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Jeden Nachmittag seit Mitte Juni 2019 eskortiert die bosnische Polizei männliche Flüchtlinge und Migranten vom Stadtzentrum Bihac zum neuen Flüchtlingslager Vucjak, auf dem Gelände der ehemaligen städtischen Mülldeponie. BR | Clemens Verenkotte

Stimmungswandel im Nordwesten Bosnien-Herzegowinas
Bihac und die Flüchtlinge

Seit einem Jahr würden Bihac und der Kanton Una Sana im Stich gelassen, alle Appelle an die staatlichen Stellen in Sarajevo, an die Europäische Union hätten nichts genützt, sagt uns Edin Morankic, der Sprecher des Bürgermeisters von Bihac. Rund 5.000 Flüchtlinge und Migranten befinden sich seinen Angaben zufolge in der Region und versuchen, vom Nordwesten Bosnien-Herzegowinas über die grüne Grenze nach Kroatien und von dort in westliche EU-Länder zu gelangen. Nachdem die beiden Flüchtlingslager in der Stadt, die vom UN-Ableger International Organization for Migration (IOM) und der UNHRA betrieben werden, völlig ausgelastet gewesen seien, habe die Stadt handeln müssen. Das Ergebnis: Seit Mitte Juni gibt es auf dem städtischen Gelände der ehemaligen Mülldeponie ein neues Lager, Vucjak, vom Stadtzentrum rund zehn Kilometer entfernt, für männliche Flüchtlinge und Migranten. Eine Maßnahme, die bei Anwohnern auf eine Mischung von Verständnis und Bedauern stößt.

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Die Zustände im Flüchtlingslager Vucjak sind erschreckend: Es gibt zwei Dusch- und zwei WC-Container. Aus vier Wassertanks können sich die Flüchtlinge und Migranten mit Trinkwasser, sowie zum Waschen ihrer Kleidung, versorgen. Foto: BR | Daniel Dzyak
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Also richtig sei es nicht, dass die Flüchtlinge und Migranten auf der ehemaligen Mülldeponie untergebracht werden, meint Fatima, die in der Fußgängerzone von Bihac gegenüber vom Rathaus mit ihrer Freundin im Café sitzt. Der Bürgermeister habe aber irgendwo einen Platz finden müssen. Jetzt sei die Lage besser, die Stadt atme auf. Fatima, die während der dreijährigen Belagerung von Bihac durch serbische Einheiten im Krieg selber nach Deutschland hatte fliehen müssen, fügt hinzu:

"Wir wissen, dass diese Menschen es nicht leicht haben. Aber wir sind nicht daran schuld. Wir haben es auch durchmachen müssen."

Fatima, Einwohnerin Bihac

Ihre Freundin Ifeta nickt: Es seien zu viele Flüchtlinge und Migranten gewesen. Jetzt habe die Stadt „ein bisschen aufgeatmet“. Die Situation sei wesentlich besser.

Branka Ivusic sitzt mit ihrem zehnmonatigen Sohn im Garten ihrer Mutter: Die Sprachwissenschaftlerin lebt in Halle, ist an der dortigen Uni angestellt und besucht gerade ihrer Familie. Das Haus ihrer Mutter liegt an der Straße, die zum neuen Flüchtlingslager Vucjak führt. Und was sie dabei ansehen müsse, schildert Branka Ivusic so:

"Sehr oft werden Leute eben von der bosnischen Polizei von der Stadt hier hoch getrieben."

Branka Ivusic, Sprachwissenschaftlerin

Die seien in einem sehr flotten Tempo unterwegs. „Also im Laufschritt, ich kann kaum mithalten, und ich bin das Wandern gewohnt.“ Jeden Nachmittag werden diejenigen männlichen Flüchtlinge und Migranten von den Polizisten zum neuen Lager eskortiert, die zuvor in der Stadt aufgegriffen worden sind, weil sie keinen Platz mehr in den beiden übrigen Flüchtlingslagern gefunden haben. „Wie Vieh“, so formuliert Branka Ivusic, würden die Menschen an ihrem Haus hoch zum Lager getrieben. Warum das so geschehe? Sie glaube,

"um der örtlichen Bevölkerung vorzuführen, dass man da streng durchgreift und dass man was unternimmt."

Branka Ivusic, Sprachwissenschaftlerin

Dirk Planert kennt die Zustände in der Stadt sehr gut, auch aus anderen Zeiten: Während des Krieges in den 90er Jahren hatte er damals als Student Hilfsgüter in die Stadt geliefert. Heute ist der deutsche Journalist wieder da und hilft im Flüchtlingslager Vucjak. Den Stimmungswandel in der Bevölkerung erklärt er sich so:

„Am Anfang, das heißt vor etwa anderthalb Jahren, als das losging, dass die Migrantenroute über Bihac lief, haben sehr, sehr viele Menschen aus Bihac diesen Menschen geholfen, Essen, Wasser, alles Mögliche. Dann ist aber das Ding, dass die kroatische Grenze ja dicht ist. Die kommen also nicht weiter. Das ist wie so ein Flaschenhals, der vollläuft und irgendwann wird der Druck immer größer."

Dirk Planert, Journalist

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Beitrag: Clemens Verenkotte

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Philip Kuntschner

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Kommentare (2)

Es werden keine Fluchtursachenbekämpfung bekämpft Die Industrieländer beuten neokolonieale die betreffenden Länder aus,und wollen als Gegenleistung veraltete Rüstungsgegenstände an die betreffenden Despoten und Marionetten liefern. Uran aus der Sahelzone, Erdöl aus Nigeria Gold u Diamanten aus dem Kongo u.a.vieles mehr.Nutzniesser Frankreich England USA usw.

Balkany am

Super Bericht, der ein weiteren Teil der gecheiterten EU Migrationspolitik zeigt. Bosnien ist hier nur Durchreiseland, Kroatien muss hier wieder die Drecksarbeit für die EU machen. Ich hoffe das die Menschen bald direkt nach Deutschland kommen können. Angela Merkel hat 2015 ganze Arbeit geleistet, als sie die halbe Welt eingeladen hat. Nun sind sie da und sie werden zu euch kommen! Viel Spaß Deutschland. Freut euch doch mal auf eure neuen Mitbürger. Ihr schafft das auch noch.

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