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Als Maßnahme gegen die Stauproblematik und den Ausweichverkehr setzt die Tiroler Landesregierung Fahrverbote gegen den Ausweichverkehr ein. Foto: picture alliance|APA|picturedesk.com

Aber nur eine europäische Verkehrspolitik entlastet den Alpenraum
Kommentar: Fahrverbote sind richtig

Ich finde die Abfahrverbote auf den Autobahnen in Tirol und Salzburg an den Reisewochenenden richtig. Auch wenn sie nur einseitig veranlasst wurden und umstritten ist, ob sie mit europäischem Recht vereinbar sind, worauf unter anderem in Bayern zurecht hingewiesen wird. Wo die CSU allerdings auch auf Biegen und Brechen eine PKW Maut für Ausländer durchdrücken wollte. Das Ganze ist eine politische und ökologische Frage, die über juristische Bewertungen weit hinaus und uns alle angeht.

Die Anwohner ersticken im belastenden Auto und LKW Verkehr, der Dank immer feiner eingestellter Navis den Weg bis in die letzte verwinkelte Gasse findet. Manche Autobahnabfahrer nehmen sogar Radwege, um einen Stau zu umgehen. In der Hochsaison kann es passieren, dass Zufahrten zu Krankenhäusern dicht sind oder die Feuerwehr Schwierigkeiten hat durchzukommen. Gestresste Anwohner kommen teilweise aus ihren eigenen Garagen nicht mehr hinaus. „Wir fahren sogar schon mit dem Fahrrad in die Stadt“, empörte sich ein Anwohner aus Kufstein. Ironischerweise.

 

Kritikern in Deutschland – vor allem in Bayern – gelten die Abfahrverbote in Tirol und Salzburg oder Blockabfertigung von LKW als billiges Wahlkampfthema. Denn in Österreich gibt es Ende September Neuwahlen. LKW Blockabfertigung an der Grenze, als miese Retourkutsche auch auf die etwa aus Sicht von Tirol zu niedrige deutsche LKW Maut. Was soll’s. Solange etwas in Bewegung kommt. Denn nur grenzübergreifende europäische Lösungen können die überfällige Entlastung des Alpenraums bringen und Tourismus, Wirtschaft und Umwelt unter einen Hut. Denn krankmachender Feinstaub und bedrohlicher Klimawandel kennen keine Grenzen. Auch durchrasende Urlauber können sich an die eigene Nase fassen und mehr Rücksicht nehmen. Anders als in Salzburg gelten die Autobahnabfahrt-Verbote in Tirol schon seit dem letzten Wochenende und die Polizei musste dort an die tausend Autos auf die Autobahn zurückschicken.

 

In Salzburg lief es nun besser. Viele Urlauber waren gut informiert und Massenstaus oder Streit mit der Polizei an Abfahrten blieb aus. Die meisten fuhren an anderen Reisetagen los, nahmen andere Strecken, die dann wieder überlastet waren und auch dort wohnen Menschen. Wir Bürger können natürlich unser Verhalten bestimmen und müssen Druck machen auf Verkehrsminister und Regierungen. In der Debatte um Umwelt und Klimawandel schiebt die Industrie den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern aber gerne die moralische Verantwortung zu und nutzt unser schlechtes Gewissen, um von sich und dem fehlenden Handeln abzulenken. Der meiste Verkehr rollt über den Brenner.

 

Und unter dem Brennerpass entsteht der sogenannte Brenner-Basistunnel und damit die bisher längste Eisenbahnverbindung weltweit unter der Erde. Ein österreichisch-italienisches Mammutprojekt, an dem sich die Europäischen Union finanziell beteiligt und Deutschland einbezogen ist. Das soll mehr Schwerverkehr und Gütertransporte auf die Schiene verlagern. Eine europäische vernetzte Verkehrspolitik ist nötig. Doch das wird dauern und bis dahin liegen ein paar kleinere Vorschläge auf dem Tisch. Wie eine Korridormaut für LKW von München nach Verona oder gemeinsame Blockabfertigungen an Grenzen.

 

Doch auch für private Urlauber gibt es Ideen en Masse. Beispiel: Die kleine Gemeinde Werfenweng im Salzburger Land. Sie hat ein autofreies Konzept umgesetzt. Sie bietet Touristen nicht nur Skifahren, Wandern und Schwimmen an, sondern ein Rundum Urlaubskonzept mit Elektroautos Elektroroller oder einem Elektro-Shuttleservice für den Aufenthalt. Man müsste also nicht mal mit dem Auto anreisen. Allerdings: Der kleine Ort Werfenweng liegt an der Tauernautobahn und wer dorthin will dürfte man auch an den kommenden Reisewochenenden abfahren.

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