Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Fassade am 'Haus der Künstler' in Gugging. Foto: BR | Karin Straka

Der Art brut Künstler August Walla im Museum Gugging
Im Weltallendeland

Der Österreicher August Walla (1936 – 2001) zählt zu den vielseitigsten Künstlern nach 1945, nicht nur der Art brut Kunst. Nun zeigt das Museum Gugging bei Wien erneut Werke aus Wallas unerschöpflich scheinendem Nachlass. Die Ausstellung „walla.foto.text.=ilien.!“ ist bis 1. September 2019 zu sehen und legt den Schwerpunkt auf Schriften, Fotografien und Textilobjekte.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Blick in die Ausstellung

Video: Karin Straka

Welterfinder. Maler. Texter. Fotograf.

August Walla bezog die ganze Welt in sein kreatives Schaffen mit ein. Er ersann ein poetisches Universum mit einer lebendigen Welt aus Göttern und Teufeln. Dem „Weltallendeland“, in dem der Tod und dessen Überwindung eine große Rolle spielte. August Walla erfand dafür eine eigene Kunstsprache, die er „Weltallendefremdsprache“ nannte. Dafür mischte er das Deutsche mit anderen Sprachen, die er aus Wörterbüchern zusammenstellte. Darunter Russisch, Bulgarisch oder Aramäisch. Walla gab auch Gegenständen eine neue Bedeutung, etwa dem Hakenkreuz, Hammer und Sichel oder Abkürzungen wie KPÖ, SPÖ und DDSG – Donaudampfschifffahrtsgesellschaft. Walla war zu spontanen Installationen und Aktionen in der Lage und gestaltete für Andre Hellers Projekt „Luna Luna“ einen Zirkuswagen. Wenn er nicht gerade aß, schlief oder anderweitig beschäftigt war arbeitete August Walla. Er bemalte und beschriftete Straßen, Bäume, Schreibtische, Leintücher, Ofenrohre, Bretter, Pappe, Kochtöpfe, Wände, Schokoladenpapier oder Blöcke von Pharmavertretern. Der eher ruhige Künstler schrieb tausende Briefe an Äbte, Bürgermeister oder Krankenhausdirektoren und auch Johann Feilacher bekam von August Walla hunderte von Briefen. Der Psychiater ist künstlerischer Leiter des Museums Gugging bei Wien. Er hat die Ausstellung kuratiert und arbeitet seit 1983 in Gugging. August Walla und viele andere Künstler kannte er persönlich und er hat August Wallas nächtliches Tippen auf der Schreibmaschine noch im Ohr.

Art brut ist keine Therapie

Art brut ist ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst, die von Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen gemacht wird. Die Bezeichnung geht auf den französischen Maler Jean Dubuffet zurück. Art brut ist keine Kunstrichtung, sondern beschreibt nicht etablierte Kunst oder Kunstströmungen. Im Englischen wird auch der Begriff „Outsider Art“ verwendet. Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen oder Gedichte von Art brut Künstlerinnen und Künstlern haben nichts mit einer Kunsttherapie in Bezug auf ihre Erkrankungen zu tun. Eine solche Therapie hat das Ziel, Menschen mit künstlerischen Methoden zu behandeln. Das Ergebnis davon sei genauso wenig Kunst, wie der Mitschnitt einer Therapiesitzung Literatur wäre, betont der Psychiater Johann Feilacher, der auch künstlerischer Leiter des Museums Gugging ist.

Das „Haus der Künstler“ in Gugging

Neben dem Museum Gugging befindet sich das „Haus der Künstler“. Dort leben künstlerisch talentierte Menschen zwischen 18 und 80 Jahren, die Betreuung brauchen. Das bunt bemalte Gebäude steht neben dem Museum Gugging, das unter anderem ihre Werke ausstellt. Auf dem Gelände des Museums befand sich bis 2007 die psychiatrische Landesklinik Niederösterreich. Dort arbeitete der Psychiater Leo Navratil (1921 – 2006). Er entdeckte und förderte die Künstler der ersten Generation in Gugging, unter ihnen Johann Hauser, Ernst Herbeck, Phillip Schöpke, Oswald Tschirtner und August Walla und einige avancierten zu teuren Weltstars. Lange Zeit sammelten vor allem Psychiater die Kunst ihrer Klientinnen und Klienten, doch in den letzten Jahrzehnten änderte sich das und Sammler von Gegenwartskunst sammeln die Werke von Johann Hauser oder August Walla. Auch David Bowie kaufte die Kunst der Gugginger Art brut Künstler. Anfang der 90er Jahre besuchte er Gugging. Zeichnete und porträtierte die Künstler, lud sie zu seinen Konzerten ein und unterhielt sich auch länger mit ihnen.

Über das Leben von August Walla

August Walla wurde 1936 in Klosterneuburg bei Wien geboren.

Er ging nur wenige Jahre in die Schule und seit seiner Kindheit verbrachte er immer wieder Zeiten in der Psychiatrie. Zwischen seinem siebten und neunten Lebensjahr war er in Einrichtungen.

Schon als kleiner Junge schrieb August Walla gerne Zahlen und Buchstaben als Spiegelschrift. Als Kind wurde er als intelligent eingestuft, ging aber in eine Sonderschule, wo sein Zeichentalent schon auffiel. Welche Erkrankung hatte August Walla?

„Das weiß ich nicht und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen“, meint Johann Feilacher dazu. Im Zusammenhang mit Wallas Kunst sei das nicht wichtig. Walla lebte mit seiner Mutter Aloisia und seiner Großmutter zusammen. Kontakt zu seinem Vater hatte er kaum. Die Großmutter starb als er ein Kind war und das war für ihn ein großer Schock. Wallas Kunst hängt eng mit seiner Biographie zusammen und der Tod der Großmutter und die Angst um die Mutter gelten als Auslöser für das Erschaffen seines „Ewigkeitsendes“. In der NS Zeit musste Walla zeitweise in die „Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund“ in Wien, wo er den Euthanasieverbrechen wie durch ein Wunder entkam. Zwischen 1952 und 1975 war Walla sechs Mal in der damaligen „Heil und Pflegeanstalt“ in Gugging und zog 1983 mit seiner Mutter in das „Haus der Künstler“ ein, wo er die Umgebung ebenfalls gestaltete. Sein Werk Teufel.Gott.! malte er an die Fassade des Hauses. Walla war äußerst wortkarg, doch er kommunizierte dafür umso mehr über seine Kunst und schrieb tausende von Briefen. An Äbte, Hausmeister oder Krankenhausdirektoren. Walla war in der Umgebung sehr bekannt und besuchte nach dem Tod seiner Mutter auch Gasthäuser und Kaffeehäuser. 1990 bekam August Walla gemeinsam mit der Gugginger Künstlergruppe den renommierten Oskar-Kokoschka-Preis der österreichischen Bundesregierung für zeitgenössische Kunst. Damit werden hervorragende Leistungen in der bildenden Kunst gewürdigt.

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.