In der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien stellte Ivan Ivanji Ende Januar den „Tod in Monte Carlo“ vor, seinen neuen Roman. Foto: BR | Karin Straka

Ein Abend mit Ivan Ivanji
‚Ich schreibe bis ich umfalle‘

„In dem Buch gibt es vieles was stimmt und vieles was erfunden ist.“

Ivan Ivanji über den „Tod in Monte Carlo“

„Tod in Monte Carlo“ – Lesung in Wien

Tod in Monte Carlo. So heißt der Roman, den der serbische Schriftsteller Ivan Ivanji vor kurzem veröffentlicht hat. In der Atmosphäre des heraufziehenden Zweiten Weltkriegs fahren zwei jüdische Freunde aus dem Banat nach Monte Carlo, um Urlaub zu machen. Der reiche Zuckerfabrikant Viktor Elek und der Arzt Moritz Karpaty. „Das Buch hat mein Sohn bestellt“, so der Autor und lacht. Ivan Ivanji spricht außer Serbisch und Ungarisch auch fließend Deutsch und las in der „Österreichischen Gesellschaft für Literatur“ in Wien aus seinem neuen Buch vor. Der Autor hat zahlreiche Romane, Essays, Erzählungen und Hörspiele geschrieben. Darunter eine Trilogie über die römischen Kaiser Diokletian, Konstantin und Julian. In seinen Büchern griff Ivanji den Ungarnaufstand 1956 oder auch die Nazizeit auf. Etwa in „Schlussstrich“, „Der Aschenmensch von Buchenwald“ oder „Mein schönes Leben in der Hölle“.

1929 in Zrenjanin im Banat geboren, wuchs Ivan Ivanji in einer säkularen jüdischen Arztfamilie auf. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1941 nahmen sich seine Großeltern das Leben, seine Eltern wurden ermordet. Der 15-jährige Ivan Ivanji wurde in mehrere deutsche Konzentrationslager verschleppt, darunter Auschwitz und Buchenwald. Als Ivan Ivanji am 24. Januar 2019 in Belgrad seinen neunzigsten Geburtstag feierte, reisten auch Gäste aus Thüringen an. Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald Volkhard Knigge und Ministerpräsident Bodo Ramelow.

„Als Zeitzeugen haben wir zu bezeugen. Aber als Bürger leben wir das normale Leben und wollen uns nicht darauf berufen, dass wir gelitten haben, also ich sicher nicht.“

Ivan Ivanji im Januar 2019 in Wien

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Der serbische Intellektuelle Ivan Ivanji bei einer Lesung in Wien im Januar 2019. Foto: BR | Karin Straka
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Titos Dolmetscher, Journalist, Kulturattaché

In den 80er Jahren war Ivan Ivanji Generalsekretär des jugoslawischen Schriftstellerverbands, er kannte den Literaturnobelpreisträger Ivo Andric und war mit Günter Grass eng befreundet. Der 90-Jährige ist nicht nur ein ungeheuer produktiver Autor. Er hat Karl Jaspers, Max Frisch, Bertolt Brecht oder Günter Grass ins Serbische und Danilo Kis ins Deutsche übersetzt. Ivanji machte sich nicht nur als Autor und Übersetzer einen Namen. Er war Journalist, Dramaturg, Intendant des Belgrader Nationaltheaters, Kulturattaché an der jugoslawischen Botschaft in Bonn und Berater des jugoslawischen Außenministeriums.

 

Ivanji gestaltete den „Dritten Weg“ eines blockfreien sozialistischen Jugoslawiens mit und 15 Jahre lang war er Titos Dolmetscher. Diese Erlebnisse beschrieb er ebenfalls in einem Buch. Der blutige Zerfall Jugoslawiens vertrieb Ivan Ivanji und seine Frau Dragana zeitweise aus seiner serbischen Heimat nach Wien.

Ivan Ivanji im Gespräch über Serbien, die Westbalkanstaaten und die EU

„Die EU gibt es längst nicht mehr, nur hat man es in Brüssel noch niemandem erzählt.“ – Ivan Ivanji Ende Januar 2019 in Wien

 

Video: Karin Straka

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