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Die Nationale Kunstgalerie in Tirana wurde 1974 eröffnet und ist das größte Kunstmuseum Albaniens. Foto: BR | Astrit Ibro

Kritik an der albanischen Nationalgalerie der Künste
Der Zombie und das schwarze Loch

Wir Künstler sind wie Zombies. Wir leben und gleichzeitig sind wir tot.

Der Maler Gazmend Leka (geb. 1953) lebt und arbeitet in Tirana und unterrichtet an der Universität der Künste

Während der kommunistischen Diktatur von Enver Hoxha war die offizielle Kunst in Albanien ein Mittel der Propaganda. Künstlerinnen und Künstler galten als Soldaten der Seele, die an der Kulturfront für den Sozialismus kämpften. Enver Hoxha starb 1985. Im Jahr 1990 brach das Regime zusammen. Nach vierzig Jahren Isolation ist Albanien heute EU Beitrittskandidat und unter anderem Mitglied in der NATO, den Vereinten Nationen und dem Europarat. Doch der Übergang bleibt schwierig und Albanien hat mit Drogenanbau, massiver Korruption und Demokratiedefiziten zu kämpfen. So hat das Land seit mehr als einem Jahr kein beschlussfähiges Verfassungsgericht mehr, da Richter wegen Korruptionsverdacht aufhörten. Die sozialistische Regierung von Edi Rama und die Opposition stecken zudem in einer tiefen innenpolitischen Krise. Auch als Politiker ist Edi Rama aktiver Künstler geblieben, der im In- und Ausland ausstellt. Trotzdem: Die albanische Kunst muss keiner offiziellen politischen Ideologie mehr folgen.

Massaker an der Kunst?

Zeitgenössische Kunst. In der Nationalgalerie der Künste in Tirana hängt sie gar nicht oder zu selten, findet der Künstler Gazmend Leka, der auch an der Universität der Künste in Tirana unterrichtet.

Ich bezeichne dies als nationales Verbrechen, weil man Albanern und Ausländern die Möglichkeit nimmt, zu sehen, was in den letzten Jahren im Bereich der Kunst und Kultur geschehen ist. Dort (Anm. Nationalgalerie) herrscht eine Stimmung, die alles abwürgt, eine Wüste. Ich habe darüber eine Reihe von Artikeln geschrieben, in denen ich Kulturministerium, den Direktor der Kunstgalerie und die Kunstgalerie selbst für dieses große Massaker verantwortlich mache, dass sie an der Kunst verübt haben.

Gazmend Leka

Dabei seien die Künstlerinnen und Künstler äußerst produktiv, betont der 65-Jährige (www.gazmendleka.com).

Künstler in Albanien vergleicht er im ARD Gespräch deswegen mit Zombies, die leben und gleichzeitig tot seien.

Die letzten knapp 30 Jahre seit dem Ende des Kommunismus sieht er als schwarzes Loch. Werke für die Nationalgalerie der Künste gäbe es seiner Ansicht nach genug. Enkelejd Zonja, Adrian Paci, Lumturi Blloshmi, Anri Sala und viele andere sind im In- und Ausland äußerst aktiv.

Die Nationalgalerie existiert meiner Meinung nach nicht. Denn sie müsste eine gewisse Auswahl an Kunst über die Jahre hinweg zeigen. Leider hört sie mit dem Nationalen Befreiungskampf und dem Sozialistischen Realismus auf.

Gazmend Leka

Umgerechnet rund 40.000 Euro Jahresbudget

Ein paar Eckdaten. Die Nationalgalerie der Künste wurde 1946 gegründet und besteht in ihrer heutigen Form seit 1974. Sie besitzt rund 5000 Werke von etwa 600 Künstlerinnen und Künstlern und hat das schmale Jahresbudget von umgerechnet rund 40.000 Euro. Ein Gremium entscheidet über neue Ankäufe. Neuer Direktor der Nationalgalerie der Künste in Tirana ist Erzen Shkololli aus dem Kosovo. Dieser wolle einen Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst legen, erzählt der ehemalige Kurator des Museums Ylli Drishti. Der ARD wollte der Direktor auf Anfrage dazu kein Interview geben. Im Museum gibt es nicht nur Kunst des Sozialistischen Realismus, betont Ylli Drishti, sondern auch Werke aus dem 19. und den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts. Darunter Werke von Kolë Idromeno (1860 – 1939) aus Shkodra, der zu den einflussreichsten Künstlern des Landes gezählt wird, Spiro Xega (1861-1953) oder Zef Kolombi (1907-1949).  Hinter dem Gebäude gammeln unterdessen ausrangierte Lenin oder Hoxha Statuen vor sich hin. Vor dem Museum hingegen steht „die Wolke“. Eine weiße, geometrische und begehbare Gitterinstallation des japanischen Architekten Sou Fujimoto.

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Der albanische Künstler Gazmend Leka mit einem seiner Gemälde. Foto: BR | Astrit Ibro
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