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Eingang zum 'Filmcasino' in Wien. Hier wartet ein besonderes Kinoerlebnis auf die Besucher. Foto: BR | Christine Dériaz

Lieblingsplatz in Wien
Kinonostalgie im Filmcasino

Wien ist die Stadt der (Programm-) Kinos. Es gibt viele, sie sind oft liebevoll restauriert, und man kann sie größtenteils als „Stadtteilkinos“ bezeichnen. Kinos also, die sich wie früher im Herzen von Stadt- beziehungsweise Wohnvierteln befinden, und dort einen festen Bestandteil des kulturellen Lebens darstellen. In vielen europäischen Städten sind gerade diese Kinos nach und nach geschlossen worden. Nicht so in Wien.

Grundsätzlich stellt sich bei Lieblingsplätzen ja die Frage, ob man sie überhaupt teilen soll, wohnt dem Begriff Lieblingsplatz doch auch immer irgendwie ein bisschen Geheimtipp inne. Andererseits: Plätze, wie zum Beispiel ein Kino, leben ja davon, dass sie – reichlich - besucht werden.

Christine Dériaz, Cutterin

Das Filmcasino im Wiener Bezirk Margareten hat ein fast schon typisches Kinoschicksal. Schon 1911 gab es an dieser Stelle ein Kino, das „Kinematographentheater“, später wurde es als „Margaretner Bürgerkino“ betrieben. 1939 wurde das Kino dann „arisiert“, die damaligen Betreiber Alice und Arnold Kolb wurden deportiert und ermordet. In den 50er-Jahren wurde das Kino modernisiert, überlebte aber das erste Kinosterben der mittleren 70er-Jahre nicht. Der Raum existierte in Folge als Jugoslawischer Kulturverein weiter. 1989 wurde das Kino als „Filmcasino“ wiedereröffnet und seitdem behutsam modernisiert, wobei der Charme, wo immer es ging, erhalten blieb. Dass das Kino jetzt so erfolgreich läuft liegt einerseits sicher am Ambiente, aber ganz bestimmt auch am eigenwilligen und ansprechenden Programm. Filme werden grundsätzlich in Originalversion gezeigt, und es gibt diverse kleine aber feine Festivals, zum Beispiel das slash-Festival für Freunde des rabiaten Kinos, das Queerfilmfestival, das Menschenrechtsfestival, Retrospektiven und immer wieder Filmpremieren von unabhängigen und Arthousefilmen.

 

Noch bevor man das Filmcasino betritt, fällt das Spiegelmosaik auf, das den Hintergrund für den geschwungenen Namenszug aus Neonröhren bildet. Die umgebenden Gründerzeithäuser spiegeln sich leicht verzerrt darin. Eine Metapher für das facettenreiche Sehen, das auch in den gezeigten Filmen zum Ausdruck kommt.

Auch im Innenraum immer wieder Spiegel und spiegelnde Fragmente. Man fühlt sich auf wohlige Art in eine vergangene Zeit zurückversetzt, ohne die Epoche genau benennen zu können. Ein bisschen 50er, aber eben nicht durchgängig. Holztäfelung an den Wänden, dick gepolsterte Bänke, aber auch mit Kuhfell bezogene Sessel, eher ein Hinweis auf die 70er. Daneben eine kleine Bar, selbstverständlich verspiegelt, mit Wein, Flaschenbier und Knabbereien, aber ohne Popcorn. Außerdem gemütliche Sitzecken, wo man sich vor dem Film zusammensetzen kann. Der Kinosaal selbst ist angenehm groß, ohne riesig zu sein. Mit einer guten Projektion und einem ganz eigenen Geruch, irgendwo zwischen altmodisch und warm. Kurz: Ein rundum Paket im Retro-Chic mit spannendem Programm, das den Kinobesuch zu mehr macht als zu bloßem „Film schauen“.

Und dann gibt es noch einen Lieblingsplatz innerhalb des Lieblingsplatzes der unmöglich verraten werden kann. Sitzplätze die, selbst wenn wenige Zuschauer kommen, immer besetzt sind. Aber welche das sind bleibt ein Geheimnis, das jeder selbst entdecken muss.

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