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Der Schafbock wählt grün, sagt Maria Vogt (li.). Im ländlichen Niederösterreich wird für ÖVP-Spitzenkandidat und Ex-Kanzler Sebastian Kurz auf Feldern, Äckern und Strohballen geworben (re.). Fotomontage: BR | Karin Straka

Strohballen für Kurz, Schafbock für die Grünen
Bäuerinnen vor der Nationalratswahl

Niederösterreich liegt im Westen von Wien und das ländliche Bundesland war jahrzehntelang ein Heimspiel für die ÖVP. Die Konservativen können sich bis heute auf Landwirte und Weinbauern stützen. Bei der letzten Wahl erhielten sie in diesem Bundesland rund 35 %. Auf privaten Äckern und Feldern wird im Wahlkampf vor allem für die ÖVP und deren Spitzenkandidaten Sebastian Kurz geworben und die Wahlwerbung für den 33-Jährigen ist auf Leiterwagen oder Strohballen zu sehen. Auch SPÖ-Chefin und Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner lächelt in Niederösterreich von Plakaten aber auf Strohballen haben wir sie bei unserer Wahlrecherche nicht entdecken können.

"Ich wähle die ÖVP. Sie kümmern sich um die Wirtschaft und ich hoffe, dass sie uns Bauern nicht vergessen."

Martina Romann, Landwirtin und Mitglied im Bäuerinnenladen in Dobersberg

Rund 38.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Niederösterreich, rund ein Viertel davon sind Biobetriebe. Doch es werden insgesamt weniger. Laut Statistik Austria haben in den letzten vier Jahren rund 2.000 Bauern aufgegeben. Vor allem kleine Betriebe müssen sich nach der Decke strecken, bestätigt auch Ingrid Kraus: „Die Preise stimmen einfach nicht mehr“. Im Herbst 2017 hat sie den Bäuerinnenladen in Dobersberg im niederösterreichischen Waldviertel mitgegründet. Sie ist Mitte 50 und Bäuerin aus Überzeugung in einer ländlichen Gegend an der Grenze zu Tschechien, die mit Arbeitslosigkeit und Abwanderung zu kämpfen hat. Für Landwirte ist auch der Klimawandel ein Thema. Beispiel Trockenheit. Die Fichten können deswegen keinerlei Widerstand leisten und so frisst sich der Borkenkäfer durch ihre Stämme und macht das Holz wertlos, so die Bäuerinnen im Dobersberger Laden. Auch das umstrittene Mercosur-Freihandelsabkommen der EU mit mehreren Ländern Südamerikas ist ein Reizthema für viele Bauern. Wenig Zölle auf Soja oder Fleisch würden ihre Existenz und Arbeitsplätze gefährden, beklagen sie. Der Bäuerinnenladen will gegensteuern. Er ist als Verein organisiert, der seine saisonalen Produkte von Mitgliedern und Zulieferern bezieht. Von Gemüse, über Honig, Eier oder Nusscreme ist alles zu haben. Aber Weintrauben im Winter? So etwas gibt es hier nicht, betont Ingrid Kraus.

Der Schafbock wählt grün

"Es gibt nicht viele grüne Bäuerinnen und Bauern. Auf dem Land sind es einfach noch sehr starre Systeme, oft auch noch patriarchalische Strukturen, wo es selbstverständlich ist, dass jemand kommt wo er nur nach dem Mann fragt. Irgendeine Geschäftsbeziehung oder eine politische Anfrage geht nur an die Männer. Also das ist noch nicht sehr emanzipiert."

Maria Vogt, Biobäuerin aus Obersdorf bei Wien und Grünenwählerin.

Die Biobäuerin Maria Vogt lehnt die rechte FPÖ strikt ab. Für die „Wolkersdorfer Umweltinitiative – Die Grünen“ saß sie 20 Jahre lang im Gemeinderat. Maria Vogt und ihr Mann Franz haben schon vor dreißig Jahren auf Bio umgestellt. In Obersdorf bei Wien bewirtschaften sie rund zwanzig Hektar. Der Ort hat etwa 2.000 Einwohner und liegt im Speckgürtel von Wien. Außer den Tieren haben sie Getreide, Gemüse, Streuobstwiesen, eine Käserei und Weingärten. Ihre Produkte verkaufen die Vogts direkt auf dem Hof und sie können davon leben. Sie haben unter anderem ostfriesische Milchschafe und einen Schafbock, der die Grünen wählt, macht Maria Vogt einen Witz. Grüne Bäuerinnen und Bauern gäbe es im konservativen Österreich nicht viele, sagt sie. Doch im Speckgürtel von Wien kämen die Menschen eher mit alternativen Ideen in Berührung. Die Jungen von den Höfen gingen oft zum Studieren in die Stadt und viele würden dort bleiben, erzählt Maria Vogt in der großen Wohnküche ihres Bauernhauses. Sie möchte kleine Betriebe erhalten und eine nachhaltige Landwirtschaft, die nicht auf reines Wachstum und billige Masse setzt.

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Ingrid Kraus (li.) vom Bäuerinnenladen in Dobersberg wird die ÖVP wählen. Maria Vogt (re.) wählt die Grünen - eher eine Ausnahme unter den Bäuerinnen, wie sie selbst sagt. Foto: BR | Karin Straka
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