Lieblingsplatz von Eldina Jasarevic
Eine einsame Holzmoschee und die Legenden um sie herum

In einem schönen Wald, etwa 50 Kilometer von der bosnischen Hauptstadt Sarajevo entfernt, liegt eine kleine Holzmoschee, die ein gewisser Hajdar dedo Karic im 15.Jahrhundert bauen ließ. Ob Hajdar dedo Karic ein Bosnier oder ein  Osmane war, ist bisher unklar geblieben. Ein angesehener Mann war er sicherlich, denn damals bedeutete „dedo“ nicht Opa wie jetzt sondern „Oberhaupt“. Warum die Moschee eben hier aufgebaut wurde, ist eine Frage für Historiker. Wahrscheinlich deshalb, weil die alten Handelsstraßen durch diese Berge führten und die Reisenden auch unterwegs eine Moschee zum Gebet brauchten. Es ist aber ziemlich sicher, dass die kleine Holzmoschee bis zum 18. Jahrhundert von vielen kleinen Dörfern mit moslemischer Bevölkerung umgeben war. Dann aber kam die Pest und die Bewohner flüchteten vor der tödlichen Seuche ins Tal.  Die niedliche Moschee blieb alleine im Wald.

Den damaligen osmanischen Herrschern gefielen wohl die unbeackerten Felder und die menschenleeren Dörfer nicht, so dass sie, den historischen Vermutungen nach, die serbisch-orthodoxe Bevölkerung in der Region ansiedeln ließen. Die Antwort, wieso sich danach jahrelang eine Moschee in einer christlichen Region ohne moslemische Einwohner erhalten konnte, finden wir in einer, unter der lokalen serbisch-orthodoxen Bevölkerung, populären Legende. Sie besagt: Kurz nach der Ankunft der christlichen Serben begann das Vieh an einer unbekannten Krankheit zu erkranken. Die besorgten serbischen Bauern und Viehzüchter gingen zu dem nächsten Priester. Er fragte sie, ob es in ihrer Nachbarschaft eine serbisch-orthodoxe Kirche gäbe. Nachdem sie mit nein geantwortet hatten, fragte er nach: „Gibt es ein anderes Gebetshaus?“ Die Dorfbewohner erzählten ihm von der kleinen verlassenen Holzmoschee im Wald. Der Priester empfahl ihnen, sich um diese Moschee zu kümmern, damit es ihrem Vieh wieder gut gehe. So bekam die Moschee neue Wächter und dem Vieh ging es, der Legende nach, besser.

Impressionen von einer Moschee aus Holz

Video: Eldina Jasarevic

Die letzte unbestätigte Geschichte, die erzählt wird, stammt aus dem letzten Krieg in den 90er Jahren. Die Armee der bosnischen Serben besetzte die Region und wollte die kleine Holzmoschee in Brand setzen. Ein einheimischer Serbe, dessen Familie in Absprache mit der Islamischen Gemeinde die Schlüssel besaß, um die Moschee für die Besucher öffnen zu können, wollte sie daran hindern. Er wurde aber bei diesem edlen Versuch von Soldaten umgebracht. Von dem Gebäude blieb nur eine schwarze Brandstätte.

Nach dem Krieg wurde die kleine hölzerne Moschee wieder aufgebaut. Die wenigen serbischen Bewohner haben in der Zwischenzeit auch die Region verlassen, so dass sie nun wieder einsam im Wald steht. Einmal im Jahr gehen moslemische Pilger zu einer  benachbarten Pilgerstätte und beten drei Tage in der Moschee. Danach schließen sie sie ab und gehen wieder. Drei Gebetsketten, ein Tuch, ein Wasserbrunnen und Plastikpantoletten warten das ganze Jahr hindurch auf die Besucher, die auf der Veranda der Moschee beten wollen oder einfach die Stille des Waldes genießen möchten. Ich bin einmal beim Wandern ganz zufällig auf sie gestoßen, fand sie vom ersten Moment an mystisch schön und habe deshalb beschlossen, von ihrer Schönheit und ihrer Einmaligkeit zu erzählen.

Eldina Jasarevic

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