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Die Haupteinkaufsstraße, die Heltauergasse/General Magheru Straße, ist schon in den Farben des Gastgebers und der Gäste beflaggt. Foto: BR | Jan Heier

In der Heimat des rumänischen Präsidenten
Vor dem EU-Gipfel in Sibiu/Hermannstadt

Sibiu, auf deutsch Hermannstadt, erlebt mit seinen knapp 150.000 Einwohnern zum ersten Mal in seiner langen Geschichte ein europäisches Großereignis wie den informellen EU-Gipfel. Damit wollte der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker dem rumänischen Gastgeber entgegenkommen. Denn Staatspräsident Klaus Johannis stammt auf Hermannstadt, seine Familie gehört zur deutschsprachigen Minderheit, von der nur noch einige Tausend hier leben. Und: Johannis war hier seit 2000 Bürgermeister, viermal wurde er mit Wahlergebnissen von 70 bis über 90 Prozent gewählt, bevor er 2014 Staatspräsident wurde.

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Polizeihubschrauber kreisten bereits über der Altstadt von Sibiu. In niedriger Höhe überfliegt er den überwiegend von barocken Bürgerhäusern gesäumten „Großen Ring“, einen riesigen Platz, an dessen Ecke auch das ehemalige Bankgebäude der Bodenkreditanstalt steht, in dem die EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag tagen werden. Die Sicherheit wird, wie bei all diesen Mammutereignissen, groß geschrieben. Das sei gar nichts im Vergleich zu dem, was er im Ausland erlebe habe, wiegelt Ion Zigaran ab. Der ehemalige Polizist ist nach 19 Jahren in Chicago wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Er freut sich auf den Donnerstag:

 

„Ich denke, das ist etwas sehr Gutes, was hier abläuft. Das ist sehr gut für unsere Stadt, für unser Land und es ist auch gut, weil der Staatschef Rumäniens von hier kommt. Das wird uns nützen und helfen. Natürlich gibt es einige, die sagen, das ist nicht so gut.“

Zur vollen Stunde erfüllt das Glockengeläut der Evangelischen Stadtpfarrkirche, die von den Habsburgern vor 300 Jahren erbaute Katholische Kirche, sowie der Orthodoxen Kirche die historische Ober- und Unterstadt. Radu Zaharie betreibt ein Reisebüro in der Stadt und führt oft Gäste durch die malerische Stadt. Wenn er bei den Rundgängen immer sage, dass Sibiu, Hermannstadt, eine deutsche Stadt sei, dann staunten die Touristen immer:

 

„Wie, eine deutsche Stadt?! Wir sind ja in Rumänien, mitten in Rumänien fast, geographisch sogar, ja und dann beginnt diese ganze Geschichte mit der deutschen Kolonisation. Die Stadt hat eine Geschichte, eine deutsche Geschichte, eine rein deutsche Geschichte, von fast 850 Jahren, beinahe von 900 Jahren inzwischen und all das, was mit der deutschen Ära zu tun hat, ist eigentlich viel früher gewesen als die rumänische Komponente.“

 

Für einen Tag im Zentrum der europäischen Öffentlichkeit zu stehen, das sei – so sagt Victorina Stan, die aus dem Banat nach Sibiu zugezogen ist – großartig. Die Stadt sei schon sehr bekannt, aber jetzt werde sie noch bekannter werden. Darüber freue sie sich,  denn sie hoffe, dass dadurch noch mehr Touristen kämen und die Stadt respektiert werde, „in der Europäischen Union, von anderen Städten und auch anderen Ländern.“ Was sie damit meine? Die Psychologin gibt zurück:

 

„Ich war selber als Touristin in Europa unterwegs und ich muss sagen, dass ich mich nicht immer wohl gefühlt habe, als ich gesagt habe, ich komme aus Rumänien – und dass es da ein negatives Klischee gab, das sich auf mich ausgewirkt hat, obwohl ich als Touristin da war, obwohl ich Geld ausgegeben und mich natürlich korrekt verhalten habe. Ich hoffe, dass sich das auch verändern wird, weil wir Rumänen oft viel zu voreilig mit Negativklischees in Verbindung gebracht werden.“

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Kommentare (1)

Lukas Lehmann am

Ich war selbst schon in Sibiu. Die Stadt ist wunderschön. Wie auch die anderen siebenbürger-sächsischen Städte in Transsilvanien. Rumänien wird als Urlaubsland immer noch sehr unterschätzt.

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