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Wirbel um Werbung mit homosexuellen Paaren, Orbans Ungarn vs. Coca-Cola Foto: BR | Edit Inotai

Wirbel um Werbung mit homosexuellen Paaren
Orbans Ungarn vs. Coca-Cola

Homosexualität? Ja, Ok, wenn es sein muss, aber bitte nur in den eigenen vier Wänden. Das ist ungefähr die Position der Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban. Seine rechtsnationale Regierung propagiert ein traditionelles Familienbild. Die Ehe für alle oder das Adoptionsrecht für Schwule lehnt sie vehement ab. „Ein Apfel kann nicht darum bitten, Birne genannt zu werden“, sagte Viktor Orban 2016 in einem der seltenen Interviews zum Thema.

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Entsprechend sind auch die Reaktionen in konservativen und rechten Kreisen des Landes auf die aktuelle Werbekampagne des Getränkeriesen Coca-Cola. Anlässlich des großen Musikfestivals „Sziget“ hat das US-Unternehmen jetzt auch in Ungarn seine „Love is Love“-Kampagne gestartet. Die Kampagne hat mehrere Motive. Auf den Plakaten, die vielerorts hängen, sind unter anderem auch zwei Männer zu sehen, die sich umarmen und Frauen, die sich beinahe küssen. Unter den Plakaten steht der Slogan: „Kein Zucker, keine Vorurteile“.
Das sei „homosexuelle Superpropaganda“ sagte der Chefredakteur einer regierungsnahen Zeitung im ungarischen Fernsehen und ein „wirksames Werkzeug für den Selbstmord der weißen, europäischen Zivilisation“. Istvan Boldog, Parlamentsabgeordneter und stellvertretender Sprecher der Fidesz-Partei rief dazu auf, die Plakate abzuhängen und Coca-Cola zu boykottieren. Begründung: Wenn die ungarische Gesellschaft die Kampagne akzeptiere, werden sich weitere Schritte nicht mehr aufhalten lassen: Poster, Werbespots, Filme und Regenbogenprodukte. Vermummte Jugendliche sind in Facebookvideos zu sehen, wie sie die Coca-Cola-Plakate zerstören oder mit Schmähungen beschmieren. Rechtsradikale protestieren vor dem ungarischen Sitz des Unternehmens und fragen auf Transparenten: “Was kommt noch? Pädophilie?“
Für Tamas Dombos von der NGO Hatter, die sich für die Rechte der LGBT-Community in Ungarn einsetzt, haben solche Reaktionen das Potenzial, eine Stimmung der Angst zu schaffen:
„Das rechte Spektrum der Politik und der Presse hat sehr ablehnend reagiert. Viele, die zum Beispiel bei staatlichen Firmen oder in Regierungskreisen arbeiten, können das aus so verstehen, dass im Fall eines Coming-Outs sie ihre Arbeit verlieren, falls sie ein Coming-Out wagen.“
Die Coca-Cola-Kampagne bewertet Aktivist Dombos positiv. Das Unternehmen sei zwar in erster Linie daran interessiert Profit zu generieren, die Kampagne helfe aber dabei, Homosexuelle in Ungarn sichtbar zu machen: „Forschungen zeigen, dass die Mehrheit die eigene sexuelle Identität und Orientierung vor Diskriminierung und Vorurteilen schützt. Das heißt, die Menschen verstecken sich: Vor der eigenen Familie, vor Kollegen, vor Freunden. So eine Kampagne könnte Einfluss darauf haben, dass die Menschen, die sie sehen, sich für ein Coming-Out entscheiden“.
Coca-Cola Ungarn stand für ein Interview mit dem ARD-Studio Südosteuropa nicht zur Verfügung. In einer schriftlichen Stellungnahme schrieb das Unternehmen jedoch, es vertrete den Standpunkt, dass Menschenrechte zu achten und alle Menschen gleich seien, unabhängig von Nationalität. Religion, Geschlecht und Ähnlichem. In diesem Sinne sei auch die Kampagne zu verstehen.
Die Fidesz-Partei hat inzwischen Boykottaufrufen für Coca-Cola eine Absage erteilt. Ungarn sei ein freies Land und jeder könne frei entscheiden, ob er Coca-Cola trinken möchte oder nicht, ließ die Partei sich in ungarischen Medien zitieren.

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