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Rohre für Wasserleitungen des Wasserwerks „Vodovod“ in der Nähe von Rasce. Sie sollen umliegende Dörfer mit Wasser versorgen. Laut Dorfbewohnern tut sich seit Jahren nichts. Viel sei inzwischen auch gestohlen worden. Foto: BR | Schaban Bajrami

Auf dem Trockenen
Wassermangel in Nordmazedonien

Wir sorgen uns vor allem um die ländlichen Gebiete. Dort haben nur 27 Prozent der Menschen sauberes Wasser und gute hygienische Verhältnisse.

Natascha Dokovska, Wasser- und Hygieneexpertin bei der Nichtregierungsorganisation „Journalisten für Menschenrechte“ in Skopje

Temperaturen über 40 Grad Celsius sind auf dem Balkan im Sommer keine Seltenheit und auch in Nordmazedonien kann es sehr heiß werden. Dann bereitet die schlechte Wasserversorgung noch mehr Probleme als sonst. In größeren Städten haben fast alle sauberes und ausreichend Wasser. Von den Problemen sind vor allem die Menschen auf den Dörfern betroffen. In mehreren Dörfern und Gemeinden um Skopje zeigte es sich vor rund vier Wochen wieder. Bewohner der Dörfer Bukoviq/Bukovikj, Bojane, Rasce oder Kopanica hatten zu wenig oder über Tage hinweg gar kein Wasser. In Rasce steht zwar ein großer Wasserspeicher der umliegende Dörfer versorgen soll, doch wenn die Menschen dort den Wasserhahn aufdrehten kam: nichts. Kein Wasser zum Kochen, im Bad, auf der Toilette, zum Gießen im Garten oder auf den Feldern. Bauern und Kleingärtner machen sich Sorgen um ihre Ernte. Und es fließt dann auch kein Wasser in Kindergärten oder Schulen in Bukoviq/Bukovikj. Ärzte befürchten Krankheiten und Hygieneprobleme. Auch in der kleinen Landambulanz in Bukoviq/Bukovikj fehlt Wasser.

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Material: Schaban Bajrami

Video: Vera Gasber

Alte Wasserleitungen ohne Druck

Die Gründe für den Wassermangel sind vielfältig. Die Infrastruktur in Nordmazedonien ist schlecht. Kläranlagen arbeiten unzureichend und es gibt keine- oder nur hoffnungslos veraltete Wasserleitungen, durch die viel zu wenig Wasser in die Haushalte fließt. In den letzten Jahrzehnten wurden zwar viele Gemeinden an das öffentliche Wassersystem angeschlossen, doch es gibt weiter Probleme. Es fehlen Wasserspeicher, die Pumpensysteme sind nicht gut und beim Vergeben öffentlicher Aufträge kommt es immer wieder zu Korruptionsverdacht und Pfusch am Leitungsbau. Viele Dörfer haben auch weit mehr Einwohner als früher, ihr Wasserbedarf ist enorm gestiegen, während sich bei der Wasserversorgung nicht viel tat. In Folge werden öffentliche Wasserleitungen oft angezapft, ohne dafür zu zahlen und auf dem Land haben noch nicht alle Haushalte Wasserzähler. Immer wieder bauen Gemeinden auf eigene Kosten Pumpen und Wasserspeicher, so wie das Dorf Bukoviq/Bukovikj rund 30 Kilometer westlich von Skopje, wo rund 550 Häuser stehen. Doch die daraus entstehenden Energiekosten verursachten rund 100 000 Euro Schulden. Die Stadt Skopje übernahm die Schulden und schloss das Dorf an das öffentliche Leitungssystem an. Trotzdem haben die Bewohner keinen zuverlässigen Zugang zu Wasser.

Die Lage ist schlimm. (….) Vormittags haben wir manchmal Wasser und manchmal kurz am Nachmittag Das Wasser fließt und dann wieder nicht. Jetzt haben wir keins.

Zeqir Ferati, 71, Obst- und Gemüsehändler aus dem Dorf Bojane. Auch im Winter gäbe es oft kein Wasser, erzählt er.
Obst- und Gemüsehändler Zeqir Ferati aus Bojane. Foto: BR | Schaban Bajrami
Obst- und Gemüsehändler Zeqir Ferati aus Bojane. Foto: BR | Schaban Bajrami

Der Bürgermeister von Skopje Petre Schilegov führt noch einen weiteren Grund an. „In Kopanica soll die Wasserleitung für Bukoviq/Bukovikj abgehen, doch zweimal sind die Pumpsysteme gestohlen worden. Das haben wir der Polizei gemeldet und nun wird es stärker bewacht. Nun wird ein neues Pumpsystem installiert damit Bukoviq/Bukovikj Wasser bekommt.“

 

Das Institut für öffentliche Gesundheit in Skopje kontrolliert die Wasserqualität und nimmt auch auf den Dörfern Proben, die dann untersucht werden. Fast 85 Prozent der Bevölkerung bezieht Wasser, das für die Gesundheit unbedenklich ist, so Professorin Gordana Ristovska. Ein Teil der Dorfbewohner würde an lokalen Wasserleitungen hängen und bekämen ihr Wasser nicht von der öffentlichen staatlichen Wasserversorgung. Hier gäbe es ein Qualitätsproblem. Rund 4,5 Prozent der Menschen würden ihr Wasser direkt aus Brunnen oder Quellen vor Ort holen.

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Kommentare (2)

Aleksandar Treti am

Bitte um Korrektur, BUKOVIKJ (oder auch Bukovik) ist die richtige Schreibweise des Dorfes.

Danke.

    ARD Studio Wien am

    Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die mazedonische Schreibweise hinzugefügt.

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