Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Die FPÖ-Expertenkommission mit Andreas Mölzer, Christian Hafenecker und Wilhelm Brauneder (v.l.) bei der Präsentation der ersten Zusammenfassung des Berichtes der FPÖ-Historikerkommission am Montag, 05. August 2019 in Wien. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

FPÖ veröffentlicht erste Zusammenfassung
Historikerbericht stößt auf Kritik

Nachdem im Februar 2018 Nazitexte in Liederbüchern einer FPÖ nahestehenden Burschenschaft aufgetaucht waren, haben die Freiheitlichen angekündigt, die eigene Vergangenheit wissenschaftlich aufzuarbeiten. Nun wurden erste Teile des sogenannten Historikerberichts vorgestellt. Das Fazit: die FPÖ ist „wie jede andere Partei“. Der Vorsitzende der Kommission: ein ehemaliger FPÖ-Abgeordneter.

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Die Historikerkommission, die die Vergangenheit der FPÖ bzw. des Dritten Lagers aufarbeitet, wird vom früheren FPÖ-Politiker Wilhelm Brauneder geleitet. Foto: Archiv, 2014 - picture alliance | APA | picturedesk.com
0:00 | 0:00

Experten kritisieren den Bericht. Wir haben nachgefragt bei Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus.

Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus. Foto: Privatarchiv Natascha Strobl
Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus. Foto: Privatarchiv Natascha Strobl

Frau Strobl, wenn Sie sich die Zusammenfassung der FPÖ-Historikerstudie anschauen – wurden alle Aspekte berücksichtigt?

"Es wird sehr viel ausgelassen. Es wird sich überhaupt nicht kritisch mit einer ideologischen Kontinuität der FPÖ auseinandergesetzt. Es wird sich überhaupt nicht auseinandergesetzt wo die FPÖ im aktuellen Rechtsextremismus steht, welche Gruppierungen andocken an der FPÖ, warum die FPÖ so attraktiv für den außerparlamentarischen Rechtsextremismus ist. Es wird auch überhaupt sehr unkritisch vorgegangen: Eine SS-Mitgliedschaft wird auf einmal als unbedeutend abgetan. Es findet keinerlei Differenzierung statt. Im Gegenteil: Es werden Pauschalurteile gefällt. Es kommt zu einer Reinwaschung und ausgeblendet wird einfach jede aktuelle Forschung zu dem Thema, egal ob im deutschsprachigen oder im angloamerikanischen Raum. Und in dieser Forschung wird die FPÖ natürlich als rechtsextrem, als extreme Rechte, als „far right party“ gesehen."

Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus

Besonders folgendes Zitat lässt aufhorchen: „weder VdU (Anm. d. Red.: Verband der Unabhängigen) noch FPÖ waren formell Nachfolgeorganisationen der NSDAP. Und sie strebten auch nicht (…) politisch die Wiedererrichtung eines nationalsozialistischen Regimes an.“ Was bedeutet das konkret?

"Dieses Zitat besagt, dass die FPÖ nicht unter das Verbotsgesetz fällt. Wiedererrichten eines nationalsozialistischen Regimes und formell die Nachfolgeorganisation der NSDAP zu sein, sind in Österreich mit dem Verbotsgesetz untersagt. Und wenn das die Linie ist, die die FPÖ zieht, dass sie eben gerade nicht unter das Verbotsgesetz fällt, dass sie nicht ein faschistisches Regime wiedererrichten will, dann ist das ein ziemlich geringer Anspruch, den man da an sich selbst hat. Nur, weil die FPÖ nicht unter das Verbotsgesetz fällt, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht rechtsextreme Kontinuitäten und rechtsextreme Ideologieversatzstücke hat."

Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus

Wie bewerten Sie das Anliegen, im Historikerbericht auch die Beziehung „FPÖ – Antisemitismus“ zu beleuchten und dafür israelitische Historiker einzubinden?

"Das ist ein sehr interessantes Anliegen, aber natürlich kommt es darauf an, welche HistorikerInnen da eingebunden wurden, welche Methodik bemüht wird, welche Definition von Antisemitismus man nimmt und auf welchen Forschungsstand man sich beruft, in welche Forschungstradition man sich stellt. Das wird alles nicht erklärt. Dementsprechend ist es auch sehr schwer zu beurteilen, ob da ein ehrliches Ansinnen dahinterliegt, oder ob das - wie der Rest der Zusammenfassung es vermuten lässt - doch wieder nur zur Reinwaschung der FPÖ dient."

Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus

Die Begründung keine „tagespolitischen“ Geschehnisse in die historische Studie reinfließen lassen zu wollen, klingt erst einmal plausibel. Wie sehen Sie das?

"Das hängt davon ab, was man unter Tagespolitik versteht, denn die vielen „Einzelfälle“, die ja seit Jahren gesammelt wurden, sind sehr wohl Tagespolitik. Die finden aber sehr wohl Einklang in der Studie, indem Einzelfälle ab 2017 – das ist ja sehr aktuell – behandelt werden. Dass in diesen sogenannten Einzelfällen aber hochrangige FPÖ-Politiker verwickelt sind, mit Kontakten zu den Identitären, mit den Aussagen, dass man Flüchtlinge konzentrieren möchte, findet keinerlei Erwähnung. Und eine kritische Auseinandersetzung, die den Namen auch verdient, muss das sehr wohl behandeln. Ob das dann unter "Tagespolitik" fällt oder nicht ist einerlei, denn es sind symptomatische Meinungsäußerungen aus dem Umfeld der FPÖ. Und wenn diese nicht aufgearbeitet werden – und so schaut es nicht aus - dann ist der ganze Bericht eigentlich unnötig, weil dann war niemandem, der diesen Bericht in Auftrag gegeben hat, an einer wirklich kritischen Auseinandersetzung gelegen."

Natascha Strobl, Expertin für Rechtsextremismus
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.