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Das Wiener Stadtmagazin „Stadtbekannt“ hat einen Touristenführer herausgebracht - 'Wien für Deutsche'. Foto: BR | Michael Mandlik

Humoristischer Stadtführer
Wien für Deutsche

Dass die Deutschen gerade auch in Wien von den Einheimischen vorzugsweise mit der eher wenig schmeichelhaften Bezeichnung „Piefke“ charakterisiert werden, ist beileibe nichts Neues. Die gleichnamige Filmsaga aus den Neunzigern über das Verhalten der „Piefkes“, sobald sie im Urlaub Österreich heimsuchen, hat da in punkto Vorurteile offensichtlich unverrückbare Maßstäbe gesetzt. Auch wenn es in der Folge zu einer Art öffentlichen Vorurteilswettbewerb zwischen „Piefkes“ und „Ösis“ gekommen war – man muss schon auch festhalten, dass in dieser vierteiligen Fernsehserie durchaus einiges sehr nahe an die Wahrheit heran reicht.

Piefke ist nicht gleich Piefke

Das Wiener Stadtmagazin „Stadtbekannt“  hat inzwischen aber  einen Touristenführer heraus gebracht, der augenscheinlich um Deeskalation bemüht ist. „Wien für Deutsche“ geht sogar so weit, „Bayern und alle Deutschen unterhalb des Weißwurst-Äquators“ von der Bezeichnung „Piefke“ ausdrücklich auszunehmen. In Wahrheit ein äußerst geschickter Schachzug, ergeben sich so doch automatisch neue benachbarte Verbündete  und gleichzeitig eine numerische Schwächung des Gegners, dem es aus dem Süden und Südosten nun nicht mehr nur „Piefke“, sondern zusätzlich auch wieder „Saupreiß“ entgegenhallt.

„Heimweh nach Deutschland“

Auch daran erkennt man, warum die feingeschliffene habsburgische Diplomatie jahrhundertelang so erfolgreich war. Denn im weiteren bietet „Wien für Deutsche“ für alle „Rest-Piefkes“ durchaus nützliche und brauchbare Tipps, wie sie sich in Wien verhalten sollten, um nicht unangenehm aufzufallen. Das funktioniert sehr gut bei den Empfehlungen für Kaffeehäuser, Beisln, Bars, Heurigen und vielen angesagten Szenetreffs. In einer Rubrik „Heimweh nach Deutschland -Deutsches Wien“ gibt es sogar Hinweise, wo der deutsche Wientourist hingehen kann, wenn ihm unbedingt nach deutscher Kost ist oder er mit seinesgleichen unter sich bleiben möchte.

Sprachliches Glatteis

Definitiv schwierig wird es speziell für Nordlichter aber bei den Übersetzungen original Wiener Dialoge ins Hochdeutsche. Abgesehen davon, dass sich manches gar nicht wortgetreu übertragen lässt, entsteht dabei nämlich zusätzlich eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Man kann deshalb nur ausdrücklich davor warnen, sich etwa als Hamburger, Berliner oder auch Hannoveraner auf das sprachliche Glatteis zu begeben beim Versuch, im Gespräch mit Wienern deren Dialekt nachzuahmen. Das kann nicht gut gehen!

Irritation am Würstelstand

Umgekehrt kann man aber auch die Irritation vieler deutschsprachiger Wien-Touristen nachvollziehen, wenn sie an einem der zahlreichen Wiener Würstelstände mit den tatsächlich sehr derben mundartlichen Produkt-Umschreibungen für die dargebotenen Speisen konfrontiert werden. Denn wer käme schon auf Anhieb darauf, dass es sich bei einer „Eitrigen“ mit „am G’schissenen“ und „an Oaschpfeiferl“ um eine Käsekrainer-Wurst mit mildem Senf und scharfer Pfefferoni handeln könnte.

Von daher leistet der Touristenführer „Wien für Deutsche“ mit seinen entsprechenden Übersetzungen wertvolle Aufklärungsarbeit. Außerdem kann er wegen seines handlich gebundenen Formats auf alle Touren durch Wien mitgenommen werden. Dann kann man ihn als Piefke auch noch lesen, unmittelbar bevor man in den nächsten Fettnapf tritt.

„Wien für Deutsche“, www.stadtbekannt.at

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