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Lorea Schaffar wird zu Hause unterrichtet - die vier Katzen der Familie sind beim Lernen mit dabei. Foto: BR | Vera Gasber

Ein Relikt aus der Monarchie
Homeschooling in Österreich

Mit Tablet im Bett lernen statt Frontalunterricht in der Schule? Selbst entscheiden können, wann man Geschichte lernt und wann Mathe? Ins Fitnessstudio statt Sportunterricht? Alles möglich in Österreich. Beim sogenannten Homeschooling gehen Kinder nicht in eine reguläre Schule, sondern lernen selbstständig von zu Hause aus. Ein Relikt aus der Monarchie macht das möglich: nämlich § 11 im Schulpflichtgesetz. Darin steht, dass die Kinder im häuslichen Unterricht lernen dürfen, sofern der dem Schulunterricht gleichwertig ist. Der Nachweis muss über eine externe Prüfung an einer Schule erfolgen. Immerhin 2.000 Kinder nutzen diese Möglichkeit – in Relation sind das gerade mal 0,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Österreichs. Ein Besuch bei einer Familie.

Ein Besuch bei Familie Schaffar

Familie Schaffar sitzt gemeinsam am Küchentisch: Mutter Andrea und Vater Robert mit den Töchtern Lorea und Kaja. Die vier planen das kommende Schuljahr durch. Mit Hilfe von Tablet, Kalendern und Notizzetteln werden – sowohl online und als auch analog – Termine koordiniert und abgesprochen. Die Eltern arbeiten selbstständig von zu Hause aus. Ähnlich wie Kaja und Lorea: sie können selbst entscheiden, wann sie welches Fach lernen. Lorea möchte mit Mathe anfangen und mit Geschichte aufhören: „Ich hab mir gedacht, dass ich Geschichte als letztes nehme. Weil wir dann über das Schuljahr Dokus anschauen und ich dann schon eine Idee hab‘ und dann müssen wir am Ende einfach nur noch alles wiederholen.“ Mittlerweile besuchen die Mädchen quasi die siebte und neunte Schulstufe.

 

Kaja und Lorea lernen bereits seit zwei Jahren autark von zu Hause aus. Das funktioniere besser als das Lernen in der Schule. Zum einen seien die Schulnoten laut Eltern besser und die Kinder entspannter. Zurück an eine Schule wollen beide Mädchen nicht mehr. Die  11-jährige Lorea hat sich dort nie wohlgefühlt: „Ich war einfach gestresst und nervös. Und sehr ängstlich eigentlich auch.“ Auch Kaja fühlt sich zu Hause besser aufgehoben. Hier könne ihr Vater in ihren Lieblingsfächern Physik und Mathe besser im Einzelunterricht auf sie eingehen. Später will die 14-Jährige Teilchenphysikerin werden.

Hier sitzt Familie Schaffar zusammen und bespricht den jährlichen Lehrplan. Foto: BR | Vera Gasber
Hier sitzt Familie Schaffar zusammen und bespricht den jährlichen Lehrplan. Foto: BR | Vera Gasber

Wie alles begann

Beide Mädchen haben zuerst staatliche Schulen besucht. Ihre Eltern arbeiteten auch damals schon selbstständig. Eines Tages fragten die Kinder, warum die Eltern sich ihre Zeit selbst einteilen könnten und sie ihre Zeit in der Schule absitzen müssten. Nach langer Diskussion innerhalb der Familie und reifer Überlegung haben Robert und Andrea sich entschieden: „Irgendwann sind uns dann einfach die Argumente ausgegangen und dann haben wir sie von der Schule abgemeldet.“

Vorurteile halten sich hartnäckig

Viele Bekannte und Freunde hätten Robert und Andrea darauf angesprochen, dass sie extrem mutig seien, ihre Kinder von zu Hause aus zu unterrichten und, dass die Kinder weniger Sozialleben hätten. Doch aufs Jahr gesehen habe die Familie weniger Stress als zuvor. Die Mädchen genießen es laut eigener Aussage, nur dann unter Menschen zu gehen, wenn sie es wollen und nicht, wenn sie müssen. Mutter Andrea dazu: „Die Schule ist ein Zwangsraum. 25 Kinder in einem Raum.“  Und eine Lehrerin sei auf Andrea zugekommen und hätte gemeint: “Sie wissen gar nicht, was sie den Kindern ersparen.“

Positive Seiten überwiegen bei Familie Schaffar

Anfangs waren die vier sehr skeptisch, ob ihnen nicht die Decke auf den Kopf fallen würde. Mutter Andrea hatte Zweifel: „Das war ja schon so eine Sache: wie wird denn das, wenn wir plötzlich aufeinander picken. Denn wir haben uns ja sonst nicht so viel gesehen. Und das war dann aber eigentlich fast überraschend.“

 

Auch rundherum hat sich viel verändert für Familie Schaffar: Sie haben die Wohnung umgestellt. Klassische Trennungen von Schlaf- und Wohnzimmer gibt es in der Wohnung nicht mehr. Jedes Zimmer hat eine Schlafgelegenheit und einen Lern- und Arbeitsplatz. Außerdem haben sie mittlerweile vier statt nur zwei Katzen. Andrea: „Jetzt ist ja immer jemand zu Hause, der sich um die Katzen kümmern kann.“ Die Familie an sich sei nun enger zusammengewachsen. Das Familienprojekt Homeschooling ist für Familie Schaffar geglückt.

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Homeschooling in Österreich

Video: Vera Gasber | Eva Frisch

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