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Der Nordwesten Bulgariens war immer eine arme Gegend, doch inzwischen ist er die ärmste Region der Europäischen Union geworden. Eine Fahrt über Land führt durch viele verlassene Dörfer, in denen oft nur noch eine Handvoll alter Menschen wohnt. Foto: BR | Ekatarina Popova

Unterwegs im Nordwesten Bulgariens
Wölfe statt Nachbarn

Der Nordwesten Bulgariens war immer eine arme Gegend, doch inzwischen ist er die ärmste Region der Europäischen Union geworden. Bulgarien wurde 2007 in die EU aufgenommen. Viele Menschen haben die Gegend verlassen, da es keine Arbeit mehr dort gibt. Sie sind entweder in größere Städte oder gleich ins Ausland gezogen. Auch wertvolle Fachkräfte sind fort, die bitter fehlen. Eine Fahrt über Land führt durch viele verlassene Dörfer, in denen oft nur noch eine Handvoll alter Menschen wohnt. Sie leben dort ohne Arzt, ohne Lebensmittelladen, ohne Apotheken. Dafür kommen Wölfe und Schakale oder streunende Hunde. Es gibt reihenweise verfallene Häuser, alte Schulen mit eingebrochene Dächern und zerschlagenen Fenstern, kaputte Scheunen, schiefe Weidezäune und Straßen voller Schlaglöcher. Offene Haus,-  und Stalltüren geben den Blick frei auf vergangene Leben. Alte Möbel, verstaubte Bücherregale, alte Traktoren oder Mähdrescher. Eines dieser Dörfer ist Kratschimir bei Belogradtschik. Dort lebt Natsa Ivanova.

 

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Leere Gemeindekassen, keine Arbeitsplätze

Zur Gemeinde der Stadt Belogradtschik gehören 17 umliegende Dörfer, deren Infrastruktur verkommen ist. Es gibt keinen Arzt, keine Post, keine Gemeindevertreter, keine Feuerwehr und keine Lebensmittelläden.  Deswegen werden Lebensmittellieferungen organisiert, die frisches Brot oder Jogurt bringen. Einige der verbliebenen Bewohner haben ein Auto, doch die meisten der alten Menschen auf den Dörfern sind nicht mobil. Ein Bus kommt selten oder gar nicht und viele sind auf ihre Kinder oder Enkel angewiesen, sollten diese noch in der Gegend leben.

Tourismus reicht nicht aus

Belogratschik ist für die Festung „Kaleto“ und die roten Felsenformationen berühmt, die sich über 100 Quadratkilometer erstrecken und bis zu 200 Meter hoch sind.  Doch auch wenn Touristen deswegen die Umgebung besuchen sind die Gemeindekassen leer. Rund 11 000 Menschen hatte die Gemeinde bis zur Wende heute sind es 6500, sagt Bürgermeister Boris Nikolov. Von der EU habe man sehr profitiert, betont er. Polizei, Feuerwehr, Konzertsaal, Sporthalle und viele weitere Gebäude seien mit Hilfe von EU-Projekten saniert worden. Doch brauche man auch Menschen, die das alles nutzen würden. Investoren seien wieder abgezogen, weil sie keine Mitarbeiter gefunden hätten.

Boris Nikolov ist Bürgermeister von Belogradtschik. In seinem Büro hängt ein Bild der berühmten Felsen der Gegend. Foto: BR | Ekatarina Popova
Boris Nikolov ist Bürgermeister von Belogradtschik. In seinem Büro hängt ein Bild der berühmten Felsen der Gegend. Foto: BR | Ekatarina Popova

Seit 30 Jahren leben wir in einer paradoxen Situation: Es kommen keine Investoren hierher, denn es gibt keine Arbeitskräfte mehr, auch nicht für wenig qualifizierte Arbeiten. Und wegen fehlender Investitionen wiederum verlassen die Menschen massenhaft die Region. Das ist ein Teufelskreis."

Boris Nikolov, Bürgermeister

Der Bürgermeister ist parteilos, steht aber den Sozialdemokraten nahe. Den Kommunismus wolle er nicht zurück betont er, doch die neoliberale Privatisierung nach der Wende habe staatliche Strukturen zerschlagen. Doch die Wirtschaft investiere nicht in neue Arbeitsplätze.

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