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Harmonie von alter und moderner Architektur auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana. Foto: BR | Astrit Ibro

Lieblingsplatz Albanien: Der Skanderbeg-Platz in Tirana
Preisgekrönte Erholungsoase mitten in der Stadt

In der kommunistischen Zeit, als die meisten Albaner keine Armbanduhr und kein Festnetztelefon besaßen, vereinbarten die Bewohner der albanischen Hauptstadt Tirana  als Treffpunkt den Skanderbeg-Platz im Zentrum der Stadt. Zu Füßen der 11 Meter hohen Reiterstatue des Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg hatten sie den 35 Meter hohen Uhrturm im Blick und konnten so die Zeit kontrollieren.

Geschichte

Eine Zeichnung aus dem Jahr 1917 zeigt den Ursprung des Platzes während der Besetzung durch Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, als Tirana noch eine verschlafene Provinzstadt war. In den 1920er und 1930er Jahren wurde das Stadtzentrum, mit den Ministerien und der albanischen Nationalbank, von den Italienern gestaltet. Der Plan für den Skanderbeg-Platz in Form eines Kreises, mit einer Fontäne in der Mitte und dem Rathaus als dominantem Bauwerk, stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

 

Der Skanderbeg-Platz ist der größte Platz in Tirana und musste einige Namensänderungen über sich ergehen lassen. Zwischen 1951 und 1968 hieß er „Stalin-Platz“, weil Stalin für den albanischen Exdiktator Enver Hoxha ein Vorbild war. Zum 500. Todestag des albanischen Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg am 17. Januar 1968 hat der Platz seinen jetzigen Namen erhalten. Die Reiterstatue des Namensgebers, ein Werk der albanischen Bildhauer Odhise Paskali, Janaq Paco und  Shaban Haderi, schmückt ihn seitdem. In den 1980er Jahren musste sich Skanderbeg den Platz allerdings mit dem verstorbenen kommunistischen Diktator Enver Hoxha teilen. Am 21. Februar 1991 wurde die Statue des Diktators von wütenden Protestierenden zerstört.

 

Viele Jahre war der Skanderbeg-Platz ein stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt. Auch politische Kundgebungen fanden hier statt. Am 25. April 1993 hat Papst Johannes Paul II auf diesem Platz eine Rede gehalten. Es war der erste Besuch eines Papstes überhaupt in der albanischen Geschichte.

Der Skanderbeg-Platz heute

Der Skanderbeg-Platz wurde vor einiger Zeit komplett renoviert und ist seit dem 10. Juni 2017 eine Fußgängerzone. Die größte  auf dem Balkan, wie der Oberbürgermeister der Hauptstadt Tirana, Erjon Veliaj, erklärte. 28.000 m² gepflastert mit  Steinplatten. Baustoffe aus ganz Albanien wurden verwendet, um die Einheit des Landes zu symbolisieren. Der Platz hat die Form einer Pyramide, die im Zentrum die Höhe von 1,80 Metern erreicht. 100 Fontänen sind über den Platz verteilt.

 

Nicht zu vergessen die imposanten Gebäude rund um den Platz. Auf der nördlichen Seite befindet sich das im Jahr 1982 erbaute nationalhistorische Museum, wo sich Interessierte über die albanische Geschichte von der Antike bis heute informieren können. Auf der östlichen Seite befindet sich der große Kulturpalast mit der Staatsoper und der Nationalbibliothek, ein Bauwerk der sozialistischen Architektur mit 18 Säulen, deren Grundstein Chruschtschow 1959 legte. Nur wenige Meter südlich liegt die Et‘hem Bej-Moschee, eine der ältesten Moscheen in Tirana, die auch in der Zeit des Atheismus überlebte, als das kommunistische Regime innerhalb von sechs Monaten im Jahr 1967 alle Gotteshäuser (2.035, darunter 740 Moscheen, 530 Tekkes und Türben, 608 orthodoxe und 157 katholische Kirchen) geschlossen, abgerissen oder umfunktioniert hatte und die Religion als „Opium für das Volk“ bezeichnete. Auf der südwestlichen Seite befindet sich seit wenigen Jahren die neue orthodoxe Kathedrale und nicht weit entfernt liegt auch die katholische Kathedrale, als Symbol des friedlichen Zusammenlebens aller Religionsgemeinschaften in Albanien. Auch das Hotel „Tirana  International“, die Nationalbank, die wichtigsten Ministerien, der Uhrturm und das moderne Hotel „Plaza“, das höchste Gebäude überhaupt in Tirana, befinden sich hier. Die Zahlen zur Bepflanzung sind ebenfalls beeindruckend: es gibt 2.220 Bäume, 4.500 Zierpflanzen und über 70.000 Blumenstöcke. Ein unterirdischer Parkplatz bietet Platz für 300 Fahrzeuge.

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Auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana

Videomaterial: Astrit Ibro

Videobearbeitung: Karin Straka

Der Skanderbeg-Platz ist zu einer echten Erholungsoase geworden. Von Zeit zu Zeit finden hier Konzerte statt. Auch Messen und der Weihnachtsmarkt stehen auf dem Jahresprogramm. Rund um den Platz gibt es einige schöne Cafés und Bars. Der Platz hat bereits einige Preise gewonnen, etwa den Europäischen Preis für den schönsten öffentlichen Raum im Jahr 2018 in Barcelona, und vor kurzem auch den zweiten Preis der EU für zeitgenössische Architektur für die Umgestaltungskraft, die Fußgängerzone, die Nachhaltigkeit und die Vergrößerung der Grünflächen.

 

Der Skanderbeg-Platz ist ein Lieblingsplatz nicht nur für mich, sondern für viele Albaner und auch für ausländische Gäste.

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