Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Rashid aus Afghanistan, 16 Jahre alt (sein wirklicher Name ist der Redaktion bekannt) wirft der kroatischen Grenzpolizei vor, ihn gefoltert zu haben. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Foltervorwürfe gegen die kroatische Grenzpolizei
„Ich dachte, sie töten mich“

Rashid heißt in Wirklichkeit anders, möchte aber seinen echten Namen nicht öffentlich machen. Aus Angst vor der kroatischen Grenzpolizei, sagt er.

Ich dachte, sie töten mich. Sie haben mich brutal zusammengeschlagen. Ich habe sehr viel geschrien und sie gebeten: ‚bitte lassen Sie mich los, schlagen Sie mich nicht‘, aber sie haben mich so lange geschlagen, bis sie selber müde geworden sind. Ich war danach für ca. halbe Stunde bewusstlos. Ich könnte auch nicht gut sehen, weil sie mich mit Faust auf die Augen geschlagen haben.

Rashid aus Afghanistan, 16 Jahre alt (sein wirklicher Name ist der Redaktion bekannt)

Rashid ist 16 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. Mitte August 2019 ist er mit einer 16-köpfigen Gruppe unterwegs. Ein Schlepper bringt die Gruppe illegal über die serbische Grenze ins EU-Land Kroatien. Kurz nach dem Grenzübertritt wird die Gruppe von der kroatischen Grenzpolizei gestellt.

Sie haben uns brutal zusammengeschlagen. Sie haben mir das Handy kaputt gemacht. Ich hatte bei mir 600 Euro – die haben sie mir abgenommen. Dann haben sie uns zur Polizeistation gebracht. Mich haben sie dort in eine Wasserpfütze gestellt und mir Elektroschocks gegeben und mich danach zwei Stunden in die pralle Sonne gestellt. Sie wollten, dass ich Ihnen den Namen des Schleppers nenne.

Rashid aus Afghanistan, 16 Jahre alt (sein wirklicher Name ist der Redaktion bekannt)

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00

Rashid kann den Namen des Schleppers nicht nennen, andere aus der Gruppe hätten die Verhandlungen mit dem Schlepper geführt, sagt er. Schließlich bringen ihn die kroatischen Grenzpolizisten zur Grenze, schlagen ihn erneut zusammen und schieben ihn illegal nach Serbien ab. Dass er minderjährig ist und damit besonderen Schutz genießt, habe er den vier Polizisten, die ihn geschlagen haben, mehrfach gesagt, erzählt Rashid. Als er in Serbien ankommt, wird er vom Kommissariat für Flüchtlinge und Migration in Empfang genommen. Die staatliche Behörde kümmert sich um die etwa 2.500 Flüchtlinge und Migranten, die in insgesamt 19 Aufnahmeeinrichtungen in Serbien untergebracht sind.  Rashid hat bei seiner Ankunft in Serbien gebrochene Rippen, innere Blutungen und zahlreiche Hämatome.

Der Junge war blutverschmiert, kaputtgeschlagen.

Ivana Anic Curko, Pressesprecherin des serbischen Kommissariats für Flüchtlinge und Migration
Ivana Anic Curko, Pressesprecherin des serbischen Kommissariats für Flüchtlinge und Migration, geht erstmals mit den Vorwürfen der Migranten gegen die kroatische Grenzpolizei an die Öffentlichkeit. Foto: BR | Dejan Stefanovic
Ivana Anic Curko, Pressesprecherin des serbischen Kommissariats für Flüchtlinge und Migration, geht erstmals mit den Vorwürfen der Migranten gegen die kroatische Grenzpolizei an die Öffentlichkeit. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Das Kommissariat für Flüchtlinge und Migration wartet ab, bis auch Ärzte bestätigen, dass Rashids Verletzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit von Schlagstöcken stammen und geht dann an die Öffentlichkeit.  Zum ersten Mal überhaupt, betont Sprecherin Ivana Anic Curko. Auch früher haben Flüchtlinge und Migranten über Gewalt an den Grenzen berichtet, sagt sie.

Doch dieses Mal war es einfach zu viel. Wir wollten das einmal als Institution sagen, die sich letztendlich um diese Menschen kümmert. Weil wir der Ansicht sind, dass es wirklich notwendig ist, solches Vorgehen zu stoppen. Letztendlich wollten wir so etwas nicht verschweigen.

Ivana Anic Curko, Pressesprecherin des serbischen Kommissariats für Flüchtlinge und Migration

Bereits seit fast zwei Jahren erheben Flüchtende und Migranten aber auch NGOS Journalisten und inzwischen auch Behörden der Nachbarländer schwere Vorwürfe gegen die Grenzpolizei des EU-Landes Kroatien: Menschen werde das Recht verweigert, Asyl zu beantragen, man weise sie in Gruppen ohne jegliches Verfahren aus. Viele berichten außerdem, dass kroatische Grenzpolizisten ihnen Gepäck, Geld und Handys abnehmen und sie grundlos schlagen würden.Kroatien weist diese Vorwürfe vehement zurück – die Grenzpolizei handle ausschließlich nach Recht und gesetzt, heißt es immer wieder. Auch zu Rashids Fall erklärt das kroatische Innenministerium in einer Pressemitteilung, dass der Fall dort nicht bekannt sei. Man sei außerdem der Auffassung, dass es sich hierbei um eine weitere „unbegründete und sachlich nicht belegte Anschuldigung gegen die kroatische Polizei handelt, wegen ihrer Ausdauer und Entschlossenheit beim Schutz der Staatsgrenze und der EU-Außengrenze“.

Rashid hingegen bleibt bei seiner Darstellung. Er sagt, dass er sich nicht traue, Kroatien zu verklagen. Zu groß sei die Angst, dass ihn seine mutmaßlichen Peiniger erkennen und finden könnten, sagt er. Eine Botschaft für die Zukunft hat er dennoch.

Ich wünsche mir, dass alles gut wird, und dass sie die Flüchtlinge an der Grenze nicht mehr zusammenschlagen. Ich möchte gerne nach Deutschland gehen und dort Asyl beantragen. Deutschland ist ein besseres Land.

Rashid aus Afghanistan, 16 Jahre alt (sein wirklicher Name ist der Redaktion bekannt)
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.