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Flyer vom Frauenvolksbegehren 2.0. Foto: BR | Vera Gasber

Ein Besuch bei Lena Jäger vom österreichischen Frauenvolksbegehren am Weltfrauentag
Gleichberechtigung statt Rosen

Eigentlich geht es in der Politik darum, Zukunft zu gestalten, nach vorne zu gehen. Derzeit müssen die erkämpften Rechte aber verteidigt werden. Lena Jäger, Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens 2.0, sagt: „Die Frauenrechte werden massiv angegriffen und wir müssen uns dem entgegen stellen (…) Wir arbeiten gar nicht mit dem Begriff der „Gleichstellung“, sondern wir fordern die echte Gleichwertigkeit.“

Am Weltfrauentag geht es eben um Recht, um Gleichwertigkeit, nicht darum, eine Rose zu bekommen.

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Video und Schnitt: Vera Gasber

Sind Frauen wirklich gleichberechtigt?

Es ist 2019. Frauen und Männer sind gleichberechtigt. So steht es in der österreichischen Verfassung. Seit 1918 dürfen Frauen wählen. Seit 1975 ist der Schwangerschaftsabbruch bis zum dritten Monat erlaubt. Ebenfalls seit 1975 dürfen Frauen ohne Zustimmung des Mannes arbeiten. Seit 1989 ist die Vergewaltigung innerhalb einer Ehe strafbar. 1990 gab es mit Johanna Dohnal die erste Frauenministerin und eine über die Parteigrenze geschätzte Politikerin.

1997 gab es das erste Frauenvolksbegehren in Österreich. Ziel war unter anderem gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Doch 2016 wurde der „Global Gender Gap Report 2016“ vom Weltwirtschaftsforum veröffentlicht. Demnach soll es noch 170 Jahre dauern, bis Frauen und Männer gleich viel verdienen, wenn es so weiter geht. Deshalb haben sich 2016 junge Frauen um Lena Jäger in Österreich zusammengeschlossen, um das Frauenvolksbegehren 2.0 zu starten. Mit Erfolg: 481.959 Unterschriften kamen zusammen.

Das erste Frauenvolksbegehren 1997

Das erste Frauenvolksbegehren unterschrieben fast 650.000 Menschen. Bis in die 1970er Jahre hinein waren die Frauen in einer ökonomischen Abhängigkeit, weil sie die Fürsorge der Kinder und des Haushalts übernahmen mussten und somit nicht sozial abgesichert waren. Der Schwerpunkt beim ersten Frauenvolksbegehren lag demnach darauf, dass Frauen aus dieser ökonomischen Abhängigkeit durch Halbtagsarbeit heraus kamen und somit sozial versichert waren. Doch mittlerweile arbeitet immer noch jede zweite Frau halbtags. Bei Männern zwischen 25 und 60 sind es nur 9 Prozent. Somit rutschen Frauen langfristig in die Altersarmut. Das Problem wurde verschoben.

Warum ein zweites Frauenvolksbegehrens 2016 nötig war

Das zweite Frauenvolksbegehren wurde 2016 initiiert. Neun Forderungen wurden gestellt, darunter Teilziele wie Sicherheit, Wahlfreiheit für ein selbstbestimmtes Leben, finanzielle Absicherung und Gleichstellung bei Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft.

Drei Jahre sind seit dem zweiten Frauenvolksbegehren vergangen. Die Situation verschlechtert sich trotzdem, so Lena Jäger. Weibliche Berufe wie die Pflege seien weniger wert als männliche wie beispielsweise solche, die mit Technik oder Geld zu tun hätten. Auch Spitzenposten sind männlich: Nur acht Prozent der geschäftsführenden Posten wurden 2019 in Österreich mit Frauen besetzt. In den Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen ist ein Fünftel weiblich.

Lena Jäger prangert auch Lohn- und Pensionsunterschiede an. Das Vermögen läge ebenfalls bei den Männern, weil „die großen Teile des Erbes, die großen Höfe an die Söhne vererbt werden und die Töchter mit einem kleinen Teil abgespeist werden.“

Retropolitik: Wenn Männer über den weiblichen Bauch entscheiden

Außerdem gäbe es derzeit eine Retropolitik zurück zu alten Rollenbildern. „Schwanger sein wird wieder unglaublich romantisiert und das jung Mutter werden. Dann bist du was, dann hast du eine Aufgabe, dann bist du wer.“

 

In Österreich wird zurzeit der gesamte (Spät)abbruch in Frage gestellt. Zwei Petitionen beschäftigen sich mit dem Thema der sogenannten reproduktiven Rechte, also der Rechte der sexuellen Selbstbestimmung wie Schwangerschaftsabbruch und Verhütung. Die erste Petition „Abtreibungsverbot in Österreich“ möchte ein totales Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen erzielen, die zweite #fairändern möchte eine verpflichtende Bedenkzeit vor einem Abbruch erreichen. Außerdem wird eine anonyme Motivforschung gefordert. Unterstützt wird die zweite Petition von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) und vom ehemaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP).

 

Parallel dazu gibt es in Deutschland seit Monaten eine heftige Debatte um den Paragrafen 219, ob und wie ÄrztInnen schwangere Frauen über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch informieren dürfen.

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