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Das Wiener Rathaus mit einem Zirkuszelt als Bühne davor. Foto: BR | Vera Gasber

26 Jahre Life Ball
Ein letztes Mal Glitzer und Glamour

Drei Männer klettern an Stangen empor. Von der Mitte ausgehend bilden die Stangen einen Kreis. Einer klettert rechts, die anderen auf der linken Seite des kreisförmigen Gerüsts. Ein vierter Mann hilft von unten. Er reicht Metallteile an. Stück für Stück wächst rechts neben einer Bühne ein Riesenrad mit der Aufschrift „Zirkus Roncalli“.

 

Ein paar Tage vor Life Ball werkeln dutzende Menschen auf dem abgesperrten Wiener Rathausplatz.  Der Ball findet diese Jahr zum letzten Mal statt, also ein letztes Mal Glitzer, Glamour und Awareness für HIV und AIDS. Vereint in Vielfalt heißt das Motto dieses Jahr oder im englischen Original: “United in Diversity. Walking on the yellow brick road towards an end to AIDS.”

Kampagne „Know your status“ klärt auf

Der Ball wird von der Kampagne „Know your status” begleitet. Es geht darum, zu wissen, ob man infiziert ist. Der Vorsitzende der Wiener AIDS Hilfe Wolfgang Wilhelm sagt: „Der Life Ball hat mit dieser Kampagne eine ganz wichtige Funktion übernommen. In Deutschland und der Schweiz zum Beispiel gibt es solche Kampagnen von offizieller Seite. Wenn der Life Ball aufhört, müssen öffentliche Gesundheitskampagnen eingeführt werden.“

In den 1990er Jahren sei AIDS noch eine todbringende Seuche gewesen, an der viele Menschen leidvoll gestorben seien. Jetzt sei die Infektion, die durch den HIV-Virus ausgelöst wird, vergleichsweise gut zu behandeln.

Dennoch leiden die Infizierten nach wie vor: Täglich müssen sie Medikamente einnehmen, die Menschen altern schneller und dürfen einige wichtige Impfungen nicht bekommen. Auch das Stigma sei groß. Wilhelm sagt: „Infizierte tun sich schwer, einen Zahnarzt zu finden. Auch Masseure ziehen Handschuhe an. Es gibt einfach Menschen, die haben noch die todbringende Seuche aus den 1980er Jahren im Kopf und glauben, dass sie sich sofort infizieren.“

Auftakt

Angefangen hat alles 1992: Gerry Keszler, der Initiator des Life Balls wollte mehr Bewusstsein schaffen für das Thema AIDS und HIV. Gemeinsam mit Torgom Petrosian (†1993) gründete er den Verein Aids Life, heute LIFE+. Keszlers Freund war zuvor an AIDS erkrankt und daran gestorben. Das Ziel des Charity-Events war, über die Gefahren von HIV und AIDS in der Öffentlichkeit aufzuklären und sich für erkrankte Menschen einzusetzen.

Unterstützt wurden sie von der Stadt Wien und dem damaligen Bürgermeister Helmut Zilk (†2008). Keszler sagte in einer Stellungnahme direkt an Zilk gerichtet: „Du warst ein unermüdlicher Botschafter für ein offenes und tolerantes Wien, und der Life Ball ist dafür ein weltweit sichtbarer Leuchtturm.“

Höhepunkte

Das Thema zog jedes Jahr internationale Stars nach Wien. Angefangen mit Courtney Love über Whoopi Goldberg bis hin zu Ricky Martin und Elton John. Die jährliche Modenschau führten namhafte Designer wie Paco Rabanne oder Jean-Paul Gaultier durch.
In den Nullerjahren warben Heidi Klum, Nadja Auermann und Naomi Campbell mit ihren Gesichtern auf einer Briefmarke für den Life Ball.

Für die Stadt Wien war der Ball stets auch ein Wirtschaftsfaktor. Laut einer Studie wurden in einem Zeitraum von zehn Jahren eine Brutto-Wertschöpfung von 106 Millionen Euro für Wien erzielt und rund 28 Millionen an Steuern und Sozialversicherung gezahlt.

Die Organisatoren des Life Ball nahmen Jahr für Jahr durch Sponsoring, Tickets und Tombola Spenden für nationale und internationale AIDS-Projekte.  1993 waren es umgerechnet 72.000 Euro. Die Bilanz nach 26 Jahren: Es kamen knapp 30 Millionen Euro zusammen.

Schlussakt

Mit dem Ball wird eine Ära zu Ende gehen. Der Life Ball war eine Tradition, ein wirtschaftsrelevantes Ereignis, ein internationales Fest mit Stars und aufwändigen Kostümen. Nach 26 Jahren mit nur einer Unterbrechung im Jahr 2016, soll nun Schluss sein. Keszler begründet es mit den veränderten Rahmenbedingungen: „Im Kampf gegen AIDS haben wir viel erreicht. AIDS hat sich von einem Todesurteil zu einer chronischen Krankheit gewandelt. Durch diesen Erfolg ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Zahl der Verbündeten für AIDS-Hilfsprojekte international und national abnimmt.“

Es gibt drei Arten der Prävention.

Interview mit Herrn Wolfgang Wilhelm, Obmann der Wiener Aidshilfe:

1) Kondome

„Kondome sind eine billige und hocheffektive Therapie. Sie helfen auch gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper.“

2) Kombinationstherapie

„Seit 1996 gibt es die Kombinationstherapie. Sie senkt die Ansteckungsgefahr soweit, dass auch ungeschützter Sex möglich ist. Man nimmt dazu 1,2 Tabletten täglich und dann ist es erledigt.“

3) PReP

„Die sogenannte „Prä-Expositions-Prophylaxe“ (kurz PReP) kann eingenommen werden, um gar nicht erst mit HIV infiziert zu werden. Kondome sind dennoch Pflicht: Sonst droht eine Ansteckung mit anderen Krankheiten wie Tipper, Syphilis oder Chlamydien.“

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