Ein Clip von der Kaberetttruppe 'maschek' in der ORF eins Sendung

Pieeep! Aufregung um Satirevideo im ORF
„Vom Neonazi zum Sportminister“?

„maschek“ ist eine Kabaretttruppe aus Österreich. In der ORF Late-Night-Show „Willkommen Österreich“ kommentieren sie seit 2012 das politische Geschehen im Land. Sie übersprechen echte Videos und erfinden dabei Dialoge neu – etwa von Politikerauftritten. Dabei machen sie das, was Satiriker eben machen – sie gehen oft bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. Denn jetzt hat ein Clip der Truppe – oder besser gesagt, die Reaktionen darauf – in Österreich Aufregung verursacht. Der Clip ist in der Sendung „Willkommen Österreich“ ausgestrahlt worden, verschwand danach aber aus der Mediathek des ORF. Der Grund: Im Clip war der Satz zu hören: „Vom Neonazi zum Sportminister, eine typisch österreichische Kariere“. Gemeint war FPÖ Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der auch Sportminister ist.

Youtube: ‚maschek‘ (aus ‚Willkommen Österreich‘ – Folge 425, 9. April 2019, ORF eins)

Strache selbst streitet ab, jemals Neonazi gewesen zu sein. Dabei urteilte bereits 2004 ein österreichisches Gericht, dass Strache eine „Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut“ bescheinigt werden kann. Auch die wichtigste Forschungseinrichtung für Rechtsextremismus im Land – das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Wiederstands attestiert, dass Strache sich in der neonazistischen Szene bewegt hat.

Der ORF erklärte die Löschung des „maschek“-Videos in einer Stellungnahme so: „Der sendungsverantwortliche Unterhaltungsredakteur hat es verabsäumt, die Passage vorab rechtlich prüfen zu lassen. Der Sendungsteil ‚maschek‘ wurde nach der TV-Ausstrahlung umgehend in der TVthek gesperrt.“  Inzwischen ist der Beitrag wieder in der Mediathek zu finden. Die beanstandete Stelle ist in typischer „maschek“-Manier mit einem gesprochenen „Pieeeeeep“ übertüncht.

 

ORF im Dauerclinch mit der FPÖ

Der Vorfall schlägt in Österreich hohe Wellen. Hintergrund: Der ORF befindet sich im Dauerclinch mit der FPÖ, die seit Dezember 2017 österreichische Regierungspartei ist. Spitzenpersonal der rechten Partei, häufig auch Vizekanzler Strache, werfen dem öffentlich-rechtlichen Sender regelmäßig vor, Lügen zu verbreiten und unausgewogen zu berichten. Jetzt steht die Annahme im Raum, der ORF habe den Beitrag nur entfernt, um nicht neuerlich zur Zielscheibe der FPÖ zu werden. Schließlich denkt die FPÖ zurzeit laut darüber nach, die Rundfunkgebühr abzuschaffen und stellt mit Nobert Steger den Vorsitzenden des mächtigen Stiftungsrats, der den ORF kontrolliert.

"maschek" erhält Unterstützung

Peter Hörmanseder von „maschek“ meldete sich via Twitter zu Wort und widersprach dieser juristischen Einschätzung des ORF. Die Aussage „Vom Neonazi zum Sportminister“ halte er nach wie vor für eine zulässige Behauptung. Unterstützung bekommen die „maschek“-Macher von vielen Seiten: Darunter auch Armin Wolf, Moderator der ORF-Sendung ZIB2 und einer der bekanntesten Journalisten des Landes. Auch er hat bereits Erfahrungen mit Angriffen der FPÖ. Ausgerechnet unter  dem Motto „Alles nur Satire“ schrieb Strache bei Facebook: „Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook Profil von Armin Wolf.“ Später musste er sich öffentlich dafür entschuldigen.

Journalismus ohne "Piep"

Armin Wolf durfte am Wochenende  die Ehrung „Romy“ entgegennehmen, einen wichtigen österreichischen Film- und Fernsehpreis. In seiner Dankesrede sagte er: „Ich würde mir wünschen, dass wir weiterhin aufrecht und selbstbewusst, unabhängig nach allen Seiten kritischen Journalismus machen, schmissige Dokumentationen und scharfe Satire nicht nur produzieren, sondern auch senden. Und das auch möglichst ohne Beep. Zu Tode gefürchtet ist auch tot.“ Im Publikum saßen ORF-Chef Alexander Wrabetz und ÖVP Medienminster Gernot Blümel. Florian Klenk, Chefredakteur des Wiener Magazins der Falter, drückt seinen Protest aus, indem er seinen Twitteraccout in „Piep“ umbenannt hat. Das unveränderte Originalvideo macht unterdessen in den sozialen Netzwerken die Runde. Viele Nutzer teilen es aus Protest gegen die Entscheidung des ORF und verleihen dem Thema eine Aufmerksamkeit, die es sonst wahrscheinlich nicht bekommen hätte.

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