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Zoran Zaev, Ministerpräsident von Nordmazedonien, macht ein Selfie mit Alexis Tsipras, Ministerpräsident von Griechenland. Skopje, 02.04.2019 Foto: dpa/Eurokinissi

Selfies mit Regierungschefs
Historisches Treffen. Tsipras bei Zaev

Diese Woche reiste Alexis Tsipras zu einem Treffen mit Zoran Zaev nach Skopje. Es war der erste Besuch eines griechischen Premiers bei einem nordmazedonischen Regierungschef seit Jahrzehnten. Begleitet wurde Tsipras von zehn Ministern seines Kabinetts und einer großen Wirtschaftsdelegation. Es gab eine gemeinsame Regierungssitzung und zahlreiche bilaterale Abkommen wurden unterzeichnet. Griechenland und die Republik Nordmazedonien wollen künftig zusammenarbeiten. In Bereichen wie Außenpolitik, Infrastruktur, Energie und Transport, Landwirtschaft, Digitalisierung, Gesundheit und in der Wirtschaft. Außerdem wurde militärische Kooperation vereinbart, denn Griechenland will die Luftraumüberwachung im NATO Beitrittsland Nordmazedonien übernehmen.

Neue Schilder in Nordmazedonien Foto: BR | Sasko Golov
Neue Schilder in Nordmazedonien Foto: BR | Sasko Golov

Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Republik haben wir einen griechischen Premier zu Gast (….). Ein historischer Tag, denn in der Vergangenheit gab es viele verpasste Möglichkeiten und verschwendete Zeit. Wer in die Zukunft sieht, erkennt gemeinsame Interessen.

Der nordmazedonische Premier Zoran Zaev am 2.4.19 in Skopje

Wir schreiben eine neue Geschichte und lassen die Geschichte der Gegensätze, der Streitigkeiten, der Gewalt, des Kriegs hinter uns. Ich glaube also, dass der Erfolg dieses Abkommens, nicht nur ein Erfolg für Griechenland und Nordmazedonien ist, sondern ein Erfolg für den gesamten Balkan und ein Erfolg für Europa.

Der griechische Premier Alexis Tsipras am 2.4.19 in Skopje

Nordmazedonien oder Nord-Mazedonien. Wie schreibt man das auf Deutsch?

Politisch ist der Namensstreit beigelegt, emotional aber nicht.

Das zeigt sich an der Debatte um die Schreibweise des neuen Landesnamens im deutschsprachigen Raum. Das nordmazedonische Außenministerium verschickte Aufforderungen an deutsch schreibende Medien, den neuen Landesnamen „richtig“ zu schreiben. Und zwar: Republik Nord-Mazedonien.

Nordmazedonien ist nicht Nordrhein-Westfalen

Seit der Umbenennung des Landes verwendet das Auswärtige Amt die Schreibweise Republik Nordmazedonien oder Nordmazedonien. Das ist auch die offizielle Schreibweise in der deutschsprachigen Schweiz und in Österreich. Der Germanist Peter Rau lebt seit 23 Jahren in Nordmazedonien und lehrt an der South East European University in Tetovo. Er kennt alle Wendungen in der Debatte um den Namen des Landes und ist ein versierter Kenner der deutschen Grammatik. Einen Bindestrich gäbe es im Deutschen nur, wenn zwei Regionen verbunden würden, erklärt Peter Rau am Beispiel von Nordrhein-Westfalen:

„Nordrhein Bindestrich Westfalen. Aber das sind zwei Regionen. Wenn man nur Nordwestfalen hätte, dürfte man das nicht mit Bindestrich schreiben. Dann wäre es ein Wort. Nordmazedonien. Das ist eine geographische Einheit, nicht zwei. Deswegen Standarddeutsch Nordmazedonien in einem Wort, erläutert Rau. Die Umbenennung des Landes löst bei den nichtalbanischen Bürgern des kleinen Balkanlandes nach wie vor Frust oder Ärger aus. Einen Teil der Verantwortung trägt die langjährige nationalistische konservative Regierungspartei VMRO DPMNE. Sie stilisierte die Namensfrage zu einer existenziellen Angelegenheit. Mit ins Bild gehört aber auch die traumatisierende Erfahrung von nordmazedonischen Bürgerinnen und Bürgern mit Griechenland. In den 80er Jahren war es dort verboten mazedonische Lieder zu singen und Menschen wurden vom Staat Griechenland gezwungen ihre Namen zu ändern.

Das Abkommen von Prespa

Im Juni 2018 unterzeichneten Griechenland und die Republik Nordmazedonien das Abkommen von Prespa, das Tsipras‘ Besuch in Skopje erst möglich gemacht hat. Denn am Prespa See in der Grenzregion beendeten die beiden Länder nach fast 30 Jahren den sogenannten Namensstreit. Das Abkommen wurde von beiden Parlamenten ratifiziert. Begleitet von Massenprotesten auf beiden Seiten. In Nordmazedonien scheiterte der sozialdemokratische Ministerpräsident Zoran Zaev mit einem – nicht bindenden Referendum – und machte Zugeständnisse an die größte Oppositionspartei VMRO-DPMNE. Am Ende brachten beide Regierungschefs das Prespa Abkommen durch ihre Parlamente.

Es regelt unter anderem die Verwendung der Bezeichnung „Mazedonien“ im Landesnamen und berücksichtigt die damit verbundenen Interpretationen der Geschichte vom zwanzigsten Jahrhundert bis zurück in die Antike. Wichtigster Punkt des mühsam verhandelten Abkommens: Die frühere jugoslawische Teilrepublik Mazedonien änderte den Namen in Nordmazedonien und Griechenland blockiert dafür den Weg Skopjes in NATO und EU nicht mehr. Die Republik Nordmazedonien ist seit 2005 EU-Beitrittskandidat.

Hintergrund des Namensstreits

Im Zuge der blutigen Zerstörung Jugoslawiens wurde die frühere jugoslawische Teilrepublik Mazedonien 1991 unabhängig und firmierte seit 1993 unter dem Kürzel FYROM bei den Vereinten Nationen. Eine Übergangslösung. Denn Athen lehnte die Verwendung „Mazedonien“ ab. Die Befürchtung: Der kleine nördliche Nachbarstaat könnte mit dieser Landesbezeichnung Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erheben. Denn diese Provinz um Thessaloniki heißt Makedonien. Makedonien ist eine historische Region, die ab 1913 zwischen Albanien, Bulgarien, Jugoslawien und Griechenland aufgeteilt wurde. Aus griechischer Sicht gehört das gesamte historische Gebiet Makedonien von Alexander dem Großen ausschließlich zum hellenistischen Nationalerbe.

Prespa Abkommen: Zugeständnisse auf beiden Seiten

Im Abkommen von Prespa machten beide Länder Zugeständnisse. Das Abkommen wurde unter der Vermittlung von EU und UNO ausgehandelt, unter Beteiligung des griechischen Premiers Alexis Tsirpas und des nordmazedonischen Regierungschefs Zoran Zaev. Bekannt wurde auch der UN Sondervermittler Matthew Niemetz, der für den Erfolg des Abkommens sogar seinen Ruhestand verschob.

„Ich bin ja nur froh, wenn sich nicht auch der Name meines mazedonischen Lieblingsweins ändert. T‘Ga za Jug, die Sehnsucht nach dem Süden. Wenn das jetzt nach Sehnsucht nach dem Norden umgeschrieben wird, wäre ich sehr unglücklich.

Germanist Peter Rau, South East European University in Tetovo.
Der Germanist Peter Rau lebt seit 23 Jahren in Nordmazedonien. Er stammt aus dem Raum Heidelberg und lehrt an der South East European University in Tetovo. Foto: BR | Astrit Ibro
Der Germanist Peter Rau lebt seit 23 Jahren in Nordmazedonien. Er stammt aus dem Raum Heidelberg und lehrt an der South East European University in Tetovo. Foto: BR | Astrit Ibro
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