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Der 78-jährige Dimitar Dinkov aus Krushare in Bulgarien trauert um seine 9 Schweine, die er mitten im Sommer wegen der Schweinepest schlachten musste. Foto: BR | Ekaterina Popova

Schweinepest: Bulgarische Bauern wehren sich gegen Massentötungen
„Ich könnte weinen“

Bulgarien kämpft gegen die afrikanische Schweinepest. Die Krankheit ist für die Tiere tödlich und dazu noch sehr ansteckend. Menschen können sich nicht anstecken. Ein Ausbruch der Schweinpest hat aber das Potenzial, die Fleischindustrie empfindlich zu treffen. Deshalb werden nach wenigen registrierten Krankheitsfällen standardmäßig auch alle gesunden Tiere getötet, die mit infizierten Artgenossen theoretisch Kontakt hätten haben können.

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In einigen bulgarischen Mastbetrieben sind schon zehntausende Schweine getötet worden. Jetzt geht es den Tieren an den Kragen, die in Schutzzonen im Umkreis von 20 Kilometern um die Fleischfabriken von Kleinbauern in Hinterhöfen gehalten werden. Für die Kleinbauern eine Katastrophe. Während für die Entschädigung der Großbetriebe 11 Millionen Euro an EU Geldern aus Brüssel erwartet werden, gelten für die Kleinbauern andere Regeln. Wer seine Schweine selbst notschlachtet, bekommt vom Staat 150€. Pro Hof und nicht pro Schwein. Wenn die Behörden ausrücken müssen, um die Schweine zu töten, oder wenn die Tiere bei den Behörden nicht registriert sind, gibt es gar kein Geld.

Oh, was soll ich denn erzählen, ich könnte weinen. Wir sind doch lebende Menschen und müssen essen. Kann man mit einer Rente von 100 Euro leben? Die Not zwingt mich, Schweine zu züchten. Es ist ganz einfach. Die Not.

Der 78-jährige Landwirt Dimitar Dinkow hat alle seine 9 Schweine verloren.

Dimitar Dinkow und andere Kleinbauern aus dem Dorf Kruschare in Südostbulgarien haben zwei Wochen lang die Zufahrtsstraße zum Ort besetzt, um Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde daran zu hindern, weitere Schweine vorsorglich zu töten. Inzwischen ist die Blockade von der Polizei aufgelöst worden. Die Demonstranten haben aber weitere Proteste angekündigt, denn sie sehen nicht ein, warum ihre gesunden Tiere sterben müssen.

'Die bulgarischen Behörden erklären ihre unangemessenen Maßnahmen gegen die Schweinepest mit den EU-Richtlinien, was die Bulgaren gegen die EU stimmt. Keiner von uns will einen Bulexit, aber die Entscheidungen der bulgarischen Regierung bewegen die Situation in diese Richtung!', empört sich die Bürgeraktivistin Walentina Wassilewa. Foto: BR | Camelia Ivanova
'Die bulgarischen Behörden erklären ihre unangemessenen Maßnahmen gegen die Schweinepest mit den EU-Richtlinien, was die Bulgaren gegen die EU stimmt. Keiner von uns will einen Bulexit, aber die Entscheidungen der bulgarischen Regierung bewegen die Situation in diese Richtung!', empört sich die Bürgeraktivistin Walentina Wassilewa. Foto: BR | Camelia Ivanova

Aktivistin Walentina Wassilewa unterstützt die Kleinbauern bei ihren Protesten. Sie macht der bulgarischen Regierung den Vorwurf, zu spät reagiert und die Population der Wildschweine nicht rechtzeitig reduziert zu haben. Die vorsorglichen Tötungen hält sie für gefährlichen Aktionismus.

Wir finden Säcke mit verrottenden Abfällen - Därmen, Ohren, manchmal Köpfen. Tiere im Sommer zu schlachten ist verrückt! Die Temperatur liegt zwischen 35 und 40 Grad. Das Fleisch verdirbt schon beim Zerlegen. Die Menschen können es nicht weiter verarbeiten und stecken die Innereien, Füße und Ohren der Schweine in Säcke. Sie dürfen sie nicht in die Mülleimer des Dorfes werfen und müssen einen anderen Weg finden, sie irgendwo zu entsorgen. Aus unserer Sicht ist das völlig verantwortungslos. Die bulgarische Regierung trifft Entscheidungen, die nicht nur die nationale Sicherheit, die Gesundheit und das Leben der Menschen gefährden, sondern auch die Sicherheit Europas.

Bürgeraktivistin Walentina Wassilewa

Und noch etwas findet Aktivistin Walentina Wassilewa gefährlich. Aus ihrer Sicht verstecke sich die bulgarische Regierung hinter EU-Regeln und Vorschriften und schiebe damit die Verantwortung für die unpopulären Maßnahmen Brüssel zu.

Wenn der Ministerpräsident oder die Landwirtschaftsministerin erkläen, dass Brüssel dies oder jenes verordnet hat oder dass dies in den EU-Richtlinien steht, geben die Menschen natürlich der EU die Schuld für diese Entscheidungen. Dementsprechend beginnt ihre Haltung sich zu ändern. In Bulgarien wollen wir alle nicht, dass es zum Brexit oder Bulexit kommt. Mit ihren Äußerungen treibt die bulgarische Regierung die Dinge in diese Richtung.

Bürgeraktivistin Walentina Wassilewa
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Kommentare (1)

Rushiza Filtscheva am

Eine kleine Anmerkung möchte ich hinzufügen: Es gibt gar keine Schweinepest in Bulgarien, genau so wie vor einem Jahr gar keine Schafs- und Ziegenpest gewesen war. Alles war (und ist) nur ein Vorwand der Regierung und der staatlichen Institutionen, um den ehrlichen, kleinen Bauern das Leben unmöglich zu machen. Die Lüge wiederholt sich einfach.

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