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Mane (17) brennt im Südosten Nordmazedoniens Kalk. Als Brennstoff dienen ihm alte LKW-Reifen. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Kalkbrenner in Nordmazedonien
Burning Men

Die Lufttemperatur von 36 Grad wirkt angenehm kühl, wenn man neben Manes Kalksteinofen steht. Das Gesicht des 17-Jährigen ist rußgeschwärzt, seine Zähne blitzen weiß auf, jedes Mal, wenn er lächelt. Mane schiebt zusammen mit seinem 35-jährigen Nachbar Zoran gerade eine 48-Stunden Schicht. Weil die Arbeit so anstrengend ist, wechseln sich die beiden alle zwei Stunden ab, auch nachts. Ihr Schlaflager sind zwei abgewetzte Matratzen, die sich windgeschützt zwischen Büschen und Sträuchern des abgelegenen Hügels verstecken.

Um die notwendige Hitze von über 1.000 Grad zu erreichen, verbrennen die beiden LKW-Reifen. Dichter schwarzer Rauch steigt jedes Mal auf, wenn sie einen neuen Reifen in den Ofen schieben. Die Rauchsäulen sind in der Gegend um das südostmazedonische Städtchen Kosturino kilometerweit zu sehen. Reifen brennen schneller und heißer als Holz und sind außerdem günstiger – Mane und Zoran kaufen sie beim Schrotthändler für umgerechnet 1,30 € das Stück. Die Reifen erhitzen Steine, die Mane und Zoran in der Umgebung ausgegraben haben. Sechs Traktorladungen Steine und 200 Reifen braucht es pro Brennvorgang, und nach 48 Stunden haben sich die Steine in schneeweißen Kalk verwandelt. Einen uralten Baustoff, der zum Beispiel dem Putz von Häuserwänden beigemischt wird.

Mane und Zoran atmen den beißenden Reifenrauch tagelang ungeschützt ein. Die Belastung ist enorm. Unser Messgerät zeigt 999 Mikrogram Feinstaub (PM 2,5) an. Der europaweite Grenzwert liegt bei 25. Die beiden Männer winken ab. Der Rauch störe sie nicht, und ungesund sei das auch nicht. Mane sagt, dass sein Großvater als Kalkbrenner ebenfalls Reifen verbrannt hat und 85 Jahre alt geworden ist. Von Umweltverschmutzung wollen die beiden auch nichts wissen – es habe sich schließlich noch nie jemand beschwert.

Die Behörden sehen das anders. Mane und Zoran müssen 300 € Strafe zahlen, wenn sie erwischt werden. Doch das nehmen sie in Kauf. Denn Kontrollen sind selten und pro Brennvorgang verdienen sie rund 400 € –  das entspricht etwa dem durchschnittlichen Monatslohn in Nordmazedonien.

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Video: Schaban Bajrami

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