 10.000 Euro im Monat eingeräumt und einen 2.500-Euro-Mietzuschuss für seine Villa – zusätzlich zu seinem Gehalt von rund 19.000 Euro als Vizekanzler. Wer „Unser Geld für unsere Leute“ im Brustton der Überzeugung vom Rednerpult im Nationalrat donnert und Robin Hood wegen seines „Freiheitskampfes für das Volk und gegen die Mächtigen“ als Vorbild bezeichnet, kann sich so etwas einfach nicht erlauben. Der „kleine Mann“ – für den Strache seit jeher den Anwalt spielt, findet so etwas gar nicht gut.

 

Straches Rückzug wirkt auf den ersten Blick wie ein sauberer Schnitt, ist aber eigentlich eher ein Wegducken garniert mit Mitleidsgesuchen für seine von den Skandalen schwer gebeutelte Familie und der ewigen Leier von politischem Attentat und Weltverschwörung. Strache hätte genauso gut auf Angriff schalten und wie von vielen vermutet, seinen Parteiausstritt und die Gründung einer eigenen politischen Liste für die Landtagswahlen in Wien im kommenden Jahr verkünden können. Wie einst sein politischer Ziehvater und jahrelanges Vorbild Jörg Heider. Doch das wäre selbst bei Straches verbliebenen Anhängern innerhalb der FPÖ nicht gut angekommen – zu sehr ist der Gedanke der großen Familie bei den Freiheitlichen verankert, zu präsent noch das Trauma aus dem Jahr 2002, als sich die Partei im Streit spaltete und für Jahre in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Also lieber erstmal wegducken und abwarten.

 

Denn wer weiß, wie sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entwickeln. Es gilt ja die Unschuldsvermutung und es könnte ja sein, dass das Verfahren gegen Strache eingestellt oder er vor Gericht freigesprochen wird. Spätestens dann wird es dann wieder eine kurzfristig eingeräumte Pressekonferenz geben und einen strahlenden HC Strache, der sein Comeback verkündet. Denn einerseits scheint die rote Linie für die FPÖ tatsächlich nur das Strafrecht zu sein – sonst wäre Strache ja nach dem Ibizavideo schon gegangen worden. Außerdem hat Strache, der dieses Jahr 50 wird, sein halbes Leben in der Politik verbracht. Amt und Würden sind ihm sehr wichtig, die politische Bedeutungslosigkeit der Stoff, aus dem sich seine Albträume speisen. Wenn wir heute wirklich den letzten politischen Auftritt von Heinz-Christian Strache gesehen haben, fresse ich jedenfalls einen Besen – und gebe einen Wodka-Red-Bull aus.

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