Problem: Bei windigem Wetter liegen die E-Scooter kreuz und quer auf dem Gehweg. Foto: BR | Nadja Armbrust

Leih-E-Scooter in Wien
Erfahrung nach acht Monaten E-Roller

Sie stehen an fast jeder Straßenecke in der Wiener Innenstadt: E-Scooter zum Ausleihen. Ende September vergangenen Jahres ging es los, inzwischen gibt es in Wien knapp 6.000 der elektrischen Roller.

Mit bis zu 25 km/h durch die Stadt

Wer damit fahren möchte, hat die Wahl zwischen aktuell sechs Anbietern, muss die jeweilige App dafür herunterladen und sich registrieren. Bezahlt wird per Kreditkarte. Derzeit kostet eine Fahrt einen Euro als Grundgebühr plus 15 Cent pro Minute. Vor dem Losfahren werden die E-Scooter via QR-Code entsperrt. Beim Start kräftig mittreten und Gas geben, dann geht es los. Bis zu 25 km/h fahren die elektrischen Roller. Beendet wird die Fahrt ebenfalls in der App.

E-Roller schon für kleinste Strecken

Bei Austauschstudent Mayeul Dumas ersetzt der E-Scooter nicht nur Tram und U-Bahn, sondern wird auch für kleinste Distanzen, die er früher zu Fuß bewältigt hat, verwendet. Schon für 500 Meter steigt er auf den E-Roller um. Genauso wie der Wiener Paul Sierek, der für die Scooter etwa 50 Euro Leihgebühr pro Monat zahlt, obwohl ihm seine Firma ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr spendiert.

„Das ist doch wesentlich eleganter als Fahrradfahren und ein tolles Erlebnis, wenn einem morgens der Wind ins Gesicht bläst – anstatt in der Straßenbahn zu sitzen.“

Paul Sierek

Selbstversuch E-Scooter

Videomaterial: Nadja Armbrust

Videobearbeitung: Karin Straka

 

Rechtslage für E-Scooter

Rechtlich gelten sie in Wien als Fahrräder und dürfen deshalb auch nur dort fahren, wo Fahrräder erlaubt sind: auf Fahrradwegen und der Straße – nicht aber auf dem Gehsteig. Elektro-Roller brauchen wie Fahrräder Bremsen, Klingel oder Hupe, Scheinwerfer nach vorne, rotes Rücklicht und Reflektoren. Nach der Fahrt dürfen die E-Roller generell überall abgestellt werden – aber nur da, wo andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden. Für E-Scooter braucht es keinen Führerschein und es gibt auch keine Helmpflicht. Wer abends mit dem E-Scooter von der Bar nach Hause fahren will, muss auch wissen: Es gelten die gleichen Alkohollimits wie für Radler: 0,8 Promille.

„Überschaubare“ Zahl an Unfällen und Beschwerden

Die Stadt Wien und die Polizei beobachten den Trend genau. Die Beschwerden hielten sich wohl aber noch in Grenzen. Auch die Unfallzahlen bleiben laut der Polizei Wien bisher im “überschaubaren Bereich” – von vergangenem Oktober bis März gab es insgesamt sieben Verkehrsunfälle, in die Personen mit E-Scootern verwickelt waren und es auch Verletzte gab.

E-Roller doch auf Gehwegen

Wien hat ein recht gut ausgebautes Radnetz. Wo jedoch Radwege fehlen und die E-Scooter-Fahrer auf die Straße wechseln müssen, insbesondere auf die Spur der Straßenbahn, weichen sie häufig auf den Gehweg aus. In der Innenstadt stehen E-Scooter zum Ausleihen derzeit an jeder Straßenecke – meist ordentlich abgestellt. Bei windigem Wetter können sie allerdings zum Problem werden, weil sie kreuz und quer auf dem Gehweg liegen.

Wie es mit E-Scootern in Wien weitergeht

Österreich hat auf die Trend-Scooter reagiert: Ab dem 1. Juni 2019 tritt eine Novelle der Straßenverkehrsordnung in Kraft. Ab dann gelten die Scooter als eigene Fahrzeugkategorie, dürfen auf Gehwegen aber trotzdem nicht fahren.

„Grundsätzlich gilt: Derzeit halten sich die Beschwerden noch in Grenzen. Es liegt bei den Anbietern dafür zu sorgen, dass dies so bleibt. Die Stadt Wien beobachtet die Situation sehr genau, sollten Gefahren für die Verkehrssicherheit entstehen, wird die Stadt reagieren und strengere Regeln erlassen.“

Andreas Baur, Stadt Wien

Die Stadt rechnet nicht damit, dass die Zahl der Leih-Scooter noch weiter in dem Tempo steigen wird wie in den letzten Monaten. Jeder Vermieter von stationslosen E-Rollern muss sich akkreditieren. Zwar hätten weitere Anbieter Interesse angemeldet, ihre Roller auf den Markt zu bringen, allerdings sind pro Anbieter nur 1.500 Scooter erlaubt. Noch unklar ist, ob durch die elektrischen Roller langfristig weniger Fahrräder ausgeliehen werden. Bei CityBike Wien ist das noch nicht zu spüren.

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