Im ‘Garten der Liebe‘. Foto: BR | Besnik Hamiti

Lieblingsplatz Kosovo: Die Höhle von Gadime
'Garten der Liebe' aus Stalagmiten und Stalaktiten

Der Ort Gadime liegt etwa 20 Kilometer südlich der kosovarischen Hauptstadt Prishtina. In den 1960er Jahren stieß ein Dorfbewohner bei Grabungen auf seinem Grundstück auf eine Höhle. Die Besonderheit dabei: Die „Höhle von Gadime“ oder auch „Marmorhöhle“ besteht nicht wie viele andere dieses Typs aus Kalkstein, sondern, der Name deutet es an, zum Großteil aus Marmor. Nach der Entdeckung dauerte es einige Jahre, bis 1976 die ersten Besucher das Naturwunder besichtigen konnten. Die Höhle besitzt drei Ebenen, wovon etwa 1.500 Meter der mittleren Etage für Besucher geöffnet sind. Darunter liegt eine wasserführende Ebene. Die oberste Etage wird gerade erforscht und soll in Zukunft ebenfalls für Besichtigungen geöffnet werden. Die Temperatur in der Höhle beträgt das ganze Jahr über um die 13 Grad.

Die Legende

Sie besagt: Als einmal ein Hase von einem Jagdhund durch die Höhle gejagt wurde, verschwanden beide im Dunkeln und tauchten erst im Dorf Janjeva, 16 Kilometer entfernt, wieder auf.

 

Dass sich die Höhle tatsächlich so weit erstreckt, konnten Höhlenforscher bisher nicht bestätigen. Bei ihren Untersuchungen fanden sie aber einen etwa 20 Meter tiefen und mindestens ebenso breiten unterirdischen See. Das Alter der Höhle wird auf etwa 80 Millionen Jahre geschätzt. Nachdem man menschliche Knochen dort gefunden hat, liegt die Vermutung nahe, dass die Höhle auch als Unterschlupf diente.

Der Höhlenbesuch

Nach einem kurzen Abstieg erreicht man rund 100 Meter vom Haupteingang entfernt die sogenannte „Konzerthalle“. Hier wurden aufgrund der tollen Akustik tatsächlich bereits Konzerte veranstaltet.

 

Entlang des Rundgangs trifft man auf einige außergewöhnliche Steinformationen. Etwa den „Fisch”, der an den Kopf eines Fisches erinnert. Eine andere, genannt „Der Bart von Skanderbeg“, ist nach dem Bart des albanischen Nationalhelden Georg Kastriota Skanderbeg benannt. Ein paar Meter von einem Steinblock entfernt, dessen Umriss an die Landkarte Kosovos erinnert, liegt der „Wunschbrunnen“. Wer seine Wünsche erfüllt haben möchte muss eine Münze hineinwerfen.

 

Ein Stalagmit in Form eines „V“s befand sich früher im Zentrum der Höhle. Dieser wurde in den 90er Jahren, als die albanischen Verwalter der Höhle gekündigt und die Administration auf die Serben übertragen wurde, zerstört. Das Victory-Zeichen (Friedenszeichen, „V“) galt in den 80er und 90er Jahren, als die Albaner im Kosovo für ihre Freiheit und Gleichberechtigung und gegen das Milosevic-Regime kämpften, als Symbol für diesen Widerstand. Die Reste dieses Stalagmiten können noch besichtigt werden.

 

“Vorhang” oder „Klavier“ wird eine weitere Steinformation genannt. Sie ist lichtdurchlässig und erzeugt Töne, wenn man draufschlägt.

'Wunschbrunnen' und 'Vorhang' in der Höhle von Gadime

Video: Besnik Hamiti

Der Schwerkraft trotzen – Die Aragonitgalerie

Aragonit ist ein häufig vorkommendes Mineral aus Calciumcarbonat. Das Besondere an den Aragonitkristallen in der „Höhle von Gadime“ ist, dass sie an der Höhlendecke und gegen die Schwerkraft wachsen. Üblicherweise findet man sie am Boden einer Höhle. Forscher können bis jetzt keine Erklärung für dieses Phänomen liefern. Es wird aber vermutet, dass ein Magnetfeld dafür verantwortlich ist.

Der Garten der Liebe

Der schönste Teil der Höhle wird “Garten der Liebe” genannt und ist reich an Stalaktiten und Stalagmiten. Und wer stünde besser als Symbol für die unerfüllte Liebe als Romeo und Julia, das bekannteste Liebespaar der Literaturgeschichte. Romeo ein Stalagmit, vom Boden aufwärts wachsend und Julia ein Stalaktit, von der Decke abwärts wachsend. Und irgendwann in ferner Zukunft werden sich die beiden treffen. Also in sehr ferner Zukunft. Denn das Wachstum von Stalaktiten und Stalagmiten beträgt etwa einen Millimeter in 30.000 Jahren. Einer der Höhlenführer hat mich augenzwinkernd zur Hochzeit der beiden eingeladen.

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