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Die Schauspielerin Christiane Hörbiger mit dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz beim Sommerfest des Bundeskanzlers im Wiener Palais Schönburg (20. 06. 2018). Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

SPÖ-Chefin reagiert gelassen auf 'Wut'-Video von Christiane Hörbiger
Österreichisches Sommertheater

Es war ein sonntäglicher Social-Media-Besuch der großen, alten Dame der österreichischen Bühne, der wie ein plötzlicher Theaterdonner das Ende der sommerlichen Vorwahlkampf-Zeit markierte: Christiane Hörbiger echauffierte sich in einem knapp einminütigen Video über die sozialdemokratische Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Die ÖVP hatte die in „ihrem Garten“ aufgenommene Philippika der renommierten Schauspielerin in der Serie „Wir für Kurz“ verbreitet. Frau Rendi-Wagner habe es doch in den bewegten Maitagen nach den Ibiza-Enthüllungen gewagt, den damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz – und dessen restliche Minderheitsregierung – durch den Misstrauensantrag im Nationalrat aus dem Amt zu befördern. „Völlig verblödet“ sei dieser Antrag gewesen, schimpfte die 80jährige Schauspielerin. Dabei „waren wir doch froh und glücklich,“ dass Kurz Kanzler geworden sei. Die so gescholtene SPÖ-Chefin retournierte gelassen: Es sei immer das „Wichtigste, miteinander zu reden“ und daher würde sie sich über ein persönliches Gespräch freuen, „damit sie mich als Mensch und meine Ideen besser kennenlernen.“

 

Am Montag dann, auf Nachfrage der österreichischen Nachrichtenagentur APA, teilte Christiane Hörbiger per SMS mit, sie nehme „derzeit keine Termine wahr“, da sie sich aufgrund eines Unfalls „seit kurzem in ärztlicher Behandlung befinde“. Im Übrigen habe sie ja ihre Meinung zum Misstrauensantrag gegen Sebastian Kurz gesagt – und werde auch keine Fragen oder Anrufe „oder sonstige Termine“ wahrnehmen. Die habilitierte Medizinerin Rendi-Wagner, seit November 2017 Nachfolgerin von Ex-SPÖ-Chef Christian Kern, erwiderte das, was man von guten Ärztinnen und Ärzten in solchen Fällen erwartet: „Ich wünsche Christiane Hörbiger eine rasche und gute Besserung.“ Und wenn es der Schauspielerin gesundheitlich wieder besser gehe, dann freue sie sich, „wenn unser Gespräch zustande kommt.“

 

 

Von einem „Wut“-Video sprach das einflussreiche österreichische Boulevard und auch der „Kurier“ übernahm die – vielleicht ein wenig zu bedeutungsschwangere – Formulierung. Denn worum geht es? Die zwischenzeitlich ins Stocken geratene Medienkampagne der ÖVP und ihres Spitzenkandidaten, Ex-Kanzler Sebastian Kurz, sucht durch Unterstützer-Videos in den Sozialen Netzwerken zu emotionalisieren. Wie schade es doch sei, dass Kurz nicht mehr Regierungschef sei und nur wegen der Sozialdemokraten müsse die Wahlbevölkerung am 29. September 2019 an die Urnen gehen. Dass SPÖ und FPÖ, zusammen mit der Partei Jetzt, gemeinsam vor drei Monaten für den Misstrauensantrag votiert hatten – davon war im Video der Grande Dame des österreichischen Theaters nicht die Rede. Den alten und potentiell künftigen Koalitionspartner, die FPÖ, möchten die Wahlkampf-Experten des Ex-Kanzlers jetzt lieber nicht gleich ins Visier nehmen.

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